Archiv November 2011

Fluss (25)

Montag, 28. November 2011

Draufklicken öffnet die Serie.

Die Hübschigkeit der Schauspieler (14)

Samstag, 26. November 2011

Der dritte Mann, 1949, mit Joseph Cotten, Alida Valli, Orson Welles

Dam da dam da dammm da dammm… – das Harry-Lime-Theme ist ein ganz schlimmer Ohrwurm, der uns jetzt zwei Wochen lang verfolgen wird. Erstaunlicherweise beginnt er gar nicht mit Punktierten, sondern mit Triolen, wie man auf dem Grabstein des Komponisten und Zitherspielers Anton Karas nachlesen kann. (Links daneben liegt übrigens Strecki begraben.)
Alle erwarten einen Operettenfilm von Frau L., aber dann ist es der Dritte Mann. Anspruchsvolle klassische Unterhaltung ist genau das Richtige nach einem anstrengenden Elternsprechtag, auch wenn das heimliche Motiv hinter diesem Film ein belehrendes ist: Ach, wie DEZENT dieser Film doch sei, ruft Frau L. an mehreren Stellen demonstrativ aus. In der Tat sieht man weder die missgebildeten Kinder im Krankenhaus noch die Morde an Paul Hörbiger und Orson Welles, und selbstredend handelt es sich um ein besonders edles Exemplar der Kategorie Anzugfilm.
Die Straßenlampen müssen in diesem Wien von damals wohl dicht in Bodennähe befestigt gewesen sein, anders sind die riesigen Schatten nicht zu erklären. Zu welcher Jahreszeit der Film spielt, ist auch nicht ganz klar; manchmal sieht man eine Atemwolke vor den Schauspielermündern, manchmal nicht. Holly ist ein seltsamer Vorname für einen Mann. Die expressionistisch-schrägen Kameraperspektiven nennt Frau L. chinesisch, aber dieses Internetz kennt sie als Dutch angles. Die Hübschigkeit der Schauspieler ist ganz okay. Besser noch sind die schwarz-weiß-Töne und das grandiose Licht.
Hinterher blättern wir im Geschichtsbuch, um die Wissenslücken im Kapitel Besatzungsgeschichte zu schließen. Die Ergebnisse dieser Studien sind leider im Elternsprechtags-Müdigkeitsnebel verschwunden, schreibt die mal bitte in die Kommentare, ja?
Nächster Termin: 16. Dezember.

Kindertausch

Freitag, 18. November 2011

Um diese Jahreszeit finden die pädagogischen Dienstbespre- chungen für die Klassen 5 und 6 statt, das sind Treffen der jeweiligen Klassenkollegien, bei denen über jedes einzelne Kind gesprochen wird. Auffälligkeiten werden festgestellt, Entwicklungen notiert, Förder- und Forderbedarf wird festgehalten, Handlungsbedarf besprochen. Diese Konferenzen sind aus mehreren Gründen ärgerlich und sinnlos, aber das ist ein anderes Thema.
„Was Frau P. zu viel hat, hat Frau S. zu wenig“ – mit diesem Satz leitete ein Kollege eine kreativpädagogische Diskussion ein. Es ging um zwei Kinder: Das eine ist unseres Erachtens eher ein Realschüler, wird aber von seiner Mutter konsequent unterstützt. Unterstützt ist das falsche Wort, denn das Kind leidet sichtlich unter den Erwartungen der Mutter, die es nicht erfüllen kann.
Kind Nummer zwei könnte Unterstützung gebrauchen, bekommt sie aber zu Hause nicht. Auf die schulischen Schwierigkeiten ihres Sohnes angesprochen, antwortete Frau S.: Was soll ich denn da machen?
Was Frau P. zu viel hat, hat Frau S. zu wenig – die Mütter sind nun mal so, aber die Kinder sind noch beeinflussbar. Die sinnvollste Lösung wäre da doch, einfach die Kinder zu tauschen – über- fordertes Kind zur Mutter, der es irgendwie egal ist, clever-chaotisches Kind zur Mutter, die auf Ordentlichkeit und prompte Erledigung schulischer Pflichten Wert legt.
Das entsprechende Anschreiben haben wir auch gleich entworfen:

