Archiv 2014

Die Mühen der Ebene (15. Dezember)

Montag, 15. Dezember 2014

Am Abend traditionelles Kollegiums-Grünkohlessen, mit Glühweinerhitzen in der Lehrerzimmerküche, Wanderung mit Bollerwagen und Glühwein durch den dunklen, matschigen Wald ins Nachbardorf, mit trefflicher Personalratsrede über die Atmosphäre im Kollegium, die mit der Tatsache zusammenhängt, dass viele Leute Dinge tun, die ihnen nicht unmittelbar etwas nützen, und mit Bregenwurst. Hach.

Die Mühen der Ebene (14. Dezember)

Sonntag, 14. Dezember 2014

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Die Mühen der Ebene (13. Dezember)

Samstag, 13. Dezember 2014

So ein schönes Papier. Zwiebeln und Mais gab’s nicht (oder der Strich beim Mais ist verrutscht). Das sind die Leute, die mit Kugelschreiber in der Hand einkaufen gehen.

Frühere Folgen: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18

Die Mühen der Ebene (12. Dezember)

Freitag, 12. Dezember 2014

Gleich zu Beginn der Englischstunde in der 9. Klasse meldet sich jemand und erkundigt sich höflich, ob wir fünf Minuten früher Schluss machen könnten, sie würden in der nächsten Stunde Mathe schreiben und seien alle so aufgeregt. Na klar, sage ich und meine das ironisch, frage mich aber nicht zum ersten Mal, was das eigentlich ist mit Mathe. Schon oft habe ich Klassen betreten, die gerade eine Mathearbeit geschrieben oder zurückbekommen hatten, in denen sich Szenen der Massenhysterie abspielten, inklusive kollektiven Heulens und absoluter Unempfänglichkeit für anderen Unterricht. Das will ich auch mal! Noch nie hat jemand während eines Diktats geheult!
Tatsächlich sind die Neuntklässler in der Englischstunde nicht recht zu gebrauchen, und ich bin froh, dass ich eine lockere Stunde mit ein bisschen Grammatik-Wiederholung und einer Mediation-Aufgabe geplant habe. Mediation ist Übersetzung, aber nur sinngemäß, und immer schön in einen lebensweltlichen Kontext eingebettet. Der total realistische Kontext in dieser Aufgabe aus dem Schulbuch lautet:

You are visiting your English exchange partner and have brought the family a present. You know that the whole family is very interested in fitness, so you have chosen a special kind of scales that weigh and compare your body fat to the water in your body. The instructions are only in German.

Es folgt eine detaillierte Bedienungsanleitung auf Deutsch („Zeigt die Waage 0.0 zusammen mit dem passenden Geschlechtssymbol an, Waage betreten. Gewicht wird angezeigt. Bitte ruhig stehen bleiben bis zum Ende der Analyse“) plus Fragen, die die Gastfamilie an die Waage hat: Can more than one person put their information into the scales? Diese Fragen sollen die Schüler beantworten, auf Englisch natürlich, aber unter Zuhilfenahme der deutschen Bedienungsanleitung.
Schon bald werde ich in erbittert geführte Diskussionen verwickelt: Bedienungsanleitungen sind doch nie nur auf Deutsch, oder? Es ist doch total blöd, so ein Geschenk auszusuchen, wenn man genau weiß, dass man noch richtig viel erklären muss, noch dazu auf Englisch! Man liest Bedienungsanleitungen sowieso nie, sondern probiert das einfach mal aus, und irgendwann hat man es raus. Und was heißt Geschlecht auf Englisch, und was ist der Unterschied zwischen sex und gender?
Über solche Fragen diskutieren wir ein bisschen, und dann ist es Zeit für die Mathearbeit.

Die Mühen der Ebene (11. Dezember)

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Heute steckte ich in so einem blöden Beamtendilemma fest: Donnerstags in der zweiten großen Pause habe ich Pausenaufsicht auf einem unserer beiden Schulhöfe; in der Stunde danach war ich dann eingeteilt zur Klausuraufsicht im Kurs einer Kollegin, die ich ablösen musste, weil der Kurs drei Stunden lang schrieb. Am gerechtesten ist es, wenn diese Ablösung in der Mitte der Pause stattfindet, damit beide gleich viel von ihr haben. Ich hatte ja aber Aufsicht bis zum Ende der Pause. Was also tun, die Kollegin um ihre Pause bringen oder meine Aufsichtspflicht verletzen?
Ich sach jetzt mal nicht, wie ich das entschieden habe.
Und heute hat es fast ununterbrochen geregnet, das wollen wir doch mal festhalten.

