Archiv Sonntag, 7. Dezember 2014

Die Mühen der Ebene (7. Dezember)

Sonntag, 7. Dezember 2014

Kollegin G. hatte heute zum 2.-Advent-Chili-con-carne-Essen zu sich eingeladen. Offizielle Begründung: Sie habe keine Lust, vier Mal davon zu essen, sondern sei froh, wenn alles auf einmal aufgegessen werde. Sie kocht das nämlich nach dem Kochbuch „Blitzgerichte“, wenn ich das richtig behalten habe, in nur 16 Minuten, kann aber offenbar nur eine einzige Menge davon herstellen (eine größere).
Ähnlich wie ich hat auch Kollegin G. ein schwieriges Verhältnis zum Kochen, stellt dabei aber, anders als ich, ihr Licht immer ein bisschen unter den Scheffel. Ihr Bohneneintopf zum Beispiel ist legendär, und ich habe bei ihr auch schon sehr guten Spargel gegessen.
Mit ein paar Kollegen haben wir die Angewohnheit, jeden Freitag nach Schulschluss gemeinsam essen zu gehen, um die Arbeitswoche Revue passieren zu lassen und das Wochenende einzuläuten. Weil hier im Ort das große Restaurantsterben herrscht (das große Geschäftesterben allgemein; es steht unglaublich viel Ladenfläche leer), gibt es im Moment nur noch den Chinesen, den man aber aus Gründen nicht jede Woche erträgt, und ein weiteres Restaurant, das früher mal unser Stammlokal war, bis wir es wegen Unfähigkeit der Angestellten nicht mehr aufsuchen konnten. Natürlich könnte man in irgendwelche Nachbardörfer fahren, aber das ist umständlich.
Und weil Kollegin G. Ende Januar pensioniert wird, versuchen wir sie schon seit Monaten zu überreden, unseren Freitagsmittagstisch zu übernehmen: Wir würden sie weiterhin regelmäßig sehen, könnten von ihr die neuesten Neuigkeiten aus der Schule erfahren (alte Regel: die Pensionäre wissen immer mehr über uns als wir selbst), würden gediegen essen und natürlich auch dafür bezahlen. Inzwischen steht sie der Idee halbwegs aufgeschlossen gegenüber.
Ein bisschen Überredung braucht es allerdings noch, und weil ich weiß, dass sie hier mitliest, muss ich jetzt noch mal das heutige Chili loben – es war tatsächlich köstlich, wir haben alles aufgegessen, und außerdem gab es Salat und Nachtisch und Kaffee und gute Unterhaltung.

Das mit dem 2. Advent und dem Chili ist eine so absurde Kombination, das sollte man, finde ich, für künftige Jahre als Tradition bewahren.