Die Hübschigkeit der Schauspieler (15)

Der Adler der Neunten Legion, 2010, mit Channing Tatum, Jamie Bell, Donald Sutherland

Der Adler der Neunten Legion, das Taschenbuch zum Film – ja nee, so ist es falschrum. Das Buch von Rosemary Sutcliff ist ein Jugendbuchklassiker, erschienen 1954, und der Film ist eine Hollywood-Produktion aus dem Jahr 2010.
Über das Buch habe ich in der siebten Klasse mal ein Referat gehalten, dessen Beginn meine kleine Schwester und ich bis heute auswendig können, weil ich anscheinend sie als Publikum benutzt habe, um das unendlich oft zu üben: „Rosemary Sutcliff wurde in einem kleinen Ort in Südengland geboren. Als kleines Kind erkrankte sie schwer und konnte einige Jahre lang keine Schule besuchen. Später befasste sie sich intensiv mit historischen Studien, die sie in ihren Romanen verarbeitete…“ Zudem steht das Buch total zerlesen im Bücherregal – schlechte Voraussetzungen für den Film also.
Der war im zentralen Kino des Provinzstädtchens angekündigt worden, in Vorschauen und auch in Gestalt einer lebensgroßen Pappfigur des römischen Centurio Marcus Flavius Aquila im Foyer. Er wurde dann dort nie gezeigt, und quasi aus Protest kaufte Kollegin G. die DVD, kaum war sie erschienen.
Es ist wieder mal die klassische Quest-Situation: eine Aufgabe, die erfüllt werden muss, an der die Mitwirkenden wachsen und die sie – das weiß man von Anfang an – natürlich meistern werden. Das Bemühen um historische Akkuratesse ist erkennbar, die Schauspieler sind leidlich hübsch (bis auf den Stiernacken des einen und die Segelohren des anderen), wenn man will, kann man schwulen Subtext entdecken.
Interessanter sind die Unterschiede zwischen Buch und Film. Das Drehbuch tut alles, um poetische Passagen zu nivellieren und die Dramatik zu steigern, und zwar die Dramatik von Kampfszenen. Da zersäbeln Streitwagen mit Sensenblättern an den Naben Männerbeine, da wird wild aufeinander eingestochen, kleinen Kindern die Kehle durchgeschnitten, Leute werden enthauptet. Und uns wird übel.
Die Altersfreigaben schwanken ziemlich: in Deutschland ab 12, in Italien ohne Beschränkung, in Großbritannien unter zwölf nur in Begleitung eines Erwachsenen, in Finnland ab 15, in Malaysia ab 18. Der anwesende Gast (40) meint, ab 41 wäre genau richtig.
2010 ist ein weiterer Film zum Thema des rätselhaften Verschwindens der Neunten Legion erschienen, Centurion von Neil Marshall – hier ist eine ganz kenntnisreiche Einordnung des Stoffs.

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