Sehr geehrte Frau P.,
bei der pädagogischen Dienstbesprechung wurde für Ihr Kind folgende Fördermaßnahme beschlossen: Die kommenden drei Wochen wird P. bei Familie S. verbringen. Im Gegenzug erhalten Sie Kind S., um das Sie sich bitte wie um ihren eigenen Sohn kümmern: Kontrollieren Sie regelmäßig seine Hausaufgaben, wiederholen Sie noch einmal alle Englisch-Vokabeln der Lektion 2 und üben Sie alle Mathematik- aufgaben, die für die nächste Klassenarbeit relevant sind.
Von Gesprächen mit Ihrem eigenen Kind über schulische Dinge raten wir dringend ab.
Mit freundlichen Grüßen…

15. November: Tag des unbekannten Googlers

Dienstag, 15. November 2011

Lieber unbekannter Googler, auch wenn die Beziehung zwischen Ihnen und mir häufig auf schrecklichen Missverständnissen beruht – heute werden Ihre Fragen ernsthaft beantwortet und Ihre Kommentare kommentiert, heute suchen Sie nicht ins Leere hinein, sondern begegnen einem verständnisvollen Gegenüber. Sie fragen, ich antworte.

Boot hinten
Heck. Das war einfach.

Beginn der Heizperiode
Traditionell und unumstößlich immer am ersten Oktober. Ist es im September kalt, muss gefroren werden.

viele Bücher wenig Platz
Kenn ich, altes Problem. Umziehen hilft.

liegende Kinderbücher
Keine Sorge, Bücher können, anders als Wein, sowohl stehend als auch liegend aufbewahrt werden. Praktischer ist allerdings stehend.

Bücher, die durcheinander liegen
Macht nix. Schadet ihnen nicht. Wenn es Sie stört: aufräumen.

Sportarten, die im Dunkeln ausgeführt werden
Davon habe ich noch nie etwas gehört, aber die Attraktivität der Dunkelsportbewegung erschließt sich mir unmittelbar. Der Spannungsfaktor steigt ins Unermessliche: Um wieviel aufregender ist ein Fußballspiel, wenn kein Spieler weiß, wo der Ball gerade ist. Nicht ob der Biathlet die Scheibe trifft, ist dann die Frage, sondern ob er nicht vielleicht gerade einen Konkurrenten abknallt. Skispringen mit reihenweise spektakulären Stürzen ist sicher auch super. Und das Problem mit den Live-Fernsehübertragungen lässt sich bestimmt irgendwie lösen.

Handarbeiten und Strickanleitung
Da sind Sie bei mir an der falschen Adresse. Ich kann Socken stricken (tu ich aber nicht), und das wars. Es gibt haufenweise Handarbeitsblogs. Woher ich das weiß? Keine Ahnung.

fresh socks
Ja nee, strick dir selber welche.

Ulysses Hans Wollschläger wann?
Wann werden Sie es lesen? Wann werden Sie es endlich beenden? Der Ulysses ist eigentlich gar nicht so abschreckend; man kann ihn auch naiv lesen und lustig finden, ohne den Intertext zu verstehen. Und der innere Monolog Molly Blooms am Ende ist ja nun etwas, was man unbedingt kennen muss.

Geisterjunge im Baum
Echt? Ein Geisterjunge im Baum? Das hat nicht jeder. Gibt es da nicht Behörden, die für so was zuständig sind?

Lobo am ersten Tag schuf gar nichts
Ich wusste nicht, dass Lobo sich auch als Schöpfer betätigt hat, aber dass er bei sieben Tagen Zeit am ersten nur prokrastinierte, wundert mich gar nicht.

