Schall und Rauch

Wüssten Sie, wie ich heiße und suchten mich bei Facebook, Sie stießen auf die Seite einer Person meines Namens. Sie würden das Bild betrachten und denken, aha, so sieht sie also aus. Ich hingegen betrachte das Bild und denke: So sieht niemand mit diesem Namen aus, mit diesem Namen sieht man so aus wie ich. In Wirklichkeit denke ich natürlich: Mein Name gehört ganz allein mir, ich will ihn mit niemandem teilen. Dabei teile ich meinen Namen – Vorname plus Nachname – nur mit geschätzten zwölf Personen weltweit, vielleicht dreizehn.
Warum man sowas denkt? Vielleicht, weil man glaubt, der Name sei Teil der Person, er gehöre zu einem wie äußere Attribute und Charaktereigenschaften und er präge seinerseits die Wege, die man geht. Immerhin hört man ihn ziemlich oft im Leben. Im öffentlichen Umgang ist der Name das erste Unterscheidungs- merkmal – wenn man jemanden kennenlernt, fragt man zuerst nach dem Namen und nicht nach dem Geburtsdatum. (Aber interessant: Krankenhausarchive sortieren Patientenakten nach Geburtsdatum. Ohne Jahr.)
Vielleicht also hat die Person gleichen Namens bei Facebook tatsächlich etwas mit mir gemein, das sich auf den Namen zurückführen lässt. Namen allerdings sind bestimmt durch Bedeutung, Herkunft, Phonetik und so etwas wie Nimbus, öffentlicher und privater. Herauszufinden, welche dieser Faktoren auf welche Weise Einfluss im Leben von Menschen haben, ist insgesamt eher unmöglich. Ich persönlich möchte ja glauben, die Phonetik spiele die größte Rolle.
Eigentlich bin ich ganz zufrieden mit meinem Namen. Ich mag am Vornamen, dass er ein bisschen offen lässt, ob ich ein Mann bin oder eine Frau (das tut sogar auch mein zweiter Vorname, den ich nicht besonders mag), ich mag am Nachnamen die Himmelsrichtung, die darin steckt. Was ich nicht mag, ist, dass ich den Nachnamen oft buchstabieren muss – im Ausland lasse ich, wenns nicht so wichtig ist, die zweite Silbe einfach weg.
Der Filmemacher Alan Berliner hat sich vor neun Jahren in dem sehr schönen Film The Sweetest Sound mit der Namensfrage auseinandergesetzt. What’s wrong with sharing your name?, fragt er jemanden auf der Straße in New York. Well, antwortet sie, sharing I would think is what’s wrong with it. Er lädt zwölf andere Personen mit dem Namen Alan Berliner zu sich ein und versucht mit ihnen zusammen herauszufinden, welchen Einfluss ein Name auf einen Menschen hat. Sehr spannend.


Hey, mit spanischen Untertiteln!

Ein weiterer Teil ist hier.


  1. In der Tat spannend! Ich hätte ja angenommen, dass “Alan Berliner” eine viel seltenere Kombination aus Vor- und Nachname ist als in meinem Fall. Aber wenn ich es recht überblicke, teile ich mit keinem anderen Menschen auf diesem Planeten diese Namenskombination.

    Samstag, 23. Oktober 2010, 13:15 Uhr von HS

  2. Schätze, dass es auch niemanden gibt der genau so heißt wie ich - aber vielleicht wünsche ich mir das nur

    Samstag, 23. Oktober 2010, 17:14 Uhr von gunda

  3. Wir haben ja nur das Internetz zum Überprüfen.
    Aber unwahrscheinlich, dass irgendein Mensch in einem winzigen Dorf in Burundi so heißt wie ihr.
    Sehr cool find ich ja auch meine Schwester - die hat sich für ihren Sohn einfach einen Namen ausgedacht. Steht in keinem Namenslexikon, ist beim Standesamt anstandslos durchgegangen.

    Samstag, 23. Oktober 2010, 21:52 Uhr von nicwest

  4. Meine Verflossene wurde von Eltern benamst, die des Französischen nicht wirklich mächtig waren, wodurch dann trotz eines Allerweltsnachnamens eine ziemlich einmalige Kombination herauskam. In den späten Neunzigern habe ich dann eine Namens-, ja was? -base? über eine der damals populären Telephonbuch-CDroms ausfindig gemacht - natürlich im Osten - und um eine Geburtstagspostkarte für die Meine gebeten.

    Selbst hätte ich gerne einen zweiten Vornamen gehabt, wenn auch nur als Mittelinitial für Veröffentlichungen. Dafür könnt’s gern das Trolololo-o, das mir zwei von drei Leuten beim Erstkontakt in den Nachnamen schmuggeln, behalten.

    Montag, 25. Oktober 2010, 19:54 Uhr von Stephan

  5. Apropos Allerweltsnachname - Wikipedia, Du hast sie auch nicht alle:

    68. Winter, Übername

    77. Sommer, sozial bedingte Beziehung zur Jahreszeit

    Montag, 25. Oktober 2010, 19:58 Uhr von Stephan

  6. Hehe.
    Ach, so ein zweites Initial kann man sich doch jederzeit ausdenken.

    Montag, 25. Oktober 2010, 21:44 Uhr von nicwest

  7. Grandios. Hatte er das “Y” schon immer? Schon zu Schnabeltier-Johannes-Zeiten?

    Andererseits, muss ich für zusätzliche Vornamen und -skürzel im Zweifel nicht auch den Reichsminister des Inneren befragen?

    Montag, 25. Oktober 2010, 21:55 Uhr von Stephan

  8. Tatsächlich! Na dann machen Sie mal.

    Das “Y” hatte er damals noch nicht, glaube ich. Aber es ist genau die richtige Ergänzung für so einen Namen.

    Dienstag, 26. Oktober 2010, 6:13 Uhr von nicwest

Kommentar schreiben

You must be logged in to post a comment.