Die Neger in den Kinderbüchern

Aus Interesse und weil ich wissen wollte, ob mich meine Erinnerung trügt oder nicht, habe ich mal eine telefonische Umfrage zum allgegenwärtigen Thema politisch korrekter Sprache in Kinderbüchern bei meiner Mutter durchgeführt. Sie sagte Folgendes:

Das mit den Negern habe ich von Anfang an erklärt, schon aus Selbstschutz. Um zu verhindern, dass du im Alter von drei Jahren in der Straßenbahn auf jemanden zeigst und sagst: Guck mal, ein Neger! habe ich von Anfang an erklärt: Das Wort Neger ist eine Beleidigung, man darf es nicht benutzen. In älteren Kinderbüchern kommt es manchmal noch vor, aber heutzutage muss man immer Farbiger sagen. Also sagtest du in der Straßenbahn: Guck mal, ein Farbiger.
Es gab noch andere Probleme mit Kinderbüchern. Wir hatten ein Buch von der DDR-Verwandtschaft geschenkt bekommen, in dem Kinder in einem Bus ans Meer fahren. Der Bus fährt ziemlich schnell, und alle Mädchen halten sich die Augen zu und kreischen, und alle Jungs rufen: schneller, schneller! Da habe ich immer vorgelesen: Einige Kinder halten…, und einige Kinder rufen… Als du dann selber lesen konntest, hast du gesagt: Das steht hier ja ganz anders! Dann habe ich eben wieder erklärt.

Vernünftige Einstellung, finde ich: Einfach mal darauf vertrauen, dass Kinder in der Lage sind, negative Konnotationen zu begreifen und Wörter zu kennen, ohne sie zu benutzen. Und dass sie früh lernen können, nicht alles, was gedruckt ist, für die Wahrheit zu halten.


  1. Tolle Mama! :-)

    Samstag, 19. Januar 2013, 12:43 Uhr von Lina Luna

  2. Ja. Hat ein bisschen nachgedacht beim Erziehen.

    Samstag, 19. Januar 2013, 13:40 Uhr von nicwest

  3. Vor einer Stunde haben wir uns genau darüber Gedanken gemacht, wie wir die Stelle in “Pippi Langstrumpf”, wo es um den “Negerkönig” geht, vorlesen würden. So wird es einmal ablaufen: Wir lesen vor, was da steht, denken uns mit unserem politisch korrekten Kind was total Tolles, Alternatives aus, schreiben an den Verlag, verlangen ein Honorar dafür und kriegen eine Anzeige wegen Kinderarbeit. Während wir uns Unsinn ausdachten, saßen wir beim Inder, der gerade vom Zoll verwarnt wurde: Er konnte nicht nachweisen, dass er seine Mitarbeiter über ihre Pflicht belehrt hatte, ihren Ausweis bei sich zu tragen. Und wir fragten uns, ob das einem Schweizer oder Norweger auch passiert wäre…

    Samstag, 19. Januar 2013, 21:47 Uhr von missmaple

  4. um nochmal den (lesenswerten) anlass der debatte über “wie würden wirs machen” zur verfügung zu stellen.

    Samstag, 19. Januar 2013, 21:50 Uhr von mrmaple

  5. äh, so hier.

    http://www.tagesspiegel.de/kultur/koloniale-altlasten-rassismus-in-kinderbuechern-woerter-sind-waffen/7654752.html

    Samstag, 19. Januar 2013, 21:51 Uhr von mrmaple

  6. Ein bisschen Zeit habt ihr noch…

    Sonntag, 20. Januar 2013, 15:44 Uhr von nicwest

  7. ich hab gestern überlegt, schnell noch alle kinderbücher zu kaufen, bevor sie umgeschrieben werden. vielleicht mach ich das noch..

    Montag, 21. Januar 2013, 13:21 Uhr von adelhaid

  8. Das habe ich auch schon überlegt. (Das sind ja auch Zeitdokumente)

    Montag, 21. Januar 2013, 22:24 Uhr von Kollegin K.

  9. Habt ihr die nicht aufgehoben?
    Ich habe meine nur nicht mehr, weil meine Schwester sie hat.

    Dienstag, 22. Januar 2013, 8:29 Uhr von nicwest

  10. Doch, einen guten Teil habe ich noch, z.B. uralte Ausgaben von Karlsson vom Dach. Aber leider habe ich nicht mehr alle. Und die Pippi Bände habe ich leider nie besessen. Keine Ahnung wieso nicht!

    Dienstag, 22. Januar 2013, 15:29 Uhr von Kollegin K.

  11. ich hab früher viel aus der leihbücherei gelesen und hatte das einfach nicht. meine grundschule hatte aber alles.

    Dienstag, 22. Januar 2013, 16:28 Uhr von adelhaid

  12. Büchereien und Schulen stoßen ihre politisch unkorrekten Bestände bestimmt bald ab. Dann kann man sie billig gebraucht kaufen, mit Schokoladenflecken gleich neben den fragwürdigen Wörtern und so.

    Dienstag, 22. Januar 2013, 16:49 Uhr von nicwest

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