Archiv Oktober 2011

Bard Fiction

Montag, 31. Oktober 2011

Vor drei Jahren war die Arbeit noch in vollem Gange; inzwischen ist sie abgeschlossen – die Übersetzung von Quentin Tarantinos Film Pulp Fiction in Shakespeare-Englisch. Eine wahrhaft heroische Tat, jedes Sinnes entbehrend und dennoch überaus nützlich für alle, die mal eben schnell ein lustiges Stück aufführen wollen einen anspruchsvollen Theaterabend planen. Eine Komplettversion gibt es hier, und dies ist ein Ausschnitt aus dem Prolog, in dem das Gangsterpärchen Tim Roth (Pumpkin) und Amanda Plummer (Honey Bunny), ein Restaurant ausraubt:

Pulp Fiction

HONEY BUNNY
I love you, Pumpkin.
PUMPKIN
I love you, Honey Bunny.

PUMPKIN [Standing up with a gun]
All right, everybody be cool, this is a robbery!
HONEY BUNNY
Any of you fucking pricks move, and I’ll execute every motherfucking last one of ya!

Bard Fiction

MEADSWEET
Sweets with sweets war not.
PUMPKIN-PIE
Joy delights in joy.

PUMPKIN-PIE [Draws a dagger and lays it upon the table]
My fellows fair, of tavern green, I beg
Your leave; I would thy coin and precious jewels!
MEADSWEET
If but one of thy uncouth, base number
Stirs with unrest; then every mother’s son
Of you, I will put in the earth by this
My very own long sword; Harken to’it.

Limerick (76)

Sonntag, 30. Oktober 2011

It is right to write three anapests
as a limerick’s line form suggests.
Then there’s two lines with two
where the topic turns blue,
so the last line can finish with breasts.

Gelb die Stoppelfelder

Freitag, 21. Oktober 2011

Schrumm, schrumm, schrumm

Dienstag, 18. Oktober 2011

Die Sprachen der Künste sind unersetzlich und nicht austauschbar – wer den Kölner Dom tanzt oder einen Roman auf der Geige spielt, wird das nicht so hinbekommen, dass andere das wiedererkennen. Wenn ein Dirigent dem Orchester eine Partitur vortanzt, funktioniert das auch nur, weil die Musiker die Noten vor sich haben. Die Unterschiede zwischen den Künsten und ihre ureigenen Sprachen – das ist ein hochspannendes philosophisches Thema, über das sich schon ganz andere Leute Gedanken gemacht haben.
Mit Sprache, also Sprache-Sprache, lassen sich Kunstwerke immerhin so genau beschreiben, dass man sie sich ungefähr vorstellen kann: Es gibt Total Recall, das Festival des nacherzählten Films, es gibt lange Zeitungsartikel, in denen Journalisten die winzigsten Geschmacksnuancen einer Mahlzeit beschreiben, es gibt Architekturkritik. Bei Musik ist das am schwierigsten: Die Fachsprache ist komplex und hochgradig abstrakt – wie sich eine Sixte ajoutée anhört, können sich wohl nur Musiker vorstellen. Musik ist ja ohnehin die am wenigsten gegenständliche und am direktesten das Gefühl ansprechende Kunst. Da wäre es doch viel einfacher, man ließe den ganzen komplizierten Kram sein und verwendete zur Wiedergabe von Musik stattdessen das lateinische Alphabet – wenn Sie zum Beispiel lesen: Ta Ta Ta Taaah, dann wissen Sie doch sofort, welches Stück gemeint ist.
Als ich gestern dies twitterte

da war Frau Kaltmamsell auf Anhieb klar, dass es sich um Tschaikowskis erstes Klavierkonzert handelte (nun gut, sie hatte vorher gewusst, dass es ein Klavierkonzert war, aber trotzdem).
Man könnte nun einen Verein gründen, zum Beispiel den Verein zur Verwandlung von Tönen in Buchstaben oder den Verein zur Alphabetisierung von Musik oder so, und schon hätte man eine neue Lebensaufgabe.
Dies hier erkennen Sie doch bestimmt auch:

Dit dit dit dit dit dit diiiiiie
dit dit dit dit dit dit diiiiiie
dit dit dit dit dit dit diiiiiie
dit dit dit dit die POFF!
Laa laa la la lalalala la la la...

