Ferien
Samstag, 16. April 2011Vierzehn Wochen von Weihnachten bis Ostern, das waren ein paar zu viel. Ich merke das daran, dass mich die Zeitung nicht interessiert, dass ich nichts mehr schreiben mag – oder alles, was ich schreibe, blöd finde – und dass ich bei der Arbeit ungeduldig und reizbar werde. Eigentlich bin ich ganz gut darin, Ärger über einzelne Personen nicht auf ganze Klassen zu übertragen, aber diese Fertigkeit schwindet in Zeiten großer Erschöpfung. Eine Kollegin erzählte kürzlich, dass sich eine Klasse in ihrer Stunde darüber unterhalten habe, was denn mit mir in der Stunde vorher losgewesen sei – sowas ist mir ziemlich unangenehm.
Den Ferienbeginn gebührend zu begehen, ist deshalb unerlässlich für den Seelenfrieden. Es muss eine Grenze geben, hinter der man guten Gewissens behaupten kann, wieder man selbst zu sein. Diesmal war das die Hamburger Staatsoper mit Donizettis Lucia di Lammermoor. Was Oper angeht, sind wir alle ziemliche Banausen, darum hatten wir schon beim Vorlesen der Handlung aus dem Programmheft großen Spaß. Der Text erinnerte alle an die zwei Cousinen, und spätestens als jemand Evelyn Hamanns Fähigkeit erwähnte, am Ende der Ansage zerzaust auszusehen, ohne dass irgendwer ihre Haare berührt hätte, war uns die Opernhandlung egal.
Die Musik hingegen nicht. Belcanto hin oder her; immer wenn ich live hergestellte Musik höre, wird mir bewusst, welch riesiger Unterschied das ist, ob man eine Konserve konsumiert oder jemandem beim Musikmachen zuhört. Bei Rock ist das bei mir nicht unbedingt so, aber bei Jazz und Klassik schon, und diese Oper war einfach nur schön. Man sollte mehr Konzertveranstaltungen besuchen. Without music, life would be a mistake.
In Wirklichkeit sind das diesmal keine Ferien. Es ist eher unterrichtsfreie Zeit. Und ich werde Dänemark vermissen.