Archiv Mittwoch, 29. Februar 2012

Die Mühen der Ebene (29. Februar)

Mittwoch, 29. Februar 2012

Zehnte Stunde, viertel nach drei bis vier, mit Fünftklässlern, das ist anstrengend. Alle sind erschöpft, die Schüler allerdings mehr als ich, sie haben in der zweiten Stunde angefangen, ich erst in der fünften. Sie können nicht mehr stillsitzen, sie sind aufgedreht und albern, gleichzeitig haben sie ein dringendes Bedürfnis nach Ruhe. Normalerweise lasse ich sie um diese Zeit viel schreiben – dann herrscht konzentrierte Stille, jeder kann in seinem eigenen Tempo arbeiten, und es ist leicht, bei Störungen für Ruhe zu sorgen. Heute ging das nicht, weil wir morgen eine Klassenarbeit schreiben und dafür Dinge an der Tafel wiederholt und – teilweise mündlich, teilweise schriftlich – geübt haben.
Es herrschte eine permanente Grundunruhe, die mir ganz furchtbar auf die Nerven ging. Niemand redete ungefragt, aber sie scharrten mit den Füßen auf dem Boden, kramten in Etuis herum und raschelten mit Papier, teilweise so laut, dass man nicht verstehen konnte, was Einzelne sagten.
Mein Standardspruch in solchen Fällen ist immer: Es muss so ruhig sein, dass man die Uhr ticken hört. Das hilft, zumindest für eine Weile – wenn alle die Uhr ticken hören wollen, ist es tatsächlich totenstill. Mit anderen Klassen habe ich schon erbittert darüber gestritten, ob die Uhr überhaupt tickt; in dieser Fünften schallte es mir heute freudig entgegen: Wir haben keine Uhr mehr!
Michelle hatte nämlich gestern aus Versehen die Uhr von der Wand gefegt, und da stand ich dann nun also und war um meinen Vergleich gebracht. Im Übrigen ist es kein Geheimnis, dass man im Nachmittagsunterricht weniger schafft als vormittags.