Archiv Januar 2014

Die Hübschigkeit der Schauspieler (29)

Sonntag, 26. Januar 2014

Paint your Wagon, 1969, mit Lee Marvin, Clint Eastwood, Jean Seberg

Ende der 60er Jahre war die große Zeit des Westerns endgültig vorbei. Wer sich weiterhin mit dem Genre auseinandersetzen wollte, musste neue Wege finden, wie beispielsweise Robert Altman 1971 mit dem Anti-Western McCabe & Mrs. Miller. Joshua Logan hatte sich zwei Jahre früher für eine alberne Western-Parodie in Musicalform entschieden, deren deutscher Titel Westwärts zieht der Wind lautet – und das, obwohl auch Musicalfilme zu dieser Zeit beim Publikum aus der Mode kamen. Das war aber bestimmt nicht der einzige Grund, warum dieser Film kein Kassenschlager wurde.
Der Film dauert gute zweieinhalb Stunden, inklusive einer vier Minuten und zwanzig Sekunden währenden Unterbrechung, die mit Musik und dem Wort „Intermission“ gefüllt ist. Das ist ganz praktisch, da muss man nicht erst auf die Pausentaste drücken, wenn man mal zur Toilette gehen möchte.
Die Figuren benehmen sich in einem fort politisch unkorrekt und stimmen zwischendurch Gesänge an, begleitet von unsichtbaren Streichorchestern oder Männerchören. In einer Szene zum Beispiel irrt Clint Eastwood, gewandet in eine rote Hippie-Bluse, Cowboyhut auf dem Kopf, einsam durch den Wald und singt I talk to the trees, während im Hintergrund ein Sinfonieorchester musiziert.
Jean Seberg war so clever, ihre Gesangsnummern synchronisieren zu lassen; Lee Marvin und Clint Eastwood singen selbst. Dass Marvin mit seinem Gebrummel in Großbritannien drei Wochen lang die Charts anführte und dabei die Beatles verdrängte, ist ein Skandal sondergleichen.
Neben der schwer erträglichen Länge und der Singerei stört an dem Film am meisten, dass – nachdem die christliche Familie im Haus war – die paar Anflüge von Anarchie und Anti, die es vorher gab, rasch getilgt werden und die heile Western-Welt wiederhergestellt wird: Die Ménage-à-trois löst sich zugunsten einer traditionellen Ehe auf, die Helden stellen ihre Gaunereien ein (sie hatten, anstatt rechtschaffen Gold zu schürfen, Gänge unter den Wirtshäusern der Stadt gegraben, um den durch die Dielen rieselnden Goldstaub aufzufangen) und No Name City, dieses Sodom und Gomorrha, verschwindet komplett vom Erdboden.
Mir wurde aufgetragen, über die Schauspieler zu schreiben, dass sie angemessen hübsch seien, obwohl weil sie schiefe Zähne und glatte Haut haben. Auch tragen sie keine Armbanduhren wie in Karl-May-Verfilmungen. Lee Marvin war nur sechs Jahre älter als Eastwood, sieht im Film aber viel älter aus. Angeblich trank er während der Dreharbeiten nicht schwarzen Tee wie alle anderen, sondern echten Whisky.
Den Film hat Frau L. ausgesucht. Sie kann die Songs auswendig mitsingen und quälte uns damit noch auf der Rückfahrt im Auto. Das war ein recht anstrengender Abend.

Fluss

Sonntag, 26. Januar 2014

Draufklicken öffnet die Serie.

Limerick (104)

Sonntag, 19. Januar 2014

„Seliger“, sagte in Theben
ein Weiser, „ist nehmen denn geben.
Ob Gutes, ob Schlimmes,
oh, gib es nicht, nimm es.“
Er sprachs und er nahm sich das Leben.

GFN

Montag, 13. Januar 2014

Mein Deutschkurs hatte heute Spaß mit der Flexion nichtflektierbarer Wörter, das sind Adverbien, Konjunktionen, Präpositionen und Partikeln. Wer ein partikelzentriertes Weltbild hat, bezeichnet alle diese Wortarten als Partikeln. Interjektionen gehören auch noch dazu.
Seltsamerweise lassen sich einige Adverbien aber doch flektieren, z.B. häufig, tatsächlich, wirklich. Ich habe von diesen Dingen nicht wirklich Ahnung, aber Peter Eisenberg schreibt im „Grundriss der deutschen Grammatik“:

Die Adverbien gehören zum Widerspenstigsten und Unübersichtlichsten, was die deutsche Grammatik zu bieten hat.

Unser Beispiel war: Öfterer Tapetenwechsel ist wichtig für jeden, der einen schweren Beruf hat. Dazu fiel uns ein: die zue Tür, das aufe Fenster, der appe Knopf, das kalt genuge Getränk, die anne Kerze. Hachzen gehört unbedingt auch noch dazu.
Wir haben überlegt, ob wir die Gesellschaft zur Flexion der Nichtflektierbaren gründen, analog zur famosen Gesellschaft zur Stärkung der Verben – oder vielleicht könnte jene Gesellschaft eine weitere Unterkategorie eröffnen, schließlich beschäftigt sie sich nebenbei auch mit so interessanten Dingen wie Entneinungen oder schöneren Plurälen und Singularen.
Übrigens wurde auch die Bedeutung des Beispielsatzes diskutiert: Was heißt eigentlich Tapetenwechsel für Leute mit schwerem Beruf?

Die Prinzessin auf der Kokosnuss

Freitag, 10. Januar 2014

Es war einmal eine Prinzessin. Sie war sehr gefräßig und aß regelmäßig schon zum Frühstück Klöße mit Soße und trank gläserweise Brause. Dabei drehte sie das Radio, das der König ihr zum Geburtstag geschenkt hatte, so laut auf, dass das ganze Schloss wackelte. Die Diener fanden das gar nicht spaßig und beschlossen, sich zu rächen. An einem sonnigen Sommerabend, als die Prinzessin draußen auf dem Gras Grimassen schneiden übte, legten sie ihr eine riesige Kokosnuss ins Bett. Leider hatten sie nicht bedacht, dass die Prinzessin sehr dick war. Am nächsten Morgen berichtete sie, sie habe außerordentlich gut geschlafen. Als sie aufgewacht sei, habe sie eine große Nuss in ihrem Bett gefunden und sofort verspeist. Dann griff sie zum Radio.

Einkaufslyrik (12)

Samstag, 4. Januar 2014

Mit Werbung und Rechtschreibfehler. Und das Fleisch für dieses Gericht wurde wohl wann anders erworben.

Frühere Folgen: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11

Pfuhl und Stein

Donnerstag, 2. Januar 2014

Im alten Jahr schnell noch einen See umrundet, das bringt Glück – alte gälische Weisheit.
Erster Arbeitsauftrag im neuen Jahr: Suchen Sie das Grab von Kurt Schwitters und ergründen Sie sein Geheimnis. Der Auftrag wird angenommen und planlos-systematisch (wie könnte ein MERZ-Grabstein aussehen?) bearbeitet, allein – wegen Zeitmangels muss die Suche abgebrochen werden. Das Anschauen des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker bei abgedrehtem Ton ist seit Jahren etablierte Tradition im herrschaftlichen Hause, da kann man nicht fehlen.
Der Schwur bleibt; das nächste Mal suchen wir gleich in Abschnitt 6. Das gehört (beiläufig) in die kalte Glut.