Schnee, Kerzen, Musik

Wenn das die Definition von Weihnachten ist, dass man etwas tut, was man sonst nicht dauernd macht, was Spaß macht, was mit Kerzen und Musik zu tun hat, und vorher kocht man was, und zwischendurch macht man einen langen Spaziergang im Schnee – dann war das heute ein perfekter Weihnachtsfeiertag.
Zwar musste das mit dem Kochen improvisiert werden, weil der Lieblingskollege eine detaillierte Liste der einzukaufenden Dinge nicht an mich gemailt hatte, sondern an eine Schülerin desselben Namens. Die hatte artig geantwortet, das klinge ja alles sehr lecker, aber sie glaube nicht, dass sie gemeint sei – nur war der Kollege da schon unterwegs. Also aßen wir Spaghetti mit roter Soße.
Danach kam der Spaziergang durch Tiefschnee im unberührten Wald, und wir trafen Leute, die sagten Fröhliche Weihnachten und wollten wissen, ob da, wo wir herkämen, Wildschweine seien. Wir hatten aber laut gesungen und ziemlich viel gelacht – so benimmt man sich eigentlich nicht im Wald – und konnten sie beruhigen: wenn, dann seien die bestimmt vertrieben. Was wir allerdings gesehen hatten, war ein kleines Reh, das uns überhaupt nicht hörte, weil sein Kopf komplett im Schnee steckte. Also wie Strauß und Sand, nur mit Reh und Schnee. Reimt sich auch viel besser.
Während des Spaziergangs sammelten wir Ideen und Reime und Melodien, zu Hause zündeten wir Kerzen an und schrieben den Refrain auf, den wir schon unterwegs fertig hatten. Dann die Strophen. Dann setzte sich der Kollege ans Klavier, improvisierte ein bisschen, ich sagte gefällt mir, gefällt mir nicht, und heraus kam ein Kosakenwalzer in k-moll für Frau L., deren Vorname mit K beginnt, und die Anfang Januar ihren sechzigsten Geburtstag feiert. Bei der Gelegenheit wird ein Chor ein Lied singen, dessen Refrain so beginnt:

Vom Kopierer verachtet, von den Freunden geliebt…

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