Archiv Freitag, 13. Dezember 2013

Die Mühen der Ebene (13. Dezember)

Freitag, 13. Dezember 2013

Schon der zweite Freitag, der 13. in dem knappen halben Jahr, das meine Klasse und ich einander kennen – das erste Mal wollten sie ausführlich über schlechte Omen und Aberglauben diskutieren, heute sagen sie nur: Wie gut, dass wir den Grammatiktest in Deutsch schon gestern geschrieben haben. Abgebrüht.
Die Referendarin, die gerade in meiner Klasse Englisch unterrichtet, hat heute zum ersten Mal Besuch von ihrer Ausbilderin, und als die Schüler und ich in der Deutschstunde vorher noch einmal besprechen, wie man sich benimmt, wenn Besuch da ist, wollen sie wissen: Ist das eine kleine Prüfung oder eine große Prüfung? Kleine Prüfung, sage ich, aber benehmt euch trotzdem ordentlich. Tun sie dann auch. Wer sich nicht ordentlich benimmt, sind die Ausbilderin und ich; wir sitzen hinten drin und tauschen flüsternd Neuigkeiten über Schule und Studienseminar aus. Dass das geht, liegt auch am Unterricht der Referendarin.
In den letzten beiden Stunden muss ich schon wieder mit Schülern über Sex reden. Nicht mit den Zehntklässlern diesmal, sondern mit dem Elfer-Deutschkurs. Zur Unzeit begehen wir die Walpurgisnacht und klamüsern die Rehzwillinge, die unter Rosen weiden, das Zwillingspaar aus „Wald und Höhle“ und die beiden Äpfel am Apfelbaum auseinander. Schlange! Schlange! Wir reden über Löcher und Pfropfen, Goethes Selbstzensur, ein bisschen Diebsgelüst, ein bisschen Rammelei. Einmal auf der Spur, interpretiert man jeden einzelnen Vers in diese Richtung, auch ist man ein bisschen albern wegen des unmittelbar bevorstehenden Wochenendes. „Fasse wacker meinen Zipfel“ ist ja nun ganz und gar anders gemeint.