Archiv Sonntag, 9. Januar 2011

Durchkommen

Sonntag, 9. Januar 2011

Ihren sechzigsten Geburtstag feiert Frau L. in einem Heidjer-Gasthof in ihrem Wohnort, der auch der Wohnort von Georgette Dee ist. Die nahrhafteste Adresse Deutschlands. Mit der Familie hat sie schon gefeiert, dies ist die Veranstaltung für Freunde und Kollegen.
Uns setzt man an einen Tisch, der Junges Gemüse heißt. Wohl- gemerkt, ein Gesprächsthema an diesem Tisch ist, wie wir alle unsere vierzigsten Geburtstage feiern wollen, die nicht mehr allzu weit weg sind. Die ehemalige Kollegin erzählt interessante Dinge aus Oldenburg. Über unser selbstkomponiertes Ständchen, am Freitag nach Schulschluss noch gewissenhaft im Musikraum geprobt, freut sich Frau L. sichtlich, natürlich bekommt sie ein Exemplar überreicht.
Dann gibt es eine dieser altmodischen Diashows mit Szenen aus dem Leben der Jubilarin. Uns beeindrucken besonders die Kollegiumsfotos – Frau L. zuverlässig auf allen drauf, die wechselnden Schulleiter hat sie alle überdauert. Im Gegensatz zu anderen Kollegen ist sie immer erkennbar. Egal in welchem Alter, ihr haftet stets etwas Jugendliches an, außerdem guckt sie auf jedem Bild freundlich in die Kamera. Auch ist ihr Kleidungsstil unverwechselbar und unbeeinträchtigt von den Moden, den eulenhaften Brillen und den Schulterpolstern in den Achtzigern zum Beispiel.
Wie kommt man durch im Leben und in unserem Beruf? Tun, was von einem verlangt wird, ohne sich allzu sehr zu ärgern. Freundlich sein, viel lachen. Jung bleiben im Kopf. Ein ausschweifendes Privatleben pflegen. Viele Freunde. Man selbst sein und bleiben. – Klingt alles total einfach, ist es aber nicht.
Als das junge Gemüse sich verabschiedet, räumt Frau L. gerade Tische und Stühle zur Seite. Sie will tanzen.