Archiv August 2013

Südlichere Tage

Sonntag, 25. August 2013

Man sitzt auf Bierzeltbänken im Garten in der Sonne, isst und trinkt und redet mit längeren Pausen über irgendwas. Es gibt Süßigkeiten für die Kinder. Die obligatorische Führung durch den Garten findet statt. Als die Kinder den Gartenschlauch entdecken, muss über Regeln verhandelt werden. Man spaziert zum Bach und lacht über das Wasser. Dann will man partout nicht einschlafen. Ein Kaffee geht noch. Und die meisten Süßigkeiten essen die Erwachsenen.

Limerick (97)

Samstag, 24. August 2013

A right-handed fellow named Wright
in writing “right” always wrote “rite”.
If he’d written “right” right
by writing “right” “right”
Wright wouldn’t’ve wrought rot writing “rite”.

Said a boy to his teacher one day:
“Wright didn’t write ‘right’ right, I would say.”
So the teacher replied,
as the error she eyed:
“Right. Wright, write ‘right’ right, right away!”

Einkaufslyrik (10)

Samstag, 17. August 2013


Zuerst werden die Tiere bedacht, dann die Menschen. So soll das sein.

Frühere Folgen: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9

Evelyn

Montag, 12. August 2013

Letzten Freitag war Einschulung, heute der erste Schultag für die neuen Fünftklässler. Die ersten drei Tage verbringen sie ausschließlich mit den Klassenlehrern; wir lernen uns kennen, sie orientieren sich im Schulgebäude und üben Grundfertigkeiten wie Vertretungsplanlesen und Einträge ins Hausaufgabenheft.
Heute betrat ich also um 7:30 Uhr morgens den Klassenraum, sah, dass alle Plätze besetzt waren, dachte „alle da, sehr schön“ und übte zuerst das Begrüßen. Bestimmt zehn Mal, abwechselnd auf Deutsch und auf Englisch, sagte meine neue Klasse zu mir: „Guten Morgen, Frau W…“ – dann war ich halbwegs zufrieden (es darf nicht geleiert sein, aber auch nicht übertrieben begeistert klingen). Danach schrieben sie Namensschilder, und als ich so durch die Reihen ging, sah ich ein Namensschild, auf dem stand: Evelyn. Ich war ziemlich sicher, kein Kind dieses Namens in meiner Klasse zu haben, sah aber vorsichtshalber noch einmal in der Liste nach – keine Evelyn.

Ich also zu Evelyn: Evelyn, bist du sicher, dass du hier richtig bist?
Sieso: Ja!
Ichso: Warst du am Freitag auch schon hier, in dieser Klasse?
Sieso: Ja!
Ichso: Das ist komisch, denn du stehst gar nicht auf meiner Liste.
Sieso: Ich kann ja mal auf meiner Busfahrkarte nachgucken, da steht die Klasse drauf.
Ichso: Gute Idee.
Sieso: Es ist die ganz andere Klasse, wohnt im Nachbarraum.

Dieses Kind hatte also nicht nur den Namen seiner Klasse nicht auf dem Schirm, sondern auch den Klassenraum, die Klassenkameraden und vor allem Namen und Aussehen der Klassenlehrerin. Die Kollegin im Nachbarraum und ich, wir sehen so verschieden aus wie man verschiedener nicht aussehen kann. Das Ganze funktionierte ohnehin nur, weil ein Kind aus meiner Klasse fehlte.
Evelyn wurde von mir in den Nachbarraum begleitet, die ganze Sache war ihr nicht so peinlich wie man annehmen könnte, und die Kollegin aus dem Nachbarraum und ich, wir hatten etwas zu lachen.

Die Hübschigkeit der Schauspieler (25)

Sonntag, 11. August 2013

Death at a Funeral, 2007, mit Matthew Macfadyen, Alan Tudyk, Jane Asher, Rupert Graves

Inzwischen ist es ja so: Der Filmgeschmack der Clubmitglieder ist bekannt, und beim Aussuchen eines Films weiß man ganz genau, wen man womit langweilen, verärgern oder erfreuen kann. Und dann muss man entscheiden: Möchte man die geschätzten Freunde und Kollegen für den Moment vergrätzen oder möchte man das lieber nicht?
Mit Sterben für Anfänger macht Kollegin G. alle glücklich, die Freunde des Slapstick ebenso wie die des schwarzen Humors. Die Grundidee ist sehr einfach – auf einer Beerdigung geht alles schief, was schiefgehen kann – aber man kann staunen über die Fülle von Einfällen, die jeder Katastrophe immer noch eins draufgesetzt, je vorhersehbarer, desto besser. Am Ende ist so viel passiert, dass die Figuren alle geläutert sind und fürderhin gute Menschen. Und es beginnt mit dem reisenden Sarg im Vorspann und der Frage „Wer ist das?“ beim Anblick der falschen Leiche, wo jeder andere gesagt hätte: „Das ist nicht mein Vater.“
Wir gucken den Film auf Deutsch, und Frau L. hört, wann immer der Reverend (Thomas Wheatley) auftritt, Friedhelm Ptok – wir müssen minutenlang googeln, bis wir herausfinden, dass sie Recht hat. Dann müssen wir minutenlang googeln, um festzustellen, dass Alan Tudyk (in der Rolle des Simon) in I, Robot den Roboter spielt, äh, spricht – kein Wunder, dass ihn niemand wiedererkennt. Mehr googeln wir nicht.
Beim Anschauen des englischen Trailers beschleicht einen das Gefühl, dass der Film auf Englisch doch noch besser gewesen wäre.
Über die Hübschigkeit der Schauspieler verliert wieder niemand ein Wort. Auf dem Rückweg verfahren wir uns ein weiteres Mal, wir Heidebewohner in der großen Stadt. Und wir haben aus Versehen keinen neuen Termin vereinbart.

