Archiv März 2012

Ferien

Samstag, 24. März 2012

Um halb sechs aufwachen, Kaffee kochen, keine Zeitung im Briefkasten, dann vielleicht doch mal im Reiseführer lesen, Schulschlüssel vom Schlüsselbund abmontieren, Kaiserwetter und gute Laune, zwei Listen schreiben, ein Briefing in des Müllers alter Scheune, ein geöffneter Koffer, da fliegen nach und nach alle Sachen rein, ausprobieren, ob die Sonnenbrille noch passt, und zum ersten Mal nicht die Frage, welche Bücher mit sollen – sie kommen einfach alle mit.

Die Mühen der Ebene (16. März)

Freitag, 16. März 2012

Seit Weihnachten haben wir jetzt zehn Schulwochen hinter uns, noch eine, dann gibt es Osterferien. Die Zeit zwischen Weihnachten und Ostern ist immer die anstrengendste – warum, weiß ich auch nicht. Mit Schrecken denke ich ans letzte Jahr zurück, da waren es vierzehn Wochen, und man musste nach Ferienbeginn erstmal drei Tage durchschlafen, bevor man wieder zu irgendwas zu gebrauchen war.
Heute war es warm, die Sonne schien, Schüler und Kollegen hatten gute Laune, der Neue in meiner Klasse ist beim Lächeln beobachtet worden, und so lässt es sich noch eine Woche aushalten. Allerdings, und das ist dann vielleicht doch dem Kräfteverfall geschuldet, hab ich keine Lust mehr zum Tagebuchbloggen.

Die Mühen der Ebene (15. März)

Donnerstag, 15. März 2012

Und dann sitzt da heute in meiner Klasse plötzlich ein neues Kind – querversetzt durch den Beschluss der gestrigen Klassenkonferenz, wegen eines schwerwiegenden Vergehens. Als ich vor meinem Klassenraum ankomme, stehen da sämtliche Mädchen aus seiner alten Klasse, umarmen ihn, als würde er zum Schafott geführt, und heulen sich die Augen aus dem Leib. Die Kollegin mit T erzählt später, ihr sei richtig aufgefallen, wie ungeschminkt diese Mädels heute ausgesehen hätten.
Und als ich sie da so kollektiv heulend stehen sah – ich konnte nicht anders, ich musste lachen.

Die Mühen der Ebene (14. März)

Mittwoch, 14. März 2012

Ich bin ja so stolz auf meine Klasse!
Heute hatte der Referendar seine Showstunde, und die Klasse war diszipliniert, aufmerksam, willig und motiviert. So motiviert, dass sie im Grammatik-Teil der Stunde englische Antworten auf die deutschen Fragen des Referendars gaben. Der kommentierte Sitzplan, den er mit seinem Entwurf abgegeben hatte, schien komplett falsch, weil Schüler, die darin als still gekennzeichnet waren, sich besonders häufig beteiligten. Es war die siebte Stunde, direkt nach der Mittagspause, sie hatten am Vormittag schon eine Lateinarbeit geschrieben, und sie ließen sich nicht ansatzweise durch den Trompetenunterricht ablenken, der zu der Zeit immer über uns stattfindet. Der Referendar erzählte hinterher, dass, während er in einer Einzelarbeitsphase herumging und ihnen beratend zur Seite stand, eine Schülerin zu ihm sagte: Am Anfang haben Sie ja ein bisschen gezittert, aber jetzt geht es, oder? und eine andere meinte: Bleiben Sie mal cool, das läuft alles super. Manchmal möchte ich sie knutschen.
Der Referendar hat seine Sache übrigens auch gut gemacht. Morgen wird er noch einmal mitkommen und Schokolade unters Volk werfen.

Die Mühen der Ebene (13. März)

Dienstag, 13. März 2012

Wir sollten viel mehr zusammenarbeiten.
Nun ist es mitnichten so, dass wir überhaupt nicht zusammen- arbeiten; wir besprechen viel Organisatorisches und Nichtfachliches, Klassen oder einzelne Schüler betreffend – meistens in einer viel zu kurzen Pause zwischen Tür und Angel. Wir fragen ab und zu, ob jemand dieses oder jenes schon mal unterrichtet habe, ob einem mal wer was erklären könne, ob jemand zufällig ein zu oft kopiertes Arbeitsblatt gebrauchen könne. Und dann gibt bei uns noch die zwei Kolleginnen, die seit dreißig Jahren gemeinsam korrigieren. Aber so richtig inhaltlich zusammenarbeiten – das tun wir eher selten.
Mit derselben Kollegin, mit der ich im letzten Jahr tagelang über mündliche Abiturprüfungen nachgedacht habe, habe ich heute mal eben locker den Rest des zweiten Halbjahrs im Elferkurs Deutsch geplant. Nun gut, wir wissen, dass wir zusammenarbeiten können: Beide haben wir gute Ideen, eine hat mehr Erfahrung, die andere mehr Material, wir mögen unser gemeinsames Fach besonders gern, ein Wort gibt das andere – und heraus kommt eine Planung, die jede einzeln nur unter wesentlich höherem Zeitaufwand zustande gebracht hätte. Und längst nicht so gut. Drei Stunden saßen wir heute zusammen, und in der ersten haben wir nur Tee getrunken und Kuchen gegessen. Das sollten wir öfter machen.
Allerdings ändert es nichts daran, dass Unterrichten letztlich ein einsames Geschäft ist.

Die Mühen der Ebene (12. März)

Montag, 12. März 2012

Unterricht bis vier und danach noch Dienstbesprechung – solche Tage lieben wir. Zum Glück haben Frau ohne T und ich inzwischen ein Mittel gefunden, wie wir bei der Besprechung gleichzeitig zuhören und Spaß haben können, ohne dabei Kollegen zu stören: Wir schreiben eine Riesenmaschine-Ratgeberliste So geht’s / So nicht – wer ebenfalls anwesend war, erkennt etwas wieder, dem Rest werden keine Geheimnisse verraten. Viel besser als Korrigieren oder Zeitunglesen.
Am besten allerdings war der Referendar, der irgendwann einfach ging, weil es ihm zu lange dauerte. Der kennt das Wort Dienstpflicht noch nicht.

So geht’s

Schnuppernde neue Eltern – Eltern falsche Listen geben – viele Stapel liegen haben – Schule übers Wochenende offen lassen – Digitalisate horten – Liste auslegen – keine Anmerkungen oder Fragen – es war ein Mittwoch gewesen – Semmelknödel mit Pilzsauce – das ganze Internet durchforsten – in der Küche laut lachen – noch was dazu sagen und dann noch was dazu sagen – mal was über Merlin erzählen – Format mit drei Buchstaben – virtuell rummurksen – das Passwort bekanntgeben – eine Leitlinie entwickeln – Bildungsreise in eine kulturelle Stadt – einfach gehen

So nicht

Unterricht auf hohem Niveau – kleine Feierstunden – so ähnlich wie ein Fußball-WM-Hit heißen – runter vom Sofa – problematische Mittagspausen – besondere Wünsche eintragen – harmonischeres Schulklima – hungern – nichts machen, was irgendwie verboten wäre – das Abitur schaffen – den Boden für ein positives Arbeitsklima bereiten – Qualifizierungskonzept – Fortbildungsbeauftragter sein – Wörkschopps als Multiplikator anbieten – ein Kreuz machen – an dem hier arbeiten

Die Mühen der Ebene (11. März)

Sonntag, 11. März 2012

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