Archiv Samstag, 15. Dezember 2012

Alltag, vergangene Woche

Samstag, 15. Dezember 2012

Grünkohlessen – traditioneller Kollegiumstermin, eigentlich am Montag vor Beginn der Weihnachtsferien, in diesem Jahr aus Gründen eine Woche früher. Das ist auch die Gelegenheit im Jahr, wo sich das Kollegium bei den nicht lehrenden Mitarbeitern bedankt, ohne die tatsächlich nichts, wirklich gar nichts, funktionieren würde – beim Medienassistenten, den Sekretärinnen, den Bibliothekarinnen, den Hausmeistern. Die dürfen sich immer aussuchen, und jedes Jahr ist es dasselbe: Die Frauen nehmen die Blumen, die Männer den Umschlag mit dem Bargeld.
Das Grünkohlessen findet traditionell in einem der umliegenden Dörfer statt, und es finden sich immer einige, die dort zu Fuß hinwandern, anstatt mit dem Auto zu fahren. Eigentlich haben wir, je nach Wetter, einen Schlitten oder einen Bollerwagen mit Glühwein dabei, aber der fehlte in diesem Jahr – warum, ist unklar. Dafür war unsere englische Sprachassistentin dabei, für die das Konzept Grünkohlessen ganz und gar undurchschaubar war, und der der Grünkohl wohl auch nicht geschmeckt hat. Außerdem kannte sie das englische Wort dafür nicht, ich aber schon – was daran liegt, dass ich mal auf einem englischen Bauernhof gearbeitet habe. Sie hielt sich ans Fleisch und wir betrieben etymologische Studien: Bregen, brain…
Von dort ist es nicht weit bis BSE und dem Grund, warum ich in Deutschland nicht Blut spenden darf: Weil ich mich in der Zeit von 1980 bis 1996 insgesamt länger als sechs Monate im Vereinigten Königreich aufgehalten habe – als Frau Kaltmamsell das vor zwei Jahren mal erwähnte, fiel ich aus allen Wolken, denn ich hatte das nicht gewusst.
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Der Siebtklässler, dessen Großvater Limericks dichtet, und der mir bisher auf Nachfrage noch jeden neuen aufsagen konnte, versagte am Mittwoch kläglich: Ja, es gebe einen neuen, aber er könne sich nicht so recht erinnern, er werde noch mal darüber nachdenken… Und dann kam nichts mehr. Shame on you!
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Am 12.12.12 um 12:12 Uhr veranstaltete der 12. Jahrgang einen Flashmob, eine kleine Polonäse durch ein paar Klassenräume. Nix Großartiges, aber schlüssige Idee. Und lustig.
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In derselben Klasse wie der Enkel des Limerickdichters ist Jan, der am 13. Dezember Geburtstag hat. Ich weiß das so genau, weil ich, als ich diese Klasse noch in Deutsch hatte, an jedem von Jans Geburtstagen eine Klassenarbeit habe schreiben lassen. Unabsichtlich natürlich, aber Jan behauptet: nur um ihn zu ärgern. In diesem Jahr musste er an seinem Geburtstag eine Musikarbeit schreiben, und selbst dafür hat er mich verantwortlich gemacht, obwohl ich damit nichts zu tun hatte. Wenn er allerdings wüsste, dass seine Musiklehrerin meine Nachbarin ist, dann wäre das Wasser auf die Mühlen seiner Verschwörungstheorie.
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Volljährige Schüler zum Heulen zu bringen, ist etwas, auf das ich gut verzichten könnte. Das erste Mal war einfach ein Rechenfehler meinerseits, und die Tränen waren Tränen der Verzweiflung, weil der Schüler mir in der Kürze der Zeit nicht klarmachen konnte, dass ich ihn falsch beurteilt hatte. Ich hatte aber zwischenzeitlich durch heftiges Nachdenken selbst herausgefunden, dass ich mich verrechnet hatte, und ich habe mich natürlich bei ihm entschuldigt.
Die 18jährige Schülerin, die am Freitag heulen musste, hatte den Anschiss hingegen sowas von verdient.