Klugscheißen, Sprache

Montag, 17. Oktober 2011

Sprache wandelt sich, der Duden hält nur einen momentanen Sprachstand fest, richtig oder falsch gibt es nur in bestimmten institutionalisierten Zusammenhängen, zum Beispiel in der Schule. Die Macht der Sprecher ist groß, Regeln können durch konsequente Missachtung geändert werden, Sprachschutz gibt es nur in individueller Form.
Wir lesen Blogs in eigenwilliger Rechtschreibung, wir finden Tippfehler und seltsame grammatische Konstruktionen in Zeitungen, wir schätzen sprachliche Innovation in der Literatur, und wir alle reden jeden Tag Zeugs, das nicht im Mindesten dem gerade gültigen Regelwerk entspricht – trotzdem verstehen wir und werden verstanden. Das ist nichts Neues.
Die Regeln zu kennen, ist trotzdem sinnvoll, weil orthografische und grammatische Korrektheit komischerweise immer noch als Wert an sich gilt. Wer in bestimmten formalisierten Zusammenhängen nicht korrekt schreibt, verliert an Sozialprestige. Das gilt selbst für Berufe, die nicht in erster Linie mit Sprache zu tun haben – mir hat mal ein Tischler erzählt, er habe ein Stück Holz als bearbeitet kennzeichnen wollen, aber plötzlich nicht mehr gewusst, ob er vertig oder fertig schreiben müsse, also habe er es gelassen – zu peinlich, hätte es falsch dagestanden.
Wer’s nicht kann, wird ausgelacht oder kriegt eine schlechte Note. Wer’s kann, zeigt mit dem Finger auf Deppen-Apostrophen und betreibt mit einem niederträchtigen Überlegenheitsgefühl mutwillige Regelverstöße – zum Beispiel beim Imitieren von Mündlichkeit in schriftlichen Texten. Über die soziale Funktion von Sprache kann man sich wundern oder ärgern oder auch nicht – in England ist das sowieso ja noch viel schlimmer – jedenfalls ist Sprache gesellschaftlich wichtig, und sie ist ein Thema, bei dem jeder meint, mitreden zu können.
Vielleicht sollten wir das mit dem Mitreden und der Häme einfach mal lassen. Wenn mich ein Schüler vor dem Lehrerzimmer fragt: Können Sie das bitte bei Herr Müller ins Fach legen?, dann sage ich: Herrn Müller! Dativ! Dabei lässt mich mein eigenes Sprachgefühl ausgerechnet beim Thema Kasuskongruenz komplett im Stich:

*Dem Schreiben als achtbare Arbeit kommt zu wenig Bedeutung zu.

*In der Tasche des Schülers, einem großgewachsenen Vierzehnjährigen, befand sich ein Apfel.

*Beim Spielen von schnellen Noten wie z.B. Achtel, Sechzehntel oder Zweiunddreißigstel wird mir schlecht.

Ich kann mir das wohl rational herleiten, aber ich muss immer erstmal überlegen.
Wichtiger als grammatische und orthografische Korrektheit finde ich die Fähigkeit zum Registerwechsel, also das Vermögen, die Sprache einer Situation anzupassen. Schlimmer also als den Dativ-Fehler fände ich: Ey, kannste das mal bei Herrn Müller ins Fach legen?

Kinder im Herbst

Sonntag, 16. Oktober 2011

Schneebeeren weiß und schaumig knallen,
wenn sie die Kinder sich zerdrücken,
die durch den roten Herbst hinwallen
und nichts als rotes Laub zerdrücken.
Mit Ruten treiben sie die Stiere
und peitschen die Kastanien locker.
und flammend auf die Vogelmiere
tropft nun der Herbst sein Gold und Ocker.

Laut singend in der Nebelfrühe
ziehn sie ins krautige Gehege,
dort wo der Ampfer für die Kühe
noch steht am alten Gleis der Wege.
Der Nebel zieht die weißen Kutten
den Kindern wie ein Laken über,
und auch das Rot der Hagebutten
verdämmert milchiger und trüber.

Die Luft verraucht, noch warm vom Öle,
dort faueln blaue Haselnüsse,
das Lied schläft in der Meisenhöhle,
die Kinder planschen durch die Güsse.
Sie hörn den ödesten der Laute,
das trübe Sickern in der Brache.
Der Zeisig schweigt, die Wiesenraute
neigt sich im Grau der Wasserlache.

© Peter Huchel, 1932

Wer auf dem Kopf steht, hat den Himmel unter sich

Freitag, 14. Oktober 2011
uǝɥǝʇs nz ɟdoʞ ɯǝp ɟnɐ ɯn ‘ʇɥɔɐɯǝƃ ʇɥɔıu puıs uǝpıɯɐɹʎd ǝıp pun uǝɥɔsuǝɯ ǝıp