Archiv Montag, 9. Dezember 2013

Die Mühen der Ebene (9. Dezember)

Montag, 9. Dezember 2013

Die Grußformel in einer Kolleginnenmail von gestern versetzt mich in leichte Panik („einen schönen ersten Advent“) – aber nein, die Kollegin hinkt der Zeit hinterher, und es sind nur noch zwei, nicht drei Wochen bis zu den Weihnachtsferien. Zeit zum Tagebuchbloggen. Wie immer ist alles frei erfunden.
In Klasse 10 fangen wir gerade mit dem Vorleser an, und ich mag das Buch nicht (nicht das Thema, sondern die Art, wie es geschrieben ist). Ich habe es 1999 zum ersten Mal gelesen und mochte es nicht, und es wurmt mich seither, dass ich nicht genau sagen kann, warum. „Michael Berg“ und „Hanna Schmitz“ sind blöde Figurennamen, und „Blumen-“ und „Bahnhofstraße“ blöde Straßennamen – das sind ja wohl kaum gute Gründe. Ich habe den Roman bisher nie im Unterricht behandelt, aber vielleicht bekomme ich im Verlauf der Lektüre Aufschluss. Das war, ehrlich gesagt, eins der Motive, diesen Roman auszuwählen.
Die Vorgabe lautet nur „Roman oder längere Erzählung des 20. Jahrhunderts“, da könnten wir sonstwas durchnehmen (wie Frau L. sagen würde), Katharina Blum oder Unterm Rad oder Sansibar (das mag ich auch nicht, ebenfalls aus unerfindlichen Gründen) oder die Schnachnovelle. Mit Der Richter und sein Henker habe ich mal schlechte Erfahrungen gemacht, da musste ich irgendwann androhen, dass der nächste, der „Bärlauch“ anstatt „Bärlach“ sagt, etwas in die Klassenkasse zahlt. Dasselbe mit „Kommissar“ und „Kommissär“.
Ein anderes Motiv, den Vorleser auszuwählen, war das vermutete Interesse der Schüler für den Stoff, zumindest für die Liebesgeschichte. Und so ist es auch: Jemand bemerkt nebenbei, aber doch gut hörbar für mich, dass, wo immer man diesen Roman aufschlage, die Rede von Sex sei, und gibt anschauliche Hörproben zum Besten. Warum das so sei, frage ich, und dann sind sie plötzlich auf dem richtigen Weg. Vielleicht macht das doch Spaß.