Archiv Samstag, 19. Januar 2013

Die Neger in den Kinderbüchern

Samstag, 19. Januar 2013

Aus Interesse und weil ich wissen wollte, ob mich meine Erinnerung trügt oder nicht, habe ich mal eine telefonische Umfrage zum allgegenwärtigen Thema politisch korrekter Sprache in Kinderbüchern bei meiner Mutter durchgeführt. Sie sagte Folgendes:

Das mit den Negern habe ich von Anfang an erklärt, schon aus Selbstschutz. Um zu verhindern, dass du im Alter von drei Jahren in der Straßenbahn auf jemanden zeigst und sagst: Guck mal, ein Neger! habe ich von Anfang an erklärt: Das Wort Neger ist eine Beleidigung, man darf es nicht benutzen. In älteren Kinderbüchern kommt es manchmal noch vor, aber heutzutage muss man immer Farbiger sagen. Also sagtest du in der Straßenbahn: Guck mal, ein Farbiger.
Es gab noch andere Probleme mit Kinderbüchern. Wir hatten ein Buch von der DDR-Verwandtschaft geschenkt bekommen, in dem Kinder in einem Bus ans Meer fahren. Der Bus fährt ziemlich schnell, und alle Mädchen halten sich die Augen zu und kreischen, und alle Jungs rufen: schneller, schneller! Da habe ich immer vorgelesen: Einige Kinder halten…, und einige Kinder rufen… Als du dann selber lesen konntest, hast du gesagt: Das steht hier ja ganz anders! Dann habe ich eben wieder erklärt.

Vernünftige Einstellung, finde ich: Einfach mal darauf vertrauen, dass Kinder in der Lage sind, negative Konnotationen zu begreifen und Wörter zu kennen, ohne sie zu benutzen. Und dass sie früh lernen können, nicht alles, was gedruckt ist, für die Wahrheit zu halten.