Archiv August 2012

Dieses Internetz

Donnerstag, 30. August 2012

Wenn Sie vergessen haben, warum Sie dieses Internetz lieben – es macht Quatsch, großen Quatsch. Gucken Sie zum Beispiel hier (via @HappySchnitzel).

Der Twitterlimerick als Unterkategorie des Metalimericks wird noch eine Weile brauchen, um sich zu etablieren, aber hier ist ein neuer, hervorragend wunderschöner:

A tweeter; the defeatist sort/ cried oh, it is just as I thought/ try as I might/ the limit’s too tight/ they all come to a hundred and fort

Er stammt von @lexiloco, verzichtet großherzig auf das naheliegende short als Reimwort und hat im Gegensatz zu diesem von neulich tatsächlich exakt 140 Zeichen. Limericks (das ist bestimmt kein Zufall) haben so ungefähr diese Zeichenanzahl, manche etwas mehr, und wie man Limericks kürzt, um sie vertwittern zu können, steht hier. Did someone tweet?

John Wells’s phonetic blog lese ich seit langem mit großer Begeisterung, nicht nur, weil mich Phonetik interessiert, sondern auch, weil dieses Blog durch eine große Anzahl ungemein kompetenter Kommentatoren aufgewertet wird. Zum heutigen Beitrag fallen mir zwei Dinge ein (die hätte ich natürlich auch als Kommentar darunter schreiben können, aber dann: bin ich kompetent genug, um dort zu kommentieren?): 1) Einer Freundin von mir, die nicht in der Lage ist, einen alveolaren Vibranten (vulgo: Zungenspitzen-R) zu produzieren, wurde gesagt, sie solle statt Brot schnell mehrmals hintereinander BdotBdotBdot sagen. Hat nicht funktioniert. 2) In dem 1966er-Hit California Dreaming habe ich jahrelang on a winner’s day gehört, das ist ein Tag, an dem man nur gewinnen kann. Gibt es.

Gewinnspiel

Mittwoch, 29. August 2012



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Seit drei Tagen liegt dieser Zettel auf meinem Schreibtisch.
Raten Sie doch mal, was er zu bedeuten hat.
(Zu gewinnen gibt es aber nix, die Überschrift ist gelogen.)

Lesen und Schreiben

Montag, 27. August 2012

Noch einmal Urlaubslektüre: Der im April dieses Jahres erschienene Essay von Philipp Theisohn zum Thema Plagiat1 ist sehr lesenswert; fundierter und differenzierter als fast alles, was man in der Zeitung und in diesem Internetz lesen konnte, weil literaturtheoretisch untermauert. Unter anderem setzt er sich mit den Bezügen zwischen Plagiat und Intertextualität auseinander. Für letztere scheint der alte Spruch Man sieht nur, was man weiß erfunden; man erkennt sie nur, wenn man den Intertext kennt. Deshalb ist seitenweise Abgeschriebenes auch keine Intertextualität; ihm kommt man leicht mit der Maschinerie der „digitalen Suchtruppen“ (S. 36) von GuttenPlag & Co bei. Aber weil beispielsweise die Verteidiger von Helene Hegemann auf ‚Montageästhetik’, ‚Sampling’ und ‚Collagetechnik’, auf Foucault, Kristeva und die Postmoderne verwiesen, liefert Theisohn gleich noch eine Definition von Intertextualität mit. Als Aufhänger dient lustigerweise ein kleiner Vermerk in der Ullstein-Ausgabe von Airens Roman Strobo, aus dem sich Helene Hegemann so großzügig bedient hatte:

Das Zitat ‚Noch einmal vorm Vergängnis blühn’ auf S. 55 stammt aus dem Gedicht ‚O, Nacht’ von Gottfried Benn […]. (S. 65)

Dazu bemerkt Theisohn:

