Archiv 2013

Alles auf Anfang

Dienstag, 31. Dezember 2013

Ein bisschen fegen, die alten Zeitungen entsorgen, die Wasseruhren ablesen, dann ist alles bereit für das neue Jahr. Lasst es krachen, ruft man mir durchs Telefon zu, aber das werde ich nicht tun. Allenfalls winke ich ein bisschen mit einer Wunderkerze. Im neuen Jahr wird dann alles anders, wie immer.
Und wie üblich endet das Jahr mit dieser Hommage an die Liebe:

Fächtisch? Dann setze ich mal mein Aluhütchen auf und fahre los. Kommen Sie gut ins neue Jahr.

Limerick (103)

Freitag, 27. Dezember 2013

A cheerful old bear at the zoo
could always find something to do.
When it bored him, you know,
to walk to and fro,
he reversed it and walked fro and to.

Reinheit ist was für Trinkwasser, nicht für Menschen*

Dienstag, 24. Dezember 2013

*Auszug aus dem zweiten der acht „Mir wär’s wirklich lieber, du würdest nicht…“s aus dem Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters. Alte Tradition in diesem Blog, Weihnachten an Seine Nudelige Güte zu erinnern. Happy Holidays. Und hier intoniert man mit allem gebotenen Ernst eine unpassende Hymne (das ist exklusiv für Frau ohne).

Die Mühen der Ebene (20. Dezember)

Freitag, 20. Dezember 2013

Letzte Tage vor Ferien sollte man abschaffen; sie taugen zu nichts. Allerdings sollte man erst am vorletzten Tag ankündigen, dass der letzte abgeschafft ist, dann ist die Freude größer und die Unlust geringer.
Meine Klasse hat heute gewichtelt, das war sehr nett, vor allem, weil jeder ein Geschenk mitgebracht hatte, und das auch noch rechtzeitig. Normalerweise habe ich mindestens ein Trostgeschenk vorrätig, weil immer jemand seins vergisst und dann immer jemand anders heult. Diesmal war ich diejenige, die das Trostgeschenk vergessen hat – aber ich brauchte ja auch keins. So soll das sein.
Während unserer Weihnachtsfeier wurden Gedichte vorgetragen, Lieder gesungen und Kekse gegessen. Jemand spielte ganz furchtbar falsche Akkorde auf der Gitarre. Jemand anders sagte ein selbstgeschriebenes Gedicht auf. Ich las eine Weihnachtsgeschichte vor, die ganz spät herbeigeschafft worden war und die ich vorher nicht kannte, und zwei Jungs aus meiner Klasse fühlten sich ihrer Namen wegen gemeint.
Dann gab es ein Rockkonzert, und Großteile meiner Klasse nahmen drei oder vier Minuten lang teil und kamen dann zurück in den Klassenraum. In der Aula sei es zu laut, monierten sie. Das fand ich auch, also ließ ich sie Mr. Bean-Sketche gucken. Ich bekam außerdem etwas geschenkt (Was ist das? Kuchen im Glas. Was? Kuchen im Glas).
In den beiden letzten Stunden sah ich Faust, den Film mit Gustaf Gründgens und Will Quadflieg. Echtes Kontrastprogramm. Der wurde auch goutiert, das wollen wir mal festhalten.
Ferien!

Die Mühen der Ebene (19. Dezember)

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Weihnachtskonzert. Selbst in diesem kulturbeflissenen christlichen Örtchen muss in einer Kirche eingangs angesagt werden, dass man während der Musik nicht redet und die Handys bitte vorher aus- und erst hinterher wieder einschaltet. Trotzdem sehe ich das halbe Konzert im Display des stolz fotografierenden Vaters vor mir, der überhaupt nicht auf die Idee kommt, das künstliche Auslösegeräusch abzuschalten, und der auch noch die ganze Zeit Kaugummi kaut. In einem Blasorchester-Stück mit abrupten Pausen schaffen es die Leute nicht rechtzeitig, mit dem Tuscheln aufzuhören und klappen ständig nach. Und ein Geschwisterkind (Siebtklässler) poltert mehrmals die Treppe zur Empore hinauf und wieder herunter. Alles Banausen.
Und ja, ich habe schlechte Laune. Meine Laune ist in direkter Weise vom Wetter abhängig, und heute hat es nur geregnet.

