Die Mühen der Ebene (17. Dezember)

Den heutigen Tag stellen wir am besten dem Vergessen anheim. Erstens regnete es den ganzen Tag lang, und da meine Laune bekanntlich durch ein unsichtbares Kabel direkt mit dem Wetter verbunden ist, war das schon einmal eine schlechte Voraussetzung.
Zweitens musste ich mich heute andauernd ärgern. Die Fünftklässler trieben mich in der Doppelstunde Englisch in den Wahnsinn, weil sie einfach nicht zuhörten: Ich weigere mich, die Seite im Buch und die Nummer der Übung mehr als zweimal zu nennen (geschweige denn an die Tafel zu schreiben), und nach jeder neuen Ansage gab es ungefähr fünf Kinder, die nicht wussten, was sie tun sollten, weil sie geistig abwesend waren. Gespielten Ärger beherrsche ich durchaus auch, aber das, was mich ob dieses Verhaltens ansprang, war richtige, echte Wut.
In der Bereitschaftsstunde hatte ich eine Vertretung in einer neunten Klasse und sollte einen Film zeigen, von dem sie im Politikunterricht schon die erste halbe Stunde gesehen hatten: Die fetten Jahre sind vorbei. Oh, schön, dachte ich, das wird mal ein Vergnügen. Weit gefehlt. Als ich den Film herausholte, hörte ich Kommentare wie „Müssen wir diesen Scheißfilm wirklich weitergucken?“, und als er lief, musste ich ihn dreimal stoppen, um klarzustellen, dass man während einer Filmvorführung nicht spricht. Was mich aber in wirkliche Rage versetzte, war, dass sie mich, kaum war die Stunde zu Ende, fragten, ob ich den Film nicht dalassen könne, so dass sie ihn in der nächsten Stunde weitergucken könnten. So eine Heuchelei. Nur um Unterricht zu vermeiden.
Es ärgert mich, dass ich mich von Schülern in Wut versetzen lasse. Die Frage ist nur, ob das Wetter an allem schuld war.

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