Böhlen liegt am Meer

Die Lomografie ist tot.
Das stimmt in Wirklichkeit sicher gar nicht, aber zumindest für diesen Haushalt hier gilt es. Zwar hatte ich nie eine originale LOMO-Kompaktkamera, aber ich besitze den so genannten Actionsampler aus dem Hause LOMO, eine Kleinbildkamera mit Vierfachobjektiv: Das sind vier Weitwinkelobjektive, angeordnet im Quadrat, die nacheinander belichtet werden. Das passiert, glaube ich, mittels einer Scheibe mit einem Loch drin, die sich beim Auslösen einmal dreht und dabei jede Linse eine Viertelsekunde lang freigibt.
Das Ding ist komplett aus billigstem Plastik und bunt wie ein Kinderspielzeug. Oben drauf ist ein gerahmtes Loch zum Hochklappen, das ist der Sucher, da kann man durchgucken oder man kann es lassen. Wenn Sie sich nicht vorstellen können, wie das aussieht, dann gucken Sie hier.
Eine Sekunde Belichtungszeit also. Die fertigen Fotos sind in vier Abschnitte aufgeteilt, getrennt durch schwarze Balken, die zeigen, was in dieser Sekunde vor der Kamera geschah. Oft haben die Abschnitte ganz unterschiedliche Farben, der Lichteinfall ist ganz anders oder sie sind unterschiedlich scharf – Lomografie eben.
Mich hat immer die Möglichkeit fasziniert, eine Serie herzustellen. Die wird interessanter dadurch, dass etwas passiert, zum Beispiel bewegt sich das Motiv, oder man bewegt die Kamera.
In der Öffentlichkeit macht man sich mit der Kamera lächerlich – sie sieht albern aus, man fuchtelt beim Fotografieren wild mit dem Arm, und der Auslöser macht ein ziemlich peinliches knarrendes Geräusch, ein bisschen wie ein Opossum.
Kein Mensch macht mehr analoge Fotos, ich auch nicht, also liegt die Kamera nutzlos herum, und das ist schade. – Warum mir das gerade jetzt einfällt? Weil ich vor ein paar Tagen Post aus Thüringen bekommen habe. Weil ich zweimal in Thüringen war, bei Fotokursen, in einem winzigen Dorf namens Böhlen, mitten im Thüringer Wald, hier nämlich. Und weil ich dort viel mit dieser Kamera fotografiert und beim Vergrößern oft gestaunt habe.


  1. die Actionsamplerfotografie ist auch in diesem Haushalt tot, weil ein Plastikteilchen gebrochen ist; dafür lebt die “Diana” Fotografie. Sibylle will auch eine haben und Gabi hat eine andere LOMO gekauft - also die Lomografie lebt und wenn du nicht völlig hinterm Mond (fotografisch) leben willst, tust du gut daran deine LOMO wieder vor zu holen.

    Freitag, 22. Oktober 2010, 16:43 Uhr von gunda

  2. Dann will ich lieber hinterm Mond leben.
    Und auf die Planscherei mit Flüssigkeiten hab ich schon gar keine Lust mehr.
    Was mich ja allerdings schon mal wieder reizen täte, wäre Lochkamera. Ich hab immer noch eine, die mir Mechthild mal gebastelt hat.

    Freitag, 22. Oktober 2010, 18:31 Uhr von nicwest

  3. Sie hat “Opossum” gesagt! ;-)

    Freitag, 22. Oktober 2010, 18:56 Uhr von Stephan

  4. Das Opossum knarzt in Wirklichkeit viel ausgiebiger als die Kamera.

    Freitag, 22. Oktober 2010, 19:32 Uhr von nicwest

  5. Bei uns kann man plantschen lassen - bei euch nicht?

    Samstag, 23. Oktober 2010, 0:05 Uhr von gunda

  6. Doch. Aber dann muss man ja WARTEN!

    Samstag, 23. Oktober 2010, 10:42 Uhr von nicwest

  7. das ist dann wie Weihnachten; Vorfreude und so….

    Samstag, 23. Oktober 2010, 17:04 Uhr von gunda

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