Die Mühen der Ebene (10. Dezember)

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Ich habe nie Latein gelernt. Ein Wunder bei meinen Fächern, aber die geschickte Wahl der Studienorte machte es möglich. Ich kann ganz gut Französisch (sieben Jahre Schulfranzösisch plus etliche Frankreich-Urlaube), aber es liegt mir nicht, ich mag es nicht – weder die Sprache an sich noch die Denkungsart, die dahinter steckt. Ich finde ja ohnehin: Entweder Englisch oder Französisch, beides geht nicht. Und da bin ich nun eindeutig auf der englischen Seite.
In Französisch war ich immer gut, und es machte mir auch Spaß, aber Latein hätte mir erheblich mehr Spaß gemacht, glaube ich; die Logik der Grammatik, die Angemessenheit der Übersetzung, das Herumpuzzeln mit der Sprache – das wäre genau mein Ding gewesen. Auf meine Vorwürfe (eher scherzhaft, denn wer will schon beurteilen, ob ein zwölfjähriges Kind eher Französisch oder eher Latein lernen können wird, vor allem, wenn es mathematisch-logisch eher nicht so interessiert ist), antwortet meine Mutter immer: Du konntest nie stur Sachen einfach auswendig lernen, du brauchtest immer einen Zusammenhang. Nun gut, sage ich dann stets, aber in Französisch musste ich auch stur Vokabeln auswendig lernen.
Wie dem auch sei – ich finde Latein einfach großartig. Die Kollegin mit T gibt mir öfter mal ihre Klassenarbeiten und Klausuren zum Übersetzen. In Klasse 6, erstes Lernjahr, habe ich schon einmal ohne Wörterbuch eine zwei geschrieben. In einer mündlichen Abiturprüfung war ich mit Wörterbuch besser als einer der Prüflinge (na gut, er war ziemlich schlecht). Gestern hatte ich Aufsicht in einer ihrer Klausuren im Jahrgang 12, da habe ich ohne Wörterbuch völlig versagt; ich konnte quasi nur einzelne Wörter raten. Und jetzt liegt hier vor mir eine Arbeit für Klasse 10, für die ich alle Zeit der Welt habe und natürlich ein Wörterbuch – da packt mich doch glatt der Ehrgeiz…

Die Mühen der Ebene (9. Dezember)

Dienstag, 9. Dezember 2014

Gestern hatte jemand den Altpapiercontainer auf dem Schulhof spektakulär angezündet, immerhin so, dass die Feuerwehr kommen musste, und heute war es – egal ob in Klasse 6 oder Klasse 9 – ein beliebtes Ablenkungsmanöver zu fragen, ob man nicht den Tatort besichtigen könne. Mitten im Unterricht natürlich, dabei steht der in jeder Pause der Besichtigung offen.
Die Sechstklässler (meine Klasse; die war zur fraglichen Zeit in der Turnhalle beschäftigt und hatte zu ihrem Leidwesen von der ganzen Aufregung gar nichts mitbekommen) besichtigten in der Fünf-Minuten-Pause der Doppelstunde den Container sehr gewissenhaft, stellten Beweismaterial sicher (der Täter hatte die Tüte mit den Silvesterböllerverpackungen einfach ins Gebüsch geschmissen – „Ey, und jetzt sind da deine Fingerabdrücke drauf, denk doch mal nach, was das bedeutet!“) und stanken hinterher so, dass alle Fenster geöffnet werden mussten.
Die Neuntklässler machten sich einen Spaß draus und schritten scheinbar ernsthaft zum Container, kamen dann aber rennend zurück, und diejenigen, denen es vorher mit der Besichtigung am dringlichsten gewesen war, schrien am lautesten: Boah, stinkt der!
Der Täter ist schulweit bekannt, er hatte wohl auch mit seiner Tat angegeben.