Archiv Juli 2012

Girl Jiving in Southam Street

Sonntag, 29. Juli 2012

Dies ist das Original, und außerdem ist es hier, hier und hier drauf. Bisschen inflationär.

Hier sind zwei großartige neue Meta-Limericks von @ErwinJurschitza für den VHMLH.

Ein Limerickschreiber aus Zwitter
Versuchte es auch mal auf Twitter.
Doch welch’ ein Verdruss,
Es war zu früh Schluss!
Bitter.

In 8-2-3-8-8 St. Oppter
Ein Dichter beginnt, doch dann stoppt er:
LOL,
Keiner sich traut
Mit nur 100 chars, ROFLCOPTER!

Und ich mach hier jetzt mal für eine Weile die Schotten dicht. Danke fürs Mitlesen und bleiben Sie mir gewogen. Bis demnächst.

Ein Ausflug, ein Ausflug (3)

Samstag, 28. Juli 2012

Wenn man frei hat und nichts unternimmt, verfliegen die Tage wie nichts, und auf einmal sind die Ferien vorbei. Also machen wir heute erneut einen Ausflug in bewährter Manier – Kollegin G. zuckelt über die Landstraßen, Frau L. rät den Weg und liest manchmal Karte, ich hocke hinten drin. Ziel ist diesmal das Wendland. Typisch für das Wendland sind neben den gelben Andreaskreuzen gegen Gorleben die Rundlingsdörfer.

In Schreyahn gibt es den Künstlerhof Schreyahn, wo Schriftsteller und Komponisten ein paar Monate Stipendium verleben können. Der Lyriker Matthias Göritz schrieb dort diesen Haiku:
Sehnsucht als Landflucht
Schau: Hier kann man Jahreszeit
sehn; kein Satz zuviel.

Diesmal stoßen wir ständig auf den Namen Schulz / Schulze oder Schultz; die Schultzens seien die Adligen unter den Schulzens, erklärt uns die Küsterin in Satemin.


Grabstein von Friederike Schulze von 1910 auf dem Friedhof neben der Kirchenruine Spithal.

Wie immer sagt Frau L. während der in alle Richtungen mäandernden Unterhaltungen unterwegs mehrmals zu mir: Das musst du nachher in diesem Internetz nachgucken. Ich sage dann immer: Schreib eine Liste, sonst vergesse ich das. Sie: Wenn du so ein Streichel-Handy hättest, wäre das alles einfacher. Das ist ein wiederkehrender Wortwechsel. Ich habe kein Streichel-Handy, aber der Name des isländischen Literatur-Nobelpreisträgers lässt sich dann doch auch durch intensives Nachdenken ermitteln – einen Kopf dabeizuhaben, ist auch nicht schlecht.
Dannenberg ist ein bisschen enttäuschend, die Innenstadt ist winzig, es gibt nur ein einziges Eiscafé, in dem drängeln sich die Leute, man findet keinen freien Platz. Auf einer Hauswand steht: “Die Bullen sind doof und stinken.” Immerhin gibt es einen originellen Friseur.


.
Das mit dem unnützen Wissen von neulich stellt sich übrigens als Zitat aus dem Münchener Tatort Frau Bu lacht heraus, wo jemand sinngemäß sagt: Ich bin Lehrerin, und deshalb trage ich ein großes Arsenal unnützen Wissens mit mir herum.
Auf dem Rückweg fahren wir durch Jameln, da kannte ich mal wen.

Ein Ausflug, ein Ausflug (2)

Donnerstag, 26. Juli 2012

Ferien, noch ist niemand verreist, da kann man mal wieder einen
dieser Ausflüge machen. Kollegin G. chauffiert in gemächlichem Tempo über Land, Frau L. sitzt vorn und kennt den Weg, ich quetsche mich nach hinten. Ziel sind diesmal die Vierlande, wo ich in meiner Hamburger Zeit seltsamerweise nie war; auf dem Weg nehmen wir mit, was wir kriegen können: besonders viele Fachwerkkirchen mit allein stehenden hölzernen Kirchtürmen daneben.

Fachwerkkirche mit einem allein stehenden Holzturm daneben, in Egestorf. Sieht aus wie eine Scheune auf einem Sockel.

Die Reihenfolge ist: St. Martin, St. Gertrud, St. Nikolai, St. Johannis, St. Stephanus, St. Martin, wobei St. Martin Nummer eins Backsteingotik ist, nicht Fachwerk (im dortigen Gästebuch steht: “Gott ist scheiße, und ihn gibt es nicht”), und St. Martin Nummer zwei komplett aus Holz. St. Johannis in Curslack ist eine besonders skurrile Kirche, dort gibt es in jeder Kirchenbank seltsame Hutständer und aufwändig bestickte Sitzkissen, außerdem verfolgt uns dort der Nachname Puttfarken / Putfarcken, das heißt auf Hochdeutsch Schmutzfink oder Ferkel.

Frau L. behauptet, es habe mal einen Schauspieler namens Otto Putfarcken gegeben, aber dieses Internetz weiß davon nichts.

Zweimal überqueren wir die Elbe mit der Fähre, wir essen Mittag im Zollenspieker Fährhaus und besichtigen ein Freilichtmuseum sowie ein Haus, in dem Traugott mal gewohnt hat. Außerdem stellen wir fest, dass wir allesamt große Areale unnützen Wissens mit uns herumtragen, zum Beispiel weiß Frau L., dass der Schauspieler Wolfgang Völz eigentlich ganz anders heißt, „Aaron plus irgendwas ganz Konkretes, sowas wie Katzenellenbogen“. In Wirklichkeit ist es Treppengeländer, aber das alles steht auf wackligen Füßen.
Und Schafe am Deich haben wir natürlich auch gesehen.