Noch einer.

Die Mühen der Ebene (18. Dezember)

Mittwoch, 18. Dezember 2013

16 Uhr, Ende der zehnten Stunde, ich habe mit den Zehntklässlern einen Film geguckt und währenddessen von meinem Platz aus die ganze Zeit ein Zwei-Cent-Stück auf dem Boden liegen sehen. Im Hinausgehen sage ich zu ein paar von ihnen: Da liegt ein Zwei-Cent-Stück. Antwort: Da liegt noch viel mehr. Womit sie nicht unrecht haben. Aber die Münze scheint keinem zu gehören und keinen zu interessieren, also bleibt sie liegen.

16:30 Uhr, Buchhandlung. Ich muss eine Weile warten, und mir fällt eine junge Frau auf, die etwas abseits steht und in ihrem Portemonnaie kramt. Draußen schließen wir gemeinsam die Fahrräder auf, als sie sich spürbar einen Ruck gibt und sagt: Das klingt jetzt total blöd, aber mir fehlen zu dem, was ich kaufen will, genau zwei Cent. Sie haben nicht zufällig zwei Cent? Ich gucke nach und finde zwei Cent, die ich ihr natürlich schenke.

Die besten Geschichten schreibt das Leben? Pustekuchen.

Die Mühen der Ebene (17. Dezember)

Dienstag, 17. Dezember 2013

Sitzordnungen, leidiges Thema. Eigentlich finde ich ja schon, dass Schüler neben ihren Lieblingsfreunden sitzen sollten; ich erinnere mich genau, dass ich jahrelang neben meiner allerbesten Freundin Simone saß, und dass ich überhaupt nur der Freunde wegen gerne zur Schule gegangen bin. Wenn die Freundschaft aber so dicke ist, dass sie den Unterricht stört, dann muss man natürlich einschreiten.
Am Anfang des Schuljahres habe ich meine Fünftklässler immer aufschreiben lassen, neben wem sie besonders gern und neben wem sie gar nicht sitzen wollen, und dann saß ich stundenlang zu Hause und habe gepuzzelt. Es gibt auch Computerprogramme für so was, aber die taugen nur bedingt. Allen Wünschen kann man ohnehin nie gerecht werden, möchte man auch nicht, und dann ist immer wer enttäuscht.
Also mache ich seit den Herbstferien das, was mir eine Mathekollegin über die Klassenlehrerin ihrer Zweitklässler-Zwillinge erzählt hat: Die lost knallhart alle zwei Wochen eine neue Sitzordnung aus, daran halten sich alle, und basta. Das funktioniert ganz hervorragend, und ich habe zudem das Gefühl, dass sich dabei Schüler kennenlernen, die sonst nicht freiwillig miteinander sprechen würden. Losen empfinden überdies viele als gerecht, weil niemand bevorzugt oder benachteiligt wird. (Dass ich trotzdem ein bisschen manipuliere, weil z.B. jemand schlecht hört und deshalb vorne sitzen muss, wissen sie nicht.)
Heute nun – Klassenleiterstunde, vor dem Vorlesen – war mal wieder ein Zugeständnis dran: Ihr könnt euch hinsetzen, wo ihr wollt, und neben wen ihr wollt, aber bei Uneinigkeit möchte ich Verhandlungen sehen, keine Prügeleien, und heulen soll auch niemand.
Zack, zack, ein paar Diskussionen, ein paar beleidigte Blicke, und drei waren auch krank. Aber trotzdem, das Ganze ging zügig und ohne Mord und Totschlag vonstatten, das hat mich ein bisschen beeindruckt. Seitdem ist es in manchen Ecken katastrophal laut, aber dagegen gibt es ja Mittel. Außerdem gilt diese neue Sitzordnung nur vier Tage – bis zu den Weihnachtsferien.

Und heute hab ich Weihnachtspost aus diesem Internetz gekriegt, in der man mich siezt, wie sich das gehört. Immer wieder großartig.