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	<title>Wiesenraute.</title>
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	<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 19:24:17 +0000</pubDate>
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		<title>T</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 16:24:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Links und rechts neben mir in der Mensa sa&#223;en heute die beiden Kolleginnen, die fast gleich hei&#223;en, nur hat die eine noch ein T, wo der Name der anderen schon zu Ende ist. Die Vornamen sind unterschiedlich genug, aber wenn Sch&#252;ler an der Lehrerzimmert&#252;r nach einer der beiden fragen, muss man sie schon mal bitten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Links und rechts neben mir in der Mensa sa&#223;en heute die beiden Kolleginnen, die fast gleich hei&#223;en, nur hat die eine noch ein T, wo der Name der anderen schon zu Ende ist. Die Vornamen sind unterschiedlich genug, aber wenn Sch&#252;ler an der Lehrerzimmert&#252;r nach einer der beiden fragen, muss man sie schon mal bitten, den Namen nochmal ganz genau auszusprechen. Beide unterrichten Latein, beide finden h&#228;ufig Papiere f&#252;r die andere in ihren F&#228;chern. Auf ihren Schulshirts steht <em>Frau mit T</em> bei der einen, <em>Frau ohne T</em> bei der anderen. Sie kommen gut miteinander aus, im Lehrerzimmer sitzen sie nebeneinander.<br />
Beim Essen heute allerdings erz&#228;hlten sie, wie gestern Frau ohne T Frau mit T mit ihrem Tee vertrieb. Frau mit T behauptete, es sei ein ganz und gar &#252;bel riechender Tee gewesen, dessen Anwesenheit am selben Tisch sie unter keinen Umst&#228;nden ertragen k&#246;nne. Frau ohne T hingegen schw&#228;rmte von ihrem Lieblingstee und beteuerte, ihn ab jetzt h&#228;ufiger in die Schule mitbringen zu wollen. Das klingt nach einem Stellvertreterstreit – es geht gar nicht um den Tee, sondern um das T, das die eine nicht besitzt, aber begehrt, und das die andere verteidigt bis aufs Blut. &#220;brigens sind beide Namen auch als Substantive im Deutschen vorhanden und bezeichnen ein Spiel und ein Bauwerk – nicht die schlechtesten Namen, die es gibt.<br />
Die wahre Erg&#228;nzung zu Frau mit T, das hat das Mittagessen heute auch ergeben, bildet Kollegin T. Die a&#223; n&#228;mlich dankbar alle von Frau mit T verschm&#228;hten Erbsen und sortierte ihrerseits aus ihrem Mischgem&#252;se s&#228;mtliche M&#246;hren f&#252;r Frau mit T aus.<br />
Ich hingegen a&#223; alles auf, was auf meinem Teller war, und trank ansonsten ziemlich viel Kaffee.
</p>
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		<title>&#220;ber Fische und B&#228;nke</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Aug 2010 22:05:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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.
Land unter. Drei Tage Dauerregen, das Fl&#252;sschen ist &#252;ber seine Ufer getreten und breitet sich hemmungslos in Wiesen und Feldern aus. Unsere finnischen Freunde fanden es auch ziemlich nass diesmal.
Im Ort treibt eine herrenlose Fu&#223;g&#228;ngerampel ihr Unwesen. Zuerst stand sie vor M.s Haus und leuchtete ihm nachts gr&#252;n ins Schlafzimmer. Vor ein paar Tagen hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/08/fischeundbanke.JPG" align="texttop" width="430" height="275" border="1" /><br />
<font color="white">.</font><br />
Land unter. Drei Tage Dauerregen, das Fl&#252;sschen ist &#252;ber seine Ufer getreten und breitet sich hemmungslos in Wiesen und Feldern aus. Unsere finnischen Freunde fanden es auch ziemlich nass diesmal.<br />
Im Ort treibt eine herrenlose Fu&#223;g&#228;ngerampel ihr Unwesen. Zuerst stand sie vor M.s Haus und leuchtete ihm nachts gr&#252;n ins Schlafzimmer. Vor ein paar Tagen hat sie ihren Standort gewechselt und regelt jetzt den Verkehr an einer Stra&#223;e, die von Fu&#223;g&#228;ngern alle Jubeljahre mal benutzt wird. M.s Vermieterin, sonst eher nicht bekannt f&#252;r messerscharfe Logik, stellte die These auf, die Gemeinde habe diese Ampel irgendwie &#252;brig und teste mal aus, wo sie sich am besten mache.<br />
Vielleicht sollte man sie dazu benutzen, das Fl&#252;sschen in seine Schranken zu verweisen.
