Archiv November 2013

Wetter teilen?

Freitag, 29. November 2013

Die Wäsche vom schrulligen Bruder hängt draußen im Nieselregen und schaukelt heftig im kalten Wind. Um halb drei muss man drinnen das Licht anschalten, und es ist noch nicht einmal Dezember. Den ersten Eisregen haben wir auch schon hinter uns, mit dramatischen Folgen. Nein, Wetter lieber nicht teilen.
Und Ötzi war übrigens der Anführer einer Schafsherde, wer hätte das gedacht. Zum Glück ist Freitag.

24. November 1713

Sonntag, 24. November 2013

Geburtstag von Laurence Sterne, Autor eines postmodernen Romans in einer Zeit, in der von Moderne, geschweige denn Postmoderne, noch keine Rede sein konnte. Beim Lesen des ersten Satzes von Tristram Shandy überlegt man insgeheim, ob man das wirklich weiterlesen will.

I wish either my father or my mother, or indeed both of them, as they were in duty both equally bound to it, had duly considered how much depended upon what they were then doing;—that not only the production of a rational Being was concerned in it, but that possibly the happy formation and temperature of his body, perhaps his genius and the very cast of his mind;—and, for aught they knew to the contrary, even the fortunes of his whole house might take their turn from the humours and dispositions that were then uppermost;—Had they duly weighed and considered all this, and proceeded accordingly,—I am verily persuaded that I should have made a quite different figure in the world, from that in which the reader is likely to see me.

Dann muss man den Satz noch mal lesen, weil man nicht sicher ist, wirklich verstanden zu haben, was da eigentlich steht. Dann stellt man fest, dass so richtig greifbar Sinnvolles da eigentlich gar nicht steht. Dann liest man doch weiter, aus Neugier, ob das so weitergeht. Geht es. Am Ende kann man immer noch nicht so genau sagen, worum es eigentlich geht, ist aber trotzdem traurig, dass der Spaß vorbei ist.
Fantasie, Sprachwitz und Albernheit sind manchmal nicht die schlechtesten Voraussetzungen für große Kunst.

Gesungenes Telegramm

Samstag, 23. November 2013

Madonna und Harvey Keitel im Film Blue in the Face (1995) von Paul Auster und Wayne Wang. Immer wieder sehenswert.

Wespe im Ohr

Freitag, 22. November 2013

Im Traum: Wespe fliegt aus Versehen, aber unbeirrt schnurstracks so tief in mein linkes Ohr, dass sie von außen nicht mal mehr zu ertasten ist. Ohr hört nichts mehr, aber ich hab ja noch eins und kann dem Gespräch weiterhin folgen – mit einigen Bedenken, ob die Wespe nicht vielleicht zusticht.
Allzu viele Sorgen mache ich mir allerdings nicht. Ich warte einfach ab, bis sie sich mühsam, Millimeter für Millimeter, rückwärts wieder aus meinem Ohr herausarbeitet, und als genug von ihr herausguckt, um sie greifen zu können, ziehe ich sie heraus und lasse sie wieder fliegen.
Ja, über meinem Fenster ist ein Wespennest, und ja, von denen leben einige hartnäckige Exemplare noch immer. Aber das ist ja höchstens Anlass, nicht Ursache für einen solchen Traum. Was zum Teufel willst du mir damit sagen, hä, Unterbewusstsein?

Die Hübschigkeit der Schauspieler (28)

