Archiv 2010

Die Mühen der Ebene (20. Dezember)

Montag, 20. Dezember 2010

Nachts haufenweise Schnee, deshalb heute wieder schulfrei. Alle anderen Landkreise schaffen es zu schreiben: Im Landkreis Soundso fällt wetterbedingt der Unterricht aus. Unser Landkreis hingegen formuliert: Im Landkreis Soundso fällt die Schüler- beförderung aus, der Unterricht findet aber statt. Bekam ich also um halb sieben die ersten Elternanrufe – nein, lassen Sie Ihr Kind bloß zu Hause – eine Stunde später saßen in jeder Klasse die ortsansässigen Schüler, das ist bei uns ungefähr ein Viertel, also durchschnittlich acht Stück. Sinnvoller Unterricht ist da nicht möglich, und selbst die gutwilligsten Kinder werden sauer, wenn sie die dritte Stunde hintereinander lustige Spiele spielen müssen.
Einfach heimschicken ging aus versicherungsrechtlichen Gründen auch nicht, also wirkten sämtliche Kollegen auf die Schüler ein, zu Hause anzurufen und sich mit Erlaubnis der Eltern so schnell wie möglich aus dem Staub zu machen. Die Schule leerte sich ziemlich zügig, so dass man später am Vormittag beim Klingeln in die zu betreuende Klasse ging, feststellte, dass die leer war, und dann ohne Verzug wieder zurückkam ins Lehrerzimmer.
Eine solche arbeitslose Stunde verbrachten Frau ohne T und ich mit einigen Loriot-DVDs, die eigentlich zur Schülerbespaßung gedacht waren. Musik ist, so denke ich, oder wie Adorno einmal sagte: Ja ja, die Musik. Kürzer und prägnanter kann man es nicht formulieren.

Die Mühen der Ebene (19. Dezember)

Sonntag, 19. Dezember 2010

Der Preis für orthographische Kreativität geht in dieser Woche an das Kind, das das schnöde allerlei in ein Wort arabisch-slawischer Herkunft verwandelt hat: allalaj.
Musste ich leider anstreichen, sieht aber viel schöner aus.

Die Mühen der Ebene (18. Dezember)

Samstag, 18. Dezember 2010

Die Mühen der Ebene (17. Dezember)

Freitag, 17. Dezember 2010

Geschenkte freie Zeit – ein Gut, das mit zunehmendem Alter immer wertvoller wird, zumindest bis zur Pensionierung. So’n Schiet, murmelt die kurz vor der Pensionierung stehende Kollegin angesichts der Tatsache, dass sie vergebens zur Arbeit angereist ist. Dabei grinst sie aber heimlich. Für einen unerwarteten freien Tag schlendert man gern frühmorgens ein bisschen durchs Gebäude und schickt vereinzelte Schüler nach Hause, die nicht Radio gehört haben.
Gerade gestern hat mir ein Kollege erzählt, dass es in seiner dreiundzwanzig Jahre währenden Tätigkeit an dieser Schule erst ein einziges Mal schneefrei gegeben habe, nämlich im letzten Schuljahr. Und heute also abermals.
Um neun bin ich wieder zu Hause, schippe ausführlich Schnee, lese die Zeitung von vorn bis hinten durch und schreibe in aller Ruhe den Bericht über das gestrige Weihnachtskonzert. Mittags gehe mit den Lieblingskollegen essen im kältesten Restaurant des Ortes, nachmittags korrigiere ich zwei Klassensätze Diktate. Weder falle ich ins Freitagnachmittagskoma noch verspüre ich das Bedürfnis, abends um acht ins Bett zu gehen.
Es ist ja nicht so, dass ich nicht gearbeitet hätte heute. Aber die fünf Stunden, die ich nicht unterrichtet habe, machen offensichtlich eine Menge aus.

Die Mühen der Ebene (16. Dezember)

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Dieser Landkreis hier ist ein bisschen knauserig mit schneefrei, muss man ja leider so sagen.

Nachtrag: Ich nehme das wieder zurück.

Die Mühen der Ebene (15. Dezember)

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Heute habe ich einen Bratapfel für eine Kartoffel gehalten – es ist wirklich Zeit für Ferien.
Und jemand hat mir zugezwinkert, das wollen wir doch mal festhalten.

Die Mühen der Ebene (14. Dezember)

Dienstag, 14. Dezember 2010

Es macht mich wahnsinnig, wenn Schüler nicht in der Lage sind, einen Film anzuschauen, der dreißig Jahre älter ist als sie. Verstummt der Dialog und setzt Musik ein, fangen sie sofort an zu reden, die Veränderlichkeit von Schauspielergesichtern interessiert sie überhaupt nicht, bei langen Einstellungen rutschen sie unruhig auf ihren Stühlen hin und her und schwarzweiß ist ja sowieso das Allerletzte – ich muss mich wirklich zusammenreißen, um das nicht persönlich zu nehmen.
Dabei ist Therese Giehse so großartig.