Schreckliche Schulträume

Dienstag, 6. August 2013

Der Anfang und das Ende von Ferien sind prädestiniert für die Schrecklichen Schulträume; wer mitten in Ferien von der Arbeit träumt, muss sich ernsthaft Sorgen um seine geistige Gesundheit machen. Meine Schulträume sind nur schrecklich in dem Moment, in dem ich sie träume – danach sind sie oft ziemlich lustig.
Zum Beispiel habe ich einmal geträumt, ich hätte im Möbelgeschäft ein neues Bett gekauft, das nicht nach Hause geliefert wurde, sondern in die Anstalt, wo es mitten in der Pausenhalle aufgebaut wurde. Gut sichtbar für jedwedes Publikum sollte ich fürderhin dort meine Nächte verbringen… Ach ja, ich vergaß zu erwähnen, dass meine Träume nicht nur lustig, sondern auch ziemlich leicht zu deuten sind. Hier und hier sind noch mehr davon.
Nun herrscht ja hier gerade das Ende von Ferien, und natürlich träume ich von Schule. Etwas Schreckliches oder Lustiges war allerdings noch nicht dabei; gestern Nacht habe ich die Namensliste meiner neuen 5. Klasse geträumt, was auch leicht zu deuten ist: Das Vorlesen der Namen bei der Einschulung ist zuweilen heikel, weil man bei manchen Namen einfach nicht weiß, wie man sie ausspricht, und darüber macht sich mein Unterbewusstsein anscheinend Gedanken.
Und ich war heute Traumobjekt im Mittagsschlaf der Kollegin ohne T: Sie musste einen Fragebogen ausfüllen, mit dem Personen ermittelt werden sollten, die der Seelsorge bedürftig sein könnten. Sie dachte sofort an mich und beantwortete die zweite Frage Beschreiben Sie die Welt aus Sicht derjenigen Person (oder so ähnlich) mit „ironische Seelenqual“. Tja. Das trifft es ganz gut.
Morgen ist Dienstbesprechung und Kollegiumsausflug, und übermorgen geht der Betrieb wieder los („Die Mühle! Nun mahlt sie wieder!“). Übrigens freue ich mich auf die Fünftklässler – nach der schwerstpubertierenden Achten habe ich mal wieder Lust auf richtige Kinder.

Coast to Coast (7) – Nordsee

Sonntag, 4. August 2013

Eigentlich hätten wir schon drei Tage vor Ende die Nordsee sehen sollen, aber das ließ das Wetter nicht zu, also machten wir ein Spiel daraus, bei jeder Gelegenheit zu fragen: „Wo ist denn jetzt diese verdammte Nordsee?“
Am letzten Tag tischte Wainwright noch einmal alles auf, was er zu bieten hatte: längste Etappe, bergauf mit 10 Punkten auf der Huffing-and-Puffing-Skala (33% Steigung, auf einer Straße!), unnötige Umwege, zum Beispiel drei Meilen scenic route an der Steilküste entlang – eigentlich sehr schön, aber nicht, wenn man endlich ankommen möchte. Alles gute Gründe, noch ein paar Mal „Fuck you, Wainwright!“ zu rufen.
Andererseits sahen wir in Grosmont den Hogwarts Express, und das Ankommen ist natürlich sowieso super. Wir sind Helden!

Da ist sie ja, die verdammte Nordsee. Alles ein bisschen trübe; später gab es noch einen Platzregen, aber der zählt nicht, da waren wir schon angekommen. Robin Hood’s Bay und Umgebung ist übrigens auch literarisches Terrain, da spielt ein Teil der Handlung von A.S. Byatts Possession. Dort heißt es über die Nordsee: „The German Sea. Like steel, with life in it.“

Wieder zu Hause fühle ich mich wie bei Loriot: „Ich möchte einfach hier sitzen“. Endlich muss ich nicht mehr direkt nach dem Aufstehen frühstücken, schon gar keine gekochten Frühstücke. „Du siehst so anders aus ohne Rucksack“, sagt der Mitwanderer zu mir, und ich nehme das als Kompliment. Das Auspacken der stinkenden Socken muss sorgfältig zelebriert werden, mit Wäscheklammer an der Nase.
Was bleibt unerzählt? Die Geschichte vom Fleece, vom Bummelzug mit request stops, das Herder-Zitat über das Blöken von Schafen, irgendwas über Porridge, die Gutenachtsprüche des Mitwanderers, der Angriff der Killerhühner, Apfelpausen, der Auftritt des mysteriösen Hallowman, der Geruch von Holunderblüten, cheesecake, Terrorschafe, der pensionierte Deutschlehrer, die stepping stones in Egton Bridge, der in der Sonne schmelzende Asphalt, Sprite.

Lechts oder rinks, das ist hier die Frage.

Das hat Spaß gemacht. Sowas machen wir mal wieder.