Schnipsel. Berlin.

# In Berlin werden an allen möglichen Stellen Fahrräder abgestellt, auch dort, wo es überhaupt keinen Sinn ergibt. An irgendwelchen dunklen Papierkorb-Pfosten in der Nähe von Nichts sind Schrott-Fahrräder mit Hochsicherheits-Schlössern angekettet. Man wundert sich.

# Beim Lesen im Zug Idee für eine Dissertation: Romanhandlungen, die am 11. September 2001 spielen – warum und in welcher Weise nutzen Autoren die bekannten Ereignisse (sind die nicht ihrerseits schon längst fiktionalisiert?), und wie verknüpfen sie ihre fiktiven Handlungen damit? Entsteht daraus eine eigene Gattung? Titel: Fact and Fiction: 9/11-Romane. – Sind bestimmt schon andere drauf gekommen.

# Jessnerstraße. Die einzige dieses Namens in ganz Deutschland.

# Wie immer bewundere ich Berlins Radfahrer, zu denen ich einst selbst gehörte – für ihren unermüdlichen Kampf gegen das viel stärkere Auto, für ihre Nachsicht gegenüber Touristen, die auf Radwegen herumstehen, und dafür, dass sie jedem Wetter trotzen und auch bei Eiseskälte unterwegs sind. Ich weiß, es sind nicht alle so, und ich habe auch immer die Rennen mit denjenigen gehasst, die langsamer waren, aber dennoch an jeder roten Ampel gnadenlos aufs Neue überholten. Im Übrigen haben die Berliner Radfahrer nix zu meckern. In den meisten Städten gibt es weniger Radwege.

# Jemandem begegnet, der in den 70er-Jahren mal hier in der Gegend gelebt hat. Drei Dörfer weiter, in dem Ort, wo Frau L. seit jeher wohnt. Was er dort gemacht habe, frage ich ihn. Naja, sagt er, wir haben eben so vor uns hingelebt. Dort hätten großartige Partys stattgefunden, zu denen man eigens aus Hamburg angereist sei, und außerdem sei dort die Ökobewegung entstanden. Ich weiß nicht, ob ich das glauben kann. Da muss ich wohl mal Frau L. fragen.

# Junggesellen-Abschiede, die gibt es noch in großem Stil: Ungefähr 15 Männer mit Bierkästen steigen ein in einen Regionalzug von Stendal nach Uelzen. Einer von denen, Tobi, ist verkleidet als Schaffner, er ist derjenige, der heiraten wird. Er und jeweils drei, vier Kameraden gehen durch den ganzen Zug und versuchen irgendwas zu verkaufen – Süßigkeiten, Schnaps, einen Kalender vom letzten Jahr. Um die Hochzeit zu finanzieren. Sie sind ziemlich charmant, ich kaufe aber trotzdem nichts.

# Hundertwasser-Bahnhof. Ich mag ihn nicht.

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