Archiv Dienstag, 19. Oktober 2010

Pferdecontent

Dienstag, 19. Oktober 2010

Zwar habe ich kein Reiterblog zu befüllen, aber einmal kann ich ja auch mal was über Pferde schreiben.
Eine Tante von mir, meine Lieblingstante übrigens, berichtete kürzlich etwas über die Hunnen, das hatte sie im Fernsehen gesehen. Ich glaube, es waren die Hunnen und ich hoffe, ich verbreite hier keine historischen Unwahrheiten. Die Todesstrafe bei denen bestand im Totgetrampeltwerden durch eine Pferdeherde. Zum Tode Verurteilte wurden, so erzählte sie, gefesselt irgendwohin gelegt, und dann raste ein Haufen Pferde über sie hinweg.
Stellen Sie sich bitte mal vor, Sie lägen gefesselt da. In der Ferne schnaubten vereinzelt Pferde, plötzlich ertönte ein Befehl. Die Herde begänne sich zu bewegen. Sie wüssten, wie sich eine in Bewegung setzende Pferdeherde anhört, Sie wüssten auch, wie ohrenbetäubend laut das Getrappel wird, wenn es sich nähert. Sie lägen da und wüssten, wie schwer Pferde sind und wie hart Hufen. Na, und so weiter.
Der Clou an der Geschichte sei aber, erzählte meine Tante, dass Pferde niemals über lebende Menschen hinwegrennen würden. Weshalb die Körper der Todeskandidaten in Decken eingewickelt werden mussten. In den Decken erkannten die Pferde die Menschen nicht, deshalb rannten sie schonungslos über sie hinweg.
Meine Mutter wiederum, Schwester der Lieblingstante, erzählt manchmal eine Geschichte aus meiner Kindheit. Wir waren beim Baden am See, ich war zwei oder so, mein Cousin – Sohn eben jener Lieblingstante und zehn Jahre älter als ich – war mit, und da waren Pferde. Die gingen zum Trinken an den See, und meine Mutter hatte Angst, dass sie mich, ein im Sand spielendes Kleinkind, verletzen könnten. Der halbwüchsige Cousin hingegen behauptete, das würden Pferde niemals tun.
Um das auszuprobieren, baute er eine Mauer aus Sandkuchen, zwei Reihen übereinander. Die Pferde kamen zum Trinken, sie sahen das Hindernis, sie standen davor, sie überlegten lange, wie sie damit umgehen sollten, sie guckten hierhin und dorthin, und am Ende überstiegen sie den Wall in der vorsichtigsten Art, die sich denken ließ. Da hatte er Recht behalten, der Cousin.
Dieselbe Sache, erzählt von zwei Leuten, die sich seit ungefähr 25 Jahren nicht gesehen haben, die jeden Kontakt vermeiden und glauben, so verschieden zu sein, dass sie sich nicht verständigen können in diesem Leben.