Satzzeichen wie?
Wenn Sie sich die Tastatur Ihres Computers mal genauer angucken, dann werden Sie entdecken, dass es Tasten gibt, auf denen die Satzzeichen abgebildet sind: ,.!;- und so weiter. Die drücken Sie einfach und zack! sind die Satzzeichen in Ihrem Text. Das Fragezeichen haben Sie ja schon gefunden.

Scheinargument für Deutschunterricht
Ja, hier, Totschlagargumente: Deutschunterricht – das machen wir schon immer so. Eine deutsche Schule ohne Deutschunterricht ist unserer Zielgruppe nicht vermittelbar. Es gibt einfach keine Alternative zum Deutschunterricht. Schule in Deutschland ohne Deutschunterricht – da weiß ich schon, wo das endet: im totalen Rechtschreibchaos.

Gesamtkonferenz dauert zu lang
Da sprechen Sie mir aus dem Herzen. Leider lässt sich das nur schwerlich ändern. Die Kunst ist, sich während des Zuhörens mit etwas ganz anderem zu beschäftigen, ohne die Kollegen zu stören.

wiesenraute pflege
Möglichst viel reinschreiben, Kommentare beantworten, jeden Tag haufenweise Spamkommentare löschen, zweimal im Jahr die Zeit umstellen. Eigentlich müsste man auch mal die Softwarefehler beseitigen (kann ich nicht, hab ich ja selbst reingeschrieben) und die Version der Software aktualisieren (trau ich mich nicht – irgendwann findet sich sicher jemand, der mir das macht).

alles okay
Und dann gibt es noch den unbekannten Googler, der mir regelmäßig versichert, alles sei okay. Da fällt mir dann immer ein Stein vom Herzen.

Tage des unbekannten Googlers 2010 und 2008 (2009 hab ich das irgendwie vergessen).

Herbst

Sonntag, 13. November 2011


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Im Garten hängt gefrorene Wäsche auf der Leine, und jemand müsste mal wieder Blätter fegen. Nicht gelb sind die Stoppelfelder, sondern weiß vom Raureif. Aber die Sonne scheint, und so eine Herbstmorgen-Atmosphäre kriegt keine andere Jahreszeit hin.

Lehrer, Schüler, Eltern

Samstag, 5. November 2011

Lehrer sind Lehrer und sonst nichts. Sie haben kein Privatleben, und was sie in den Pausen im Lehrerzimmer tun, ist unklar. Auf keinen Fall reden sie miteinander, schon gar nicht über Schüler. Wenn man sie beim Einkaufen trifft, muss das ein Versehen sein. Lehrer wohnen in der Schule. Nachmittags sitzen sie alle im Lehrerzimmer und korrigieren, und nachts schlafen sie in den Fächern im Schrank, einer neben dem anderen.
Schüler sollten eigentlich nur Schüler sein und sonst nichts. Nachmittags sollten sie zu Hause sitzen, Hausaufgaben machen und lernen. Was sie sonst noch so machen – Klavier spielen, reiten, Partys feiern – ist überflüssiger Schnickschnack. Wenn man sie beim Einkaufen trifft, muss das ein Versehen sein. Schüler haben keine Manieren, lästern ununterbrochen über Lehrer, und die allermeisten sind dumm wie Brot.
Eltern sind vor allem Eltern. Ihr Verhältnis zur Schule ihrer Kinder ist ein gestörtes: Entweder sie kümmern sich überhaupt nicht oder sie rufen nachmittags bei den Lehrern an und fragen: Was können wir denn noch lernen? Wenn man sie beim Einkaufen trifft, wollen sie über die mündlichen Noten ihrer Kinder sprechen. Eltern haben grundsätzlich viel zu wenig Ahnung von Erziehung und viel zu viel Mitspracherecht. Und das stimmt alles wirklich.