Die Mühen der Ebene (20. Juli)

Freitag, 20. Juli 2012

Sommerrock ist bei uns kein Kleidungsstück, sondern eine Musikveranstaltung. Die fand in der zweiten Stunde in der alten Pausenhalle inmitten großer Pfützen statt, weil es dort in den letzten Tagen ganz heftig durchgeregnet hatte. In der dritten Stunde gab es Zeugnisse, und die Schüler verschwanden nach Hause, während im Lehrerzimmer noch Blumentöpfe überreicht wurden. Als ich selbst zu Hause war, montierte ich zuallererst den Schulschlüssel vom Schlüsselbund ab, auf rituelle Art und Weise. Frohe Ferien.

Die Mühen der Ebene (19. Juli)

Donnerstag, 19. Juli 2012

Diesen Donnerstag hätte man getrost aus dem Kalender streichen können, zumindest den Vormittag. Unterricht jedenfalls fand nicht mehr statt. In der sechsten Stunde hatte ich eine total überflüssige Vertretung in einer zehnten Klasse und wollte gerade das Wort Film in den Mund nehmen, da winkten sie schon ab – sie hätten den ganzen Tag lang Filme geguckt und keine Lust mehr dazu. Sie entschieden sich dann dafür, ganz einfach nichts zu tun, wobei nichts darin bestand, mich auf charmanteste Art und Weise zu bereden, sie früher nach Hause gehen zu lassen. Hat nicht gefruchtet, war aber nett.
Abends in der Taverne wollte mich jemand überreden, Golf spielen zu lernen. Das war auch ganz interessant, und ich weiß jetzt, was es mit diesem Handicap auf sich hat – aber ebenfalls nicht erfolgreich. Tag der misslungenen Überredungen.

Die Mühen der Ebene (18. Juli)

Mittwoch, 18. Juli 2012

Wandertag. Wettervorhersage genauso wie die für gestern, nur dass sie heute tatsächlich zutraf und man „leichte Regenschauer“ durch „Starkregen“ ersetzen musste. Ob wir wirklich paddeln wollten, fragte der Paddelbootverleiher an der Anlegestelle. Selbstverständlich, entgegneten wir mit Überzeugung.

Eine zehnte Klasse hatte angesichts des Wetters gestern schon entschieden, doch nicht paddeln zu wollen, und später auf der Tour sahen wir gelbe Schilder, die den Picknickplatz einer sechsten Klasse auswiesen – dieser Klasse waren wir aber vorher schon begegnet, da hatten sie gerade aufgegeben.

Nur wir paddelten tapfer die vierzehneinhalb Kilometer, die wir uns vorgenommen hatten. Büsche streiften uns mit tropfenden Blättern im Gesicht, Nacktschnecken krochen an uns hoch – wir paddelten weiter. Es regnete Blasen – wir paddelten weiter. Irgendwann war es egal, ob man eine Regenjacke an- und eine Kapuze aufhatte, man war einfach nass bis auf die Haut – wir paddelten stoisch weiter. Als wir angekommen waren, verglichen wir die Blautöne unserer steifgefrorenen Finger.

Aber dann konnten wir uns umziehen, es gab heißen Tee, es wurde gegrillt, man konnte Fußball spielen, die angeblich so peinlichen Eltern kamen mit allerlei Hunden und Babys und Salaten – und es war ein schöner Tag.

Die Mühen der Ebene (17. Juli)

Dienstag, 17. Juli 2012

Sportfest. Das Wort Dienstpflicht war vorher sehr deutlich ausgesprochen worden, und weil wir nicht den Vormittag in einer nach Schülerschweiß stinkenden Sporthalle verbringen wollten, übernahmen Frau ohne T und ich eine Aufsicht beim Sponsorenlauf, der in den Parkauen entlang des Flüsschens, das durch unsere Gefilde sich windet, stattfand.
Aufsicht ist das falsche Wort, in Wirklichkeit war es eine Meta-Aufsicht, denn wir hatten Aufsicht führende Schüler zu beaufsichtigen, die das alles organisiert und sehr gut im Griff hatten. Also setzten wir uns auf eine Parkbank und harrten der Dinge, die an uns vorüber laufen würden.
Das waren vor allem Schüler. Die bedachten wir mit allerlei fiesen Bemerkungen, und sie konterten, so gut sie konnten. „Da habt ihr was falsch verstanden, es heißt Sponsorenlauf, nicht Sponsorenspaziergang!“ „Wir teilen nur unsere Kräfte ein, schließlich müssen wir noch drei Runden laufen.“ Die rennenden Kollegen hingegen bekamen verhaltenen Beifall und spitze Bemerkungen ob ihrer Gefallsucht. Zwischendurch unterhielten wir uns über dies und jenes und Uwe Johnson, und langweilig war es nicht.
Wir nahmen unsere Dienstpflicht sehr ernst und saßen von acht bis viertel vor eins auf dieser Bank, mit einer Frühstückspause in einem nahegelegenen Café, aus dem man ebenfalls einen Blick auf die Strecke hatte. Das wussten allerdings die Schüler nicht, deshalb sahen wir die meisten gehen, das war ein bisschen ernüchternd.
Um viertel vor eins schließlich standen wir auf und gingen auch.