</p>
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		<title>Ach, Berlin</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 18:28:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/08/01.JPG" align="texttop" width="430" height="288" vspace="10" border="1" /></p>
<p><img src="/wp-content/uploads/2010/08/05.JPG" width="430" height="288" hspace="10" border="1" /></p>
<p><img src="/wp-content/uploads/2010/08/02.JPG" align="texttop" width="430" height="288" hspace="10" border="1" /></p>
<p><img src="/wp-content/uploads/2010/08/04.JPG" align="texttop" width="430" height="288" hspace="10" border="1" /></p>
<p><img src="/wp-content/uploads/2010/08/03.JPG" align="texttop" width="430" height="288" hspace="10" border="1" /></p>
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		<title>Hallo Douglas, alter Kumpel</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Aug 2010 06:46:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Frau L. ist eine Bildungsb&#252;rgerin und ein Original, das haben Sie schon mitbekommen. Sie hat keine Lust auf die Kurzen, kann aber gut mit neunten und zehnten Klassen. In diesem Schuljahr hat sie unter anderem eine Neunte in Englisch, und irgendwie – man wei&#223; nicht genau, wie – kam sie dort auf eines ihrer Herzensthemen: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Frau L. ist eine Bildungsb&#252;rgerin und ein Original, das haben Sie schon mitbekommen. Sie hat keine Lust auf die Kurzen, kann aber gut mit neunten und zehnten Klassen. In diesem Schuljahr hat sie unter anderem eine Neunte in Englisch, und irgendwie – man wei&#223; nicht genau, wie – kam sie dort auf eines ihrer Herzensthemen: deutsche Volkslieder.<br />
Sie fragt dann immer, welche Volkslieder die Sch&#252;ler so kennen und tut entsetzt ob deren Ahnungslosigkeit. Danach singt sie welche vor, und wer die kennt, soll sich melden. Bei <em>Muss i denn</em> melden sich anscheinend ein paar, jedenfalls l&#228;sst sie das Internetz anwerfen und die <a href="http://www.youtube.com/watch?v=E9W6m_PhXq4" target="_blank">Elvis-Presley-Version mit der Puppe</a> suchen  – immerhin handelt es sich um Englischunterricht. Gnadenlos zwingt sie den pubertierenden Haufen zum Mitsingen, und als Hausaufgabe sollen sie den Text auswendig lernen. Auf den wilden Protest hin sagt sie nur, alles reime sich, und man k&#246;nne es sich leicht merken.</p>
<blockquote><p>Treat me nice<br />
Treat me good<br />
Treat me like you really should<br />
‘Cause I’m not made of wood<br />
And I don’t have a wooden heart</p></blockquote>
<p>Allerdings hat sie ein schlechtes Gewissen wegen der Grammatik. Das m&#252;sse sie wohl nochmal erkl&#228;ren.</p>
<p>In derselben Pause, in der sie dies erz&#228;hlt, kommen wir – wieder wei&#223; man nicht genau, wie – auf Verh&#246;rer in Liedtexten, wei&#223;er Neger Wumbaba und so, und Frau L. hat aus dem Stegreif zwei gro&#223;artige beizusteuern.<br />
Den alten <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Qr4KKYhfDJo" target="_blank">Freddy-Quinn-Schlager <em>Die Gitarre und das Meer</em></a> verstand sie jahrelang so:</p>
<blockquote><p>Jimmy Braun, das war ein Seemann,<br />
Und sein Herz war ihm so schwer,<br />
Doch es lieben ihn zwei Freunde:<br />
Die Gitarre und das Meer.</p>
