Archiv Samstag, 15. Januar 2011

Say Cheese

Samstag, 15. Januar 2011

Gucken Sie mal hier und achten Sie auf die Gesichter (via croco). Ich zähle fünf, auf denen ansatzweise so etwas wie Wohlbehagen erkennbar ist. Alle anderen sehen misstrauisch, ängstlich, schlecht gelaunt oder erschrocken aus.
Auf dem letzten Foto, das ich von meiner Klasse gemacht habe, lächeln alle. Nicht, weil ich ihnen das befohlen hätte, sondern das machen sie ganz von selbst – schon bei Zweijährigen kann man den Pawlowschen Reflex beobachten, ein ganz und gar unnatürliches Fotolächeln aufzusetzen, sobald ein Objektiv auf sie gerichtet wird. Und vorher musste ich ihnen verbieten zu posen, auch etwas, was viele ganz von selbst tun. Auf der Kursfahrt nach London im letzten Jahr habe ich ziemlich viele unvorteilhafte Fotos von posenden Abiturkindern von hinten gemacht.
An den verwischten Gesichtern auf dem Foto von 1905 kann man sehen, dass die Belichtungszeit ziemlich lang war, und da ist es natürlich leichter, nicht zu lächeln. Aber dass man heutzutage grinst, was das Zeug hält, sobald man weiß, man wird fotografiert, muss auch damit zu tun haben, dass in diesen Zeiten Models, Schauspieler, Musiker anders fotografiert werden als vor hundert Jahren und dass wir so viele solcher Fotos sehen.
Das wär mal ein schönes Aufsatzthema: Zur Kulturgeschichte des Lächelns auf arrangierten Gruppenfotos. Ich hab im Moment keine Zeit – Sie können es gerne haben.
Und auf der rechten Portalsäule ist ein Kreide-Graffito.