Archiv Dienstag, 17. Dezember 2013

Die Mühen der Ebene (17. Dezember)

Dienstag, 17. Dezember 2013

Sitzordnungen, leidiges Thema. Eigentlich finde ich ja schon, dass Schüler neben ihren Lieblingsfreunden sitzen sollten; ich erinnere mich genau, dass ich jahrelang neben meiner allerbesten Freundin Simone saß, und dass ich überhaupt nur der Freunde wegen gerne zur Schule gegangen bin. Wenn die Freundschaft aber so dicke ist, dass sie den Unterricht stört, dann muss man natürlich einschreiten.
Am Anfang des Schuljahres habe ich meine Fünftklässler immer aufschreiben lassen, neben wem sie besonders gern und neben wem sie gar nicht sitzen wollen, und dann saß ich stundenlang zu Hause und habe gepuzzelt. Es gibt auch Computerprogramme für so was, aber die taugen nur bedingt. Allen Wünschen kann man ohnehin nie gerecht werden, möchte man auch nicht, und dann ist immer wer enttäuscht.
Also mache ich seit den Herbstferien das, was mir eine Mathekollegin über die Klassenlehrerin ihrer Zweitklässler-Zwillinge erzählt hat: Die lost knallhart alle zwei Wochen eine neue Sitzordnung aus, daran halten sich alle, und basta. Das funktioniert ganz hervorragend, und ich habe zudem das Gefühl, dass sich dabei Schüler kennenlernen, die sonst nicht freiwillig miteinander sprechen würden. Losen empfinden überdies viele als gerecht, weil niemand bevorzugt oder benachteiligt wird. (Dass ich trotzdem ein bisschen manipuliere, weil z.B. jemand schlecht hört und deshalb vorne sitzen muss, wissen sie nicht.)
Heute nun – Klassenleiterstunde, vor dem Vorlesen – war mal wieder ein Zugeständnis dran: Ihr könnt euch hinsetzen, wo ihr wollt, und neben wen ihr wollt, aber bei Uneinigkeit möchte ich Verhandlungen sehen, keine Prügeleien, und heulen soll auch niemand.
Zack, zack, ein paar Diskussionen, ein paar beleidigte Blicke, und drei waren auch krank. Aber trotzdem, das Ganze ging zügig und ohne Mord und Totschlag vonstatten, das hat mich ein bisschen beeindruckt. Seitdem ist es in manchen Ecken katastrophal laut, aber dagegen gibt es ja Mittel. Außerdem gilt diese neue Sitzordnung nur vier Tage – bis zu den Weihnachtsferien.

Und heute hab ich Weihnachtspost aus diesem Internetz gekriegt, in der man mich siezt, wie sich das gehört. Immer wieder großartig.