Klassenfahrt
Samstag, 30. Juni 2012Zum Surfen an die Ostsee – das klingt wie ein Widerspruch in sich. Ist es aber nicht, nicht mit Anfängern und schon gar nicht mit Kindern. In Wirklichkeit war es auch gar nicht die Ostsee, an die wir letzte Woche mit meiner Siebten auf Klassenfahrt gefahren sind, sondern das Salzhaff – geschützter Raum, keine Chance abzudriften nach Dänemark.
An den ersten beiden Tagen hatten wir Starkwind mit Sturmböen, am letzten überhaupt keinen Wind mehr; besser wäre es umgekehrt gewesen. Jetzt denken sie alle, sie könnten surfen.
Jeden Abend die Schülerhandys einzusammeln, war eine gute Idee („Waaas? Und was ist, wenn wir in der Nacht dringend telefonieren müssen?“), aber insgesamt sind Handys bei solchen Gelegenheiten eher Fluch als Segen. Eine Stunde nach der Ankunft, beim Anprobieren der Neoprenanzüge, im strömenden Regen, hielt mir ein Kind wortlos sein Telefon hin. Dran war die Mutter, die mal fragen wollte, wie es sein könne, dass ihre Tochter in einem Zimmer ohne Bad und Toilette nächtigen müsse, das sei doch nicht hinnehmbar, wofür habe sie denn so viel Geld bezahlt. Ich bin so leicht nicht aus der Ruhe zu bringen, aber in dem Moment musste ich mich sehr beherrschen, um die Frau nicht anzubrüllen. Die aufgestaute Wut bekam dann hinterher das verwöhnte Gör ab –
zu Recht.
Die zwanzig Euro für den Surfschein hätten wir besser auch vorher eingesammelt, bei einigen waren sie nämlich plötzlich verschwunden, investiert in Cola und Süßigkeiten.
Mit dem Surferkollegen (der surft auf der Dampferwelle in Warnifornia) verreise ich jederzeit wieder, der ist super. Wir haben uns ausführlichst und in maliziöser Art und Weise über Schüler lustig gemacht, natürlich diskret in deren Abwesenheit – das war nötig, um den Abstand zur pubertären Hyperdramatisierung alltäglicher Ereignisse zu wahren. Mit ihm Fußball zu gucken, war wegen seiner Fachkenntnisse sehr attraktiv, und im Tischtennis waren wir gleichwertige Gegner, ganz anders als in allen anderen Sportarten.
Die Schüler vergnügten sich mit Einradfahren und Fußballspielen gegen Berliner Fünftklässler und Lüneburger Neuntklässler (alle gewonnen), einer wollte unbedingt jeden Tag baden, abends fotografierten sie am Strand kitschige Sonnenuntergänge, die Macho-Jungs gaben Geld dafür aus, sich die Bude von den Hausmütterchen-Mädchen aufräumen zu lassen, bei der Radtour nach Rerik fuhr einer der coolsten Jungen kopfüber in einen schlammigen Graben, fürs Zuspätkommen gab es Abzug von der Discozeit. Allerdings waren sie an Disco generell eher noch nicht so interessiert. Und wir trafen Cormen, of all people in the world – bisschen unhöflich, der Typ, nicht besonders sicher auf internationalem Parkett.
Am Ende waren alle müde.