Sonntag, 17. November 2013

One, Two, Three, 1961, mit James Cagney, Horst Buchholz, Liselotte Pulver

Ein Klassiker, der Film schlechthin über den Kalten Krieg, ein Werbefilm für eine Brausefirma – und ein Film, in dem ausnahmslos alle durchgehend so schnell sprechen, dass man selbst auf Deutsch aufpassen muss wie ein Schießhund und hinterher ganz erschöpft ist.
Billy Wilder war als deutscher Hollywood-Regisseur natürlich prädestiniert für das Thema, und er inszenierte es voller Klischees aller beteiligten Nationen und politischen Lager. Ironischerweise machte ihm die Geschichte selbst mit dem Mauerbau einen Strich durch die Rechnung und er musste den unteren Teil des Brandenburger Tors in München nachbauen, um den Film abschließen zu können. Das passt alles ganz hervorragend zusammen.
Horst Buchholz hat nicht nur keine Socken an („wenn er keine anziehen will, malen wir ihm die Füße schwarz“), sondern auch gut sichtbare Fettflecken auf seinem schmuddeligen Wollpullover und schwarze Zähne. Über seine Hübschigkeit ließe sich nicht streiten, wären da nicht diese dreckigen Zähne. Am Ende sieht er aber ganz adrett aus.
Das Drehbuch ist so pointenreich, dass man jeden dritten Satz zitieren könnte. Das eindrucksvollste Bild ist vielleicht das des Kunstmalers, der während der halsbrecherischen Fahrt zum Flughafen aus der Beifahrertür hängt und das neue Familienwappen aufs Auto malt – die Zeit ist ein bisschen knapp geworden. Drinnen werden währenddessen Hüte anprobiert und eine zerrissene Hose genäht.
Am Ende ist natürlich alles gut. Was haben wir gelernt? Mit den Händen in den Hosentaschen kann man keine Kühe melken (altes russisches Sprichwort).

15. November – Tag des unbekannten Googlers

Freitag, 15. November 2013

Lieber unbekannter Googler, auch wenn die Beziehung zwischen Ihnen und mir häufig auf schrecklichen Missverständnissen beruht – heute werden Ihre Fragen ernsthaft beantwortet und Ihre Kommentare kommentiert, heute suchen Sie nicht ins Leere hinein, sondern begegnen einem verständnisvollen Gegenüber. Sie fragen, ich antworte.

griesgrämiger deutscher Schauspieler der sechziger Jahre
Hm, schwierig. Damals, als es noch Schwarzweißfernsehen gab, waren die Schauspieler doch alle irgendwie griesgrämig, oder?

junge schöne Schauspielerin mit schwarz-weißem Trikot
Schwarz-weiß gestreift? Das ist doch Juventus Turin! Warum hat die junge, schöne Schauspielerin dieses Trikot an? Ist sie Fan? Ist sie vielleicht die Freundin von Gianluigi Buffon?

der Schauspieler Uwe Beyer
Schön, dass endlich mal jemand beim Namen genannt wird. Uwe Beyer war eigentlich Hammerwerfer und hat 1967 bei den Nibelungen mitgemacht. Das war das Jahr, in dem das deutsche Buntfernsehen eingeführt wurde, deshalb war er auch nie griesgrämig. Auch hatte er nie ein schwarz-weißes Fußballtrikot an. In dem Nibelungen-Film kommt außerdem ein Drache vor, der von einem Traktor gespielt wird.

John Cusack dicker als andere Schauspieler
Ich kenne genau einen Film mit John Cusack, Being John Malkovich, da sieht er nicht dicker aus als andere Schauspieler. Aber vielleicht ist er inzwischen dicker geworden, das kann natürlich sein.

Kommen hübsche Schauspieler besser an?
Aber hallo. Wer so dick ist wie John Cusack, kommt überhaupt nicht gut an. Und wer ständig griesgrämig guckt oder in hässlichen schwarz-weißen Trikots herumläuft, schon gar nicht. Nur Uwe Beyer, der kam im Nibelungen-Film ähnlich gut an wie der Traktor, der den Drachen spielte. Beide waren nämlich recht hübsch.

2 Engländer von Alins entführt
Oh Gott, das ist ja fürchterlich! Alins! Waren die wenigstens jung und schön?

schweinisches Wettbewerb Einsendeschluss 2013
Den Einsendeschluss für das schweinische Wettbewerb 2013 kenne ich leider auch nicht. Oder meinten Sie, Sie wollen am Wettbewerb 2013 teilnehmen und etwas Schweinisches einreichen? Das halte ich für keine so gute Idee. Schweinisches scheidet die Geister; wer sich zuviel davon ausdenkt, wird mit Brot beworfen.

Was passiert am Dead Duck Day?
Da stellen wir uns alle an Tümpeln auf und bewerfen Enten mit steinharten Brotlaiben.

Referat Psychologie Einleitungsthese
Gern würde ich Ihnen eine formulieren, aber Sie müssten schon ein bisschen genauer sagen, worum es in dem Referat gehen soll. Vielleicht um das rechte Maß an Schweinischem bei Wettbewerben? Um die Hübschigkeit von Schauspielern und deren Auswirkungen?