<p>Jimmy wollt&#8217; ein M&#228;dchen lieben,<br />
Doch ein andrer kam daher,<br />
Und als Trost sind ihm geblieben,<br />
Die Gitarre und das Meer.</p>
<p>Juanita hie&#223; das M&#228;dchen,<br />
Aus der gro&#223;en fernen Welt.<br />
Und Solenta die Gitarre,<br />
Die er in den Armen h&#228;lt.</p></blockquote>
<p>Solenta ist ein gediegener Name f&#252;r eine Gitarre, verschleiert aber die Tatsache, dass Jimmy Braun in Wirklichkeit die Gitarre so nennt wie das M&#228;dchen, n&#228;mlich auch Juanita.<br />
Auch war Frau L. sehr &#252;berrascht und ein bisschen entt&#228;uscht, als sie nach Jahren erfahren musste, dass im Lied <em>The Sounds of Silence</em> von Simon &#038; Garfunkel gar keine Person namens Douglas mitspielt.</p>
<blockquote><p>Hello Douglas, my old friend,<br />
I’ve come to talk with you again</p></blockquote>
<p>Und dieses Gespr&#228;ch hat mich dazu gebracht, nach sehr langer Zeit mal wieder Simon &#038; Garfunkel zu h&#246;ren.
</p>
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		<title>Looks like vandalism</title>
		<link>http://wiesenraute.de/2010/08/17/looks-like-vandalism/</link>
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		<pubDate>Tue, 17 Aug 2010 18:41:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Seit Tagen ist es bedeckt, aber schw&#252;l – ein Wetter, das niemand leiden kann. Der Nachbar startet seinen Rasenm&#228;her und m&#228;ht tapfer an gegen die dunklen Wolken und den Wind. Es braut sich was zusammen, seit Stunden schon. Es braut und braut, und nichts kommt dabei heraus. Der Nachbar m&#228;ht, und man muss ihm Erfolg [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Tagen ist es bedeckt, aber schw&#252;l – ein Wetter, das niemand leiden kann. Der Nachbar startet seinen Rasenm&#228;her und m&#228;ht tapfer an gegen die dunklen Wolken und den Wind. Es braut sich was zusammen, seit Stunden schon. Es braut und braut, und nichts kommt dabei heraus. Der Nachbar m&#228;ht, und man muss ihm Erfolg bescheinigen.<br />
Regen w&#228;re wom&#246;glich gar nicht so gut, er erinnert an den Schnatermann und die Natter im Fischeimer. Die Knorpel sind so gut zu kaun – mir wird vom blo&#223;en Atmen satt.<br />
In dieser abgelegenen &#214;dnis kommen Geburtstagsgeschenke schon mal zwei Monate sp&#228;ter an. Das macht gar nichts, f&#252;r &#220;berraschungen gut zu sein, ist nicht Laster, sondern Tugend,  es sei denn, man hei&#223;t Deutsche Post AG.<br />
Die Leiche von neulich hat ihr Geschlecht gewechselt. Was genau passierte, ist nach wie vor ungekl&#228;rt. Im Hof der Nachbarn fallen unreife &#196;pfel vom Baum. Der Wind.<br />
Wenn’s regnet, hab ich gute Zeit.
</p>
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		<title>RIP</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 18:15:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Oh nein. Der einzige Musikaktus Deutschlands ist verendet.
Nie wieder wird er eine fr&#246;hliche Melodie hervorbringen. Er ruhe in Frieden.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Oh nein. Der einzige <a href="http://wiesenraute.de/2007/07/27/mein-kleiner-gruener-kaktus/">Musikaktus</a> Deutschlands ist verendet.<br />
Nie wieder wird er eine fr&#246;hliche Melodie hervorbringen. Er ruhe in Frieden.
