Tomaten und Mozzarella
Dienstag, 27. November 2012Große Katastrophe heute im wöchentlichen Vokabeltest der Sechstklässler – bis auf ganz wenige Ausnahmen hatten sie gar nicht bis schlampig gelernt, die Wörter nie geschrieben, und Sätze bilden können sie schon mal gar nicht. Simple past? Nie gehört.
Ich also: Gardinenpredigt, böse geguckt, falsche Sätze an der Tafel zerpflückt, paar Mal das Wort dumm in den Mund genommen, an die Vernunft appelliert, vor der nächsten Klassenarbeit gewarnt, zum hundertdreiundzwanzigsten Mal besprochen, wie man Vokabeln lernt und warum. Kurz: lehrerhaftes Verhalten an den Tag gelegt – so lange, bis jemand stöhnte: Jetzt hören Sie doch endlich auf, uns so zu quälen. Dann bekamen sie den Test zurück und waren entsetzt ob ihrer Fünfen und Sechsen.
Der Rest der Stunde war, wie man sich Unterricht wünscht; sie waren bemüht, arbeiteten konzentriert mit, versuchten, den schlechten Eindruck, den sie bei mir hinterlassen hatten, wieder zu verwischen. Na bitte, dachte ich, geht doch. Manchmal muss man eben Schwein sein – Hauptsache, sie haben was kapiert.
Und dann saß da kurz vor Ende der Stunde dieses sehr freundliche Kind in der ersten Reihe, hätte eigentlich etwas schreiben sollen, sah mich stattdessen träumerisch an und sagte: Wissen Sie, worauf ich jetzt gerade ganz großen Appetit habe? Auf Tomaten und Mozzarella mit Pesto – das ist so lecker!