Löcher in den Beinen Krankheit
Ja, Krankheit. Müssen sofort gestopft werden.

Was findet eine Katze unhöflich?
Mit steinharten Brotlaiben beworfen zu werden, finden Katzen ziemlich unhöflich. Ebenso den Anblick griesgrämiger Schauspieler in schwarz-weißen Trikots mit Löchern in den Beinen – egal ob offen oder gestopft. Englische Katzen finden Alins besonders unhöflich, auch wenn sie jung und hübsch sind.

Sind Mehlwürmer gefährlich für Vogelfüße?
Oh ja, sehr. Bevor sich Mehlwürmer nämlich von Vögeln fressen lassen, ergreifen sie lieber die Flucht nach vorn und fressen ihrerseits die Vögel auf. Von unten, wo sie sich ja auf dem Vogelkäfigboden krümmen, erreichen sie am leichtesten die Füße der Vögel. Diese sind deshalb gefährdet.

Hasenlunge
Hasenlungen hingegen sind nicht durch Mehlwürmer gefährdet, weil Hasen keine Mehlwürmer zum Fraß vorgeworfen werden. Hasen fressen Löwenzahn, aber Löwenzahn kann (Achtung! Falle!) niemanden anknabbern. Außerdem würden Mehlwürmer, krümmten sie sich denn auf dem Hasenkäfigboden, nach altbewährter Manier zuerst die Hasenfüße auffressen, nicht die Hasenlunge.

Habe in Ferien schreckliche Träume.
Kenn ich. Mehlwürmer, unhöfliche Katzen, Gianluigi Buffon, Alins, Löcher, griesgrämige Schauspieler – alles schon im Traum vorgekommen. Schrecklich.

es ist viertel nach fünf. jetzt…
Das kann ich ja überhaupt nicht leiden, Anfänge von Geschichten, die dann nicht weitererzählt werden. Ich mach mal einen Vorschlag: Jetzt ist es soweit, dachte der griesgrämige Schauspieler im Juve-Trikot entschlossen, jetzt werde ich der Katze mal zeigen, was ein richtiger Alin ist. Und er holte die Mehlwürmer aus der Vorratsdose…

Limerick Goethe
Ja nee, das war unter Goethes Würde, Limericks zu verfassen. Klingt auch irgendwie komisch: Faust. Der Tragödie erster Teil, Limerick von Johann Wolfgang von Goethe.

Wiesenraute kaufen
Nein, ist nicht verkäuflich. Bis zum nächsten Jahr.

November

Sonntag, 10. November 2013

Wochenende. Wir feiern ein Richtfest, machen einen gediegenen Sonntagsspaziergang und füttern die Martinssänger mit Schokolade.

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Mit von der Partie ist ein ungewöhnlich anhängliches Baby, das kapiert hat, dass man nicht alles, was man schon kann, ständig vorführen muss – warum soll man zum Beispiel Banane sagen oder ein paar Schritte tun? Nur weil es geht? Pfff.
Die Martinssingerei geht in diesem protestantischen Ort sehr gesittet vor sich; sie findet am 10. November statt, dem Geburtstag Martin Luthers, und die zahlreichen Gemeinden teilen die Straßen unter sich auf und schicken in jedem Bezirk nur eine Gruppe herum, damit man nicht dauernd aufspringen und die Tür öffnen muss. Die kirchlich organisierten Sängergruppen singen anspruchsvolle Martinslieder, nicht das prollige Matten matten Meeren – diesmal waren es zwei Strophen über Sankt Martin und die Geschichte mit dem geteilten Mantel. Was ja denn doch eher katholisch ist, aber das muss man vielleicht nicht verstehen. Die einzigen wild marodierenden Matten matten Meeren-Sänger waren zwei Mädchen aus meiner Klasse, die mal überprüfen wollten, ob ich Schokolade gekauft hatte.
Und dann das Richtfest. Es war ziemlich kalt, aber die Suppe war warm. Die Nachbarn sind quasi dieselben wie vorher. Und der Ausblick über die Felder ist grandios; ich hätte gern das mittlere Zimmer oben.