Archiv Februar 2011

Schnipsel. Berlin.

Samstag, 26. Februar 2011

# In Berlin werden an allen möglichen Stellen Fahrräder abgestellt, auch dort, wo es überhaupt keinen Sinn ergibt. An irgendwelchen dunklen Papierkorb-Pfosten in der Nähe von Nichts sind Schrott-Fahrräder mit Hochsicherheits-Schlössern angekettet. Man wundert sich.

# Beim Lesen im Zug Idee für eine Dissertation: Romanhandlungen, die am 11. September 2001 spielen – warum und in welcher Weise nutzen Autoren die bekannten Ereignisse (sind die nicht ihrerseits schon längst fiktionalisiert?), und wie verknüpfen sie ihre fiktiven Handlungen damit? Entsteht daraus eine eigene Gattung? Titel: Fact and Fiction: 9/11-Romane. – Sind bestimmt schon andere drauf gekommen.

# Jessnerstraße. Die einzige dieses Namens in ganz Deutschland.

# Wie immer bewundere ich Berlins Radfahrer, zu denen ich einst selbst gehörte – für ihren unermüdlichen Kampf gegen das viel stärkere Auto, für ihre Nachsicht gegenüber Touristen, die auf Radwegen herumstehen, und dafür, dass sie jedem Wetter trotzen und auch bei Eiseskälte unterwegs sind. Ich weiß, es sind nicht alle so, und ich habe auch immer die Rennen mit denjenigen gehasst, die langsamer waren, aber dennoch an jeder roten Ampel gnadenlos aufs Neue überholten. Im Übrigen haben die Berliner Radfahrer nix zu meckern. In den meisten Städten gibt es weniger Radwege.

# Jemandem begegnet, der in den 70er-Jahren mal hier in der Gegend gelebt hat. Drei Dörfer weiter, in dem Ort, wo Frau L. seit jeher wohnt. Was er dort gemacht habe, frage ich ihn. Naja, sagt er, wir haben eben so vor uns hingelebt. Dort hätten großartige Partys stattgefunden, zu denen man eigens aus Hamburg angereist sei, und außerdem sei dort die Ökobewegung entstanden. Ich weiß nicht, ob ich das glauben kann. Da muss ich wohl mal Frau L. fragen.

# Junggesellen-Abschiede, die gibt es noch in großem Stil: Ungefähr 15 Männer mit Bierkästen steigen ein in einen Regionalzug von Stendal nach Uelzen. Einer von denen, Tobi, ist verkleidet als Schaffner, er ist derjenige, der heiraten wird. Er und jeweils drei, vier Kameraden gehen durch den ganzen Zug und versuchen irgendwas zu verkaufen – Süßigkeiten, Schnaps, einen Kalender vom letzten Jahr. Um die Hochzeit zu finanzieren. Sie sind ziemlich charmant, ich kaufe aber trotzdem nichts.

# Hundertwasser-Bahnhof. Ich mag ihn nicht.

Die Hübschigkeit der Schauspieler (7)

Samstag, 19. Februar 2011

Stirb langsam 4.0, 2007, mit Bruce Willis, Justin Long, Timothy Olyphant

Die Hard also hat der fürsorgliche Kollege für uns Banausen ausgesucht, die wir freiwillig im Kino keinen Actionfilm sehen würden. Dass wir trotzdem immer genau wissen, wie es weitergeht, und das Ende schon nach fünf Minuten voraussagen können, ist bestimmt Zufall. Und sicher ist es dem anstrengenden Elternsprechtag geschuldet, den wir am Nachmittag zu absolvieren hatten, dass zwei von uns zwischenzeitlich mal kurz wegnicken. Frau L. verpasst auf diese Weise die zentrale Szene – den Kampf des Mannes gegen das Flugzeug (überflüssig zu erwähnen, dass der Mann gewinnt).
Der Sidekick-Nerd nervt ein bisschen, führt aber praktischerweise in seiner Umhängetasche passende Stecker für jede Gelegenheit mit sich. Klar, dass der am Ende eine Pistole bedienen muss, um zu einem echten Unterhemd-Helden zu werden. Dass die ihre Konflikte aber auch nicht gewaltfrei austragen können. Das Meister-Schüler-Motiv steckt darin, außerdem wieder der alte Herr der Ringe-Quest. Am Bechdel-Test scheitert dieser Film selbstverständlich grandios.
Hübsch ist nicht Bruce Willis, sondern sein böser Gegenspieler – dessen Erscheinung vernebelt Frau L. dermaßen die Sinne, dass sie von seiner Habgier nichts mitbekommt: „Wieso, der will doch nur die Welt verbessern…?“
Was wir nach dem Film reden, ist in einem Elternsprechtags-Müdigkeitsnebel verschwunden, aus dem zwei vereinzelte Felsbrocken herausragen: Erstens Madonna, von Frau L. beharrlich als „das dumme Stück“ tituliert, zweitens Sibirien, und was man dort an Winterabenden ohne Elektrizität täte (Frau L. würde Gedichte aufsagen, ich würde Romanhandlungen nacherzählen, Kollegin G. würde ihre Reisen rekonstruieren…). Und noch spät nachts habe ich mir die Zusammenfassung des Filmabends notiert: Das Böse frisst die Fische roh. Fragen Sie nicht.

Himmel!

Mittwoch, 16. Februar 2011


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Schnee rutscht in Dalí-Manier vom Dach und hat dabei einen der Rosenstöcke vor dem Haus erschlagen. Dem Schneemann im Garten ist der Mund aus dem Gesicht gefallen; seine Augenbrauen sind nach unten gesackt, so dass er jetzt grimmig aussieht anstatt erstaunt.
Am Himmel wird gemalt.

Ins Essen gequatscht

Sonntag, 13. Februar 2011

Was gruselige Filme betrifft, bin ich ein großer Schisser; zwar besitze ich Das Schweigen der Lämmer auf DVD, aber nur wegen Jodie Foster, und die unheimlichsten Szenen überspringe ich. Genau wie Frau Kaltmamsell hatte ich größte Bedenken, Black Swan zu sehen, und in der Tat habe ich Traumata davongetragen – oder wie erklärt sich sonst, dass ich in der Nacht danach von der Szene mit der Nagelfeile geträumt habe?
Ich sehe viele Filme, aber ich gehe selten ins Kino, weil es weit weg ist. Das habe ich bisher immer bedauert, aber dieses Mal ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich lieber allein bin beim Filmegucken. Die anderen Leute hatten nämlich auch alle Schiss und verschafften sich nach aufregenden Szenen Erleichterung, indem sie sie laut kommentierten – die Sexszene zum Beispiel oder sämtliche Darstellungen physischer Gewalt. Auch begriffen die wenigsten, dass dieser Film mit der ersten körnigen Tanzszene beginnt, dass die Musik dazugehört und dass man dann gefälligst den Mund hält. In der Schule fällt es mir auch immer sehr schwer, nicht wütend zu werden, wenn Schüler nicht in der Lage sind, einen Film schweigend zu sehen. –
Wie die meisten Kritiker fand ich Black Swan sehr gut; Natalie Portman wiegt auf, dass die Botschaft ziemlich eindeutig ist und das Ende vorhersehbar.

Limerick (71)

Donnerstag, 10. Februar 2011

A lady performer in yellow
enthralled a salacious young fellow.
He thrust a reward
through her G-string, and – Lord!
He broke the string right off her cello!

Nichts

Montag, 7. Februar 2011




Solange es innere Deckung gibt, können einem die Verluste des äußeren Lebens nichts anhaben.

Karl Kraus






Fluss (22)

Sonntag, 6. Februar 2011