Dass Literatur noch niemals auf diese Weise funktioniert hat; dass der Unterschied zwischen legitimer und illegitimer Fremdtextnutzung für die Kunst nicht in der Anhäufung von Fußnoten und Quellenvermerken, sondern im Ethos des literarischen Dialogs liegt; dass mithin der Rang von Materialarbeitern […] sich auf die Fähigkeit gründet, Texte von Vorgängern neu zum Sprechen zu bringen; dass es dazu keiner Querverweise, sondern des Opfers der mühevollen Auseinandersetzung mit dem Anderen, also: geistiger Arbeit bedarf – von all diesen Umständen weiß ein Buch, das sich für jede Zeile Benn vor den Rechtsabteilungen verbeugt, gar nichts.
(S. 65/66)

Geistige Arbeit, Auseinandersetzung, Kreativität, sich Fremdes zu eigen machen, Sachverhalten nach-denken, mit Hilfe von Altem etwas Neues machen – das ist Schreiben, und dazu braucht man Intertext (das gilt für Kunst und Wissenschaft gleichermaßen, allerdings muss die Wissenschaft ihre Quellen schon benennen). Theisohn nennt das „Sprache zu einem Wissen verdichten“
(S. 114), in Abgrenzung zu bloßer Informationsvermittlung und natürlich zum Abschreiben.
In einem Aufsatz über Intertextualität bei Uwe Johnson,2 auch so einem Materialarbeiter, gibt es sechs Seiten Anhang mit Autorennamen, deren Werke in den Jahrestagen auf irgendeine Weise zitiert werden – ohne Anführungszeichen und Fußnoten, dafür aber mit Hintersinn und Funktion.

1 Philipp Theisohn: Literarisches Eigentum. Zur Ethik geistiger Arbeit im digitalen Zeitalter. Essay, Stuttgart 2012
2 Dietrich Spaeth: ITX – literarische Bezüge in Uwe Johnsons Jahrestage. Ein Werkstattbericht, in: Johnson-Jahrbuch 5 (1998), S. 71-102

Schafcontent

Samstag, 25. August 2012

Franui

Freitag, 24. August 2012

Franui ist eine Musicbanda – allein dieser Bezeichnung wegen muss man sie lieben – aus Tirol, benannt nach einer ganz bestimmten Almwiese in 1400 Metern Höhe. Besetzung: Tuba, Kontrabass, Posaune, zwei Trompeten, Klarinette, Saxofon, Hackbrett, Harfe, Geige, und noch ein paar mehr, sie sind da variabel; Gesang gibt’s auch, manchmal.
Die meisten Mitglieder sind gemeinsam aufgewachsen und machen schon ewig zusammen Musik; sie entstammen einer Kapelle, die bei Beerdigungen spielt, und zwar so ähnlich wie beim Jazz Funeral, das man aus Live and Let Die kennt: Sobald der Sarg im Grab verschwunden ist, dreht die Band sich um, und die Musik wird fröhlich und ausgelassen – das gibt es offensichtlich nicht nur in New Orleans.
Die Ursprungsidee von Franui ist nicht die Jazzkadenz, sondern eher so ein volksmusikalisches Schrumm-ta-ta, aber sie können alles. Seit ein paar Tagen höre ich ihre 2008er-CD Brahms Volkslieder rauf und runter, und es wird einfach nicht langweilig. Der Titel der CD ist auch dann missverständlich, wenn man die Grenzen zwischen Komposition und Arrangement recht großzügig bemisst – es gibt ein paar prägnante Anleihen bei Brahms, der Rest ist ganz und gar eigen.
Eigen heißt: stilistisch variabel. Man hört Schrumm-ta-ta, man hört Jazz, Klezmer, Klassik, Volksliedhaftes aus dem 19. Jahrhundert. Und zuweilen hört man das alles gleichzeitig. Franui ist zugleich E und U, professionell und laienhaft, seriös und komisch, sense and sensibility. Und es gibt noch zwei weitere CDs, Schubertlieder und Mahlerlieder, die unbedingt auch noch gehört werden müssen. Macht glücklich.

Limerick (84)

Donnerstag, 23. August 2012

There was a young lady… tut tut!
So you think that you’re in for some smut?
Some five-line crescendo
of lewd innuendo?
You are wrong. This is anything but.

Die Heide brennt

Dienstag, 21. August 2012


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Blüht. Sie blüht.