</p>
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		<title>Die H&#252;bschigkeit der Schauspieler (5)</title>
		<link>http://wiesenraute.de/2010/08/15/die-huebschigkeit-der-schauspieler-5/</link>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 07:34:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Witness (Der einzige Zeuge, 1985) mit Kelly McGillis, Harrison Ford, Lukas Haas, Viggo Mortensen
Ein Mord, ein kleiner Junge als einziger Zeuge, ein beharrlicher Polizist, korrupte Polizeiobere, ein Versteck in einer Amischen Siedlung, eine Beinahe-Liebesgeschichte. „Amish“ wird offensichtlich [ˈɑːmɪʃ] oder [ˈæmɪʃ] ausgesprochen – beides ist im Film zu h&#246;ren – aber nicht [ˈeɪmɪʃ].
Als Historikerin kann Kollegin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b><em>Witness</em></b> (<em>Der einzige Zeuge</em>, 1985) mit Kelly McGillis, Harrison Ford, Lukas Haas, Viggo Mortensen</p>
<p>Ein Mord, ein kleiner Junge als einziger Zeuge, ein beharrlicher Polizist, korrupte Polizeiobere, ein Versteck in einer Amischen Siedlung, eine Beinahe-Liebesgeschichte. „Amish“ wird offensichtlich [ˈɑːmɪʃ] oder [ˈæmɪʃ] ausgesprochen – beides ist im Film zu h&#246;ren – aber nicht [ˈeɪmɪʃ].<br />
Als Historikerin kann Kollegin K. einwandfrei Auskunft geben &#252;ber Entstehung, Abspaltung, Verfolgung und Auswanderung der Amish People. Frau L. h&#246;rt sich das an und kommentiert: „H&#228;tte es die verdammte Reformation nicht gegeben, dann k&#246;nnte heute nicht jeder Dahergelaufene in einem leerstehenden Warenlager eine Kirche gr&#252;nden.“ – eine pointierte Zusammenfassung von 500 Jahren Religionsgeschichte, obgleich unklar bleibt, wie sie auf das Warenlager kommt.<br />
Im Abspann ist ein <em>dialect coach</em> erw&#228;hnt, denn die Amish sprechen au&#223;er Englisch auch Pennsylvania Dutch oder Pennsylvaniadeutsch, ein pf&#228;lzisches Deutsch aus dem 18. Jahrhundert, gemischt mit englischen Lehnw&#246;rtern, die im dialektalen Text umherschwimmen wie Fliegen in der Suppe. <a href="http://pdc.wikipedia.org/wiki/Pennsilfaanisch_Deitsch" target="_blank">Hier</a> kann man das nachlesen, <a href="http://csumc.wisc.edu/AmericanLanguages/search_clip_type.php?clip_type=PennDutch" target="_blank">hier</a> h&#246;ren. Hach.<br />
Der Film lebt nat&#252;rlich vom Gegensatz zwischen der befriedeten Amisch-Welt und der b&#246;sen Moderne, die in das Idyll eindringt. Wir fragen uns, ob das wom&#246;glich ein Werbefilm f&#252;r eine pazifistische und r&#252;ckw&#228;rts gewandte Lebensweise ist. Ein bisschen vielleicht, denn immerhin wird der Oberschurke am Ende gemeinschaftlich und friedlich &#252;berw&#228;ltigt und nicht vom Kind erschossen, wie jeder versierte Krimigucker getippt h&#228;tte. Immerhin wird ein Konflikt zwischen Vater und Tochter zumindest angedeutet. – Von Maisk&#246;rnern ermordet zu werden, ist hingegen ziemlich originell.<br />
Gro&#223;e Diskussionen entfacht die Szene, in der sie mit der Pferdekutsche in die Stadt fahren, und hinter ihnen auf der Stra&#223;e f&#228;hrt zuerst ein riesenhafter Lastwagen, der nicht &#252;berholen kann, und dann eine kilometerlange Autoschlange. Es stellt sich heraus, dass der Lieblingskollege grunds&#228;tzlich nur 80 f&#228;hrt auf der Landstra&#223;e, weil ihn das weniger stresst. Ob er nicht in der Fahrschule gelernt habe, dass man, wo man 100 fahren darf, auch 100 fahren soll, um kein Verkehrshindernis zu sein? Habe er, antwortet er mit gro&#223;er Gelassenheit, aber das k&#252;mmere ihn gar nicht. Frau L. echauffiert sich und stellt die aparte These auf, die Heide sei die einzige Gegend in ganz Deutschland, wo man auf der Landstra&#223;e noch rasen k&#246;nne. In der Bodenseeregion, wo sie in den Ferien war, ginge das schon allein wegen der Stra&#223;enverh&#228;ltnisse gar nicht. „Und wo ich rasen kann, da will ich auch rasen!“<br />
&#220;ber die H&#252;bschigkeit der Schauspieler zu sprechen, vergessen wir. Harrison Ford ist h&#252;bsch, Kelly McGillis ist mehr als h&#252;bsch und sehr geeignet f&#252;r die Rolle als besorgte und etwas naive <em>country beauty</em>. Und Viggo Mortensen hat nur eine winzige Nebenrolle, ist aber auch ziemlich h&#252;bsch.
</p>
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		<title>Limerick (67)</title>
		<link>http://wiesenraute.de/2010/08/08/limerick-67/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Aug 2010 09:22:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[A dying mosquito exclaimed:
“A chemist has poisoned my brain!”
The cause of his sorrow
was paradichloro-
diphenyltrichloroethane.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>A dying mosquito exclaimed:<br />
“A chemist has poisoned my brain!”<br />
The cause of his sorrow<br />
was paradichloro-<br />
diphenyltrichloroethane.
</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Gruppenbild mit Dame</title>
		<link>http://wiesenraute.de/2010/08/06/gruppenbild-mit-dame/</link>
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		<pubDate>Fri, 06 Aug 2010 18:36:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[
.
Schlechte Bildqualit&#228;t, aber eins der besten Gruppenbilder, die ich je gemacht habe.
Rechts ein posierendes Paar in fortgeschrittenem Alter – ganz unzweifelhaft der Bildmittelpunkt – er mit recht jugendlicher Sonnenbrille, die wei&#223;en Haare flattern im Wind, sie im Dirndl und erkennbar interagierend mit der f&#252;nften Person von rechts. Die h&#228;lt in der rechten Hand einen Fotoapparat, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/08/group04.JPG" width="430" height="308" hspace="10" vspace="10" border="1" /><br />
<font color="white">.</font><br />
Schlechte Bildqualit&#228;t, aber eins der besten Gruppenbilder, die ich je gemacht habe.<br />
Rechts ein posierendes Paar in fortgeschrittenem Alter – ganz unzweifelhaft der Bildmittelpunkt – er mit recht jugendlicher Sonnenbrille, die wei&#223;en Haare flattern im Wind, sie im Dirndl und erkennbar interagierend mit der f&#252;nften Person von rechts. Die h&#228;lt in der rechten Hand einen Fotoapparat, guckt direkt in meine Kamera und vollf&#252;hrt mit der Linken eine deutende Geste in Richtung &#228;lteres Paar, als wolle sie sagen: Was fotografierst du mich, dort ist doch das Motiv. Die Linie ihres linken Arms und ihrer Hand verl&#228;uft parallel zur Stra&#223;e im Hintergrund und zu den B&#252;chern der beiden lesenden Personen. Diese B&#252;cher deuten also ebenfalls auf das &#228;ltere Paar, obgleich die beiden Lesenden &#252;berhaupt nicht am Geschehen interessiert sind.<br />
Die Person ganz links ist, mit Ausnahme der Frau mit dem Fotoapparat, die einzige im Bild, die dem Geschehen irgendeine Bedeutung beimessen kann. Sie schaut auf die Frau mit der Kamera oder auf das Paar und fungiert wom&#246;glich als diejenige Person, die entscheidet: Wer wird das &#228;ltere Paar fotografieren?<br />
Man k&#246;nnte sich alle m&#246;glichen Szenarien ausdenken, wie diese Leute zusammengeh&#246;ren. Zum Beispiel k&#246;nnte es sein, dass die beiden Leser zuf&#228;llig dort sa&#223;en und sich von den anderen f&#252;nf und ihrer Fotografiererei gest&#246;rt f&#252;hlten. Oder dass das &#228;ltere Paar dort stand und unbedingt fotografiert werden wollte und die Person mit der Kamera und ich aushandeln mussten, wer das Foto macht.<br />
Oder ganz anders.
</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Sehen und gesehen werden</title>
		<link>http://wiesenraute.de/2010/08/03/sehen-und-gesehen-werden/</link>
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		<pubDate>Tue, 03 Aug 2010 20:00:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[In der &#246;rtlichen Eisdiele sitzt man am besten franz&#246;sisch, nebeneinander aufgereiht, die Wand im R&#252;cken, den Blick zur Stra&#223;e. Eigentlich wollen wir unsere Niedergeschlagenheit bez&#252;glich des drohenden Ferienendes bek&#228;mpfen, indem wir uns an unsere jeweiligen Urlaube erinnern und den anderen davon erz&#228;hlen.
Wie man nach ein paar Segeltagen noch drei Tage sp&#228;ter an Land das Gef&#252;hl [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der &#246;rtlichen Eisdiele sitzt man am besten franz&#246;sisch, nebeneinander aufgereiht, die Wand im R&#252;cken, den Blick zur Stra&#223;e. Eigentlich wollen wir unsere Niedergeschlagenheit bez&#252;glich des drohenden Ferienendes bek&#228;mpfen, indem wir uns an unsere jeweiligen Urlaube erinnern und den anderen davon erz&#228;hlen.<br />
Wie man nach ein paar Segeltagen noch drei Tage sp&#228;ter an Land das Gef&#252;hl hatte, der Boden schwanke unter den F&#252;&#223;en. Wie der Heckscheibenwischer pl&#246;tzlich glaubte, wischen zu d&#252;rfen wie er wollte und nicht wie es ihm befohlen war, litauische Verh&#228;ltnisse. Wie man im Atlantik Wale beobachtete und dabei so seekrank wurde, dass man ernsthaft &#252;berlegte, &#252;ber Bord zu springen. Und wie man, nur weil die Nichte beteiligt war, der absonderlichen Reitveranstaltung <em>Romeo und Julia auf dem Pferde</em> beiwohnen musste.<br />
Aber daraus wird nichts. Erstmal ist die Bedienung eine Sch&#252;lerin, mit der ich im September eine Kursfahrt nach London unternehmen werde. Dann kommen best&#228;ndig andere Sch&#252;ler, ehemalige Sch&#252;ler und Eltern vorbei. Die meisten gr&#252;&#223;en, manche nicht, wer war denn das, warum hasst der dich? Eine Kollegin f&#228;hrt im Auto vorbei, sie schaut uns ernst an (aus Spa&#223; nat&#252;rlich) und winkt wie Erich Honecker bei der Milit&#228;rparade zur 40-Jahr-Feier der DDR. Schlie&#223;lich bietet der Ort selbst ein geradezu filmreifes Spektakel – vorbeirasende Krankenwagen, Not&#228;rzte, Polizei, ein Rettungshubschrauber, zum Schluss die Kripo mit Blaulicht. Bank&#252;berfall mit Schusswechsel tippen wir.<br />
Morgen wird es im K&#228;sebl&#228;ttchen stehen. Und wir werden uns um zehn Uhr zur ersten Dienstbesprechung des neuen Schuljahres in der Schule wiedersehen.
</p>
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		<title>U.</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Jul 2010 18:17:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/07/u1.JPG" align="texttop" width="430" height="536" hspace="10" vspace="10" border="1" />
</p>
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		<title>Ged&#246;ns</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Jul 2010 20:31:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Als ich vor den Ferien &#252;berlegte, was ich mit meiner Klasse am Wandertag unternehmen k&#246;nnte, schlug Frau L. – originell wie immer – vor, zur Kultst&#228;tte des Heidedichters zu pilgern und dort seine Gedichte zu rezitieren. Ich verwarf das umgehend, mit Verweis auf den eher geringen, f&#252;r elfj&#228;hrige Kinder &#252;berhaupt gar nicht erkennbaren Spa&#223;faktor.
Allerdings plagte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich vor den Ferien &#252;berlegte, was ich mit meiner Klasse am Wandertag unternehmen k&#246;nnte, schlug Frau L. – originell wie immer – vor, zur Kultst&#228;tte des Heidedichters zu pilgern und dort seine Gedichte zu rezitieren. Ich verwarf das umgehend, mit Verweis auf den eher geringen, f&#252;r elfj&#228;hrige Kinder &#252;berhaupt gar nicht erkennbaren Spa&#223;faktor.<br />
Allerdings plagte mich die Erinnerung an dieses Gespr&#228;ch so lange, bis ich die traurige Wahrheit endlich zugeben konnte: Schon im dritten Jahr bin ich Heidegermanistin, und noch immer habe ich keine Ahnung von Hermann L&#246;ns.<br />
Darum war ich, als derletzt ein Ausflugsziel gesucht wurde, sofort daf&#252;r, seinen Gedenkstein zu besichtigen. W&#228;re Frau L. mitgekommen, sie h&#228;tte uns aus dem Stegreif zehn L&#246;ns-Gedichte auswendig aufsagen k&#246;nnen, und nach ein bisschen Nachdenken nochmal zehn. So mussten wir uns damit begn&#252;gen, die Informationstafel neben dem Stein zu lesen. Sie war ern&#252;chternd. Offensichtlich hat L&#246;ns nur ein einziges Jahr in der L&#252;neburger Heide gelebt. Weder wurde er hier geboren, noch ist er hier begraben. Seinen Ruf als Heidedichter hat er wohl eher eingefordert als erarbeitet.<br />
Das machte mich nun doch neugierig, deshalb guckte ich zu Hause im Kindler nach. Was dort stand, war ebenfalls wenig schmeichelhaft, ich zitiere mal ein paar Halbs&#228;tze: „Hermann L&#246;ns, ein versp&#228;teter Romantiker, der seine schw&#228;rmerischen Neigungen in der Pose m&#228;nnlicher H&#228;rte bek&#228;mpfte…“ – „L&#246;ns, der sich gern als Dichter der L&#252;neburger Heide feiern lie&#223;…“ – „L&#246;ns’ lyrisches Werk verweigert sich den Entwicklungen der Moderne und schlie&#223;t an die Texte seiner literarischen Vorbilder an […]. Strophenbau und Reimschemata folgen vom Fr&#252;hwerk an konventionellen Mustern des Volkslieds, die Metaphorik sch&#246;pft immer wieder aus dem gleichen Bildvorrat. […] Nach 1945 gerieten die Texte weitgehend in Vergessenheit.“<br />
Als ordentliche Heidegermanistin sollte ich mir nun ein Gedicht vornehmen und es nach allen Regeln der Kunst analysieren, um das mittlerweile entstandene Vorurteil zu st&#252;tzen oder zu widerlegen, je nachdem. Nur habe ich dazu keine Lust. Lyrik ist ohnehin nicht meine Gattung, ich lese Gedichte wie ich Musik h&#246;re – willk&#252;rlich, emotional, rein geschmacksorientiert. Ich habe jetzt eine Ahnung von Hermann L&#246;ns, und ich zitiere einfach mal ein L&#246;ns-Gedicht und vertraue darauf, dass Sie das schon beurteilen k&#246;nnen. Und ich werde mal Frau L. fragen, was sie an L&#246;ns gut findet.</p>
<blockquote><p>Sommer</p>
<p>&#220;ber die Heide ziehen Spinneweben<br />
Von Halm zu Halm ihr silberwei&#223;es Tuch,<br />
Am Himmelsrande wei&#223;e W&#246;lkchen schweben<br />
Und wei&#223;es Wollgras wimpelt &#252;berm Bruch.</p>
<p>Es gl&#252;ht die Luft wie ein Maschinenofen,<br />
Kein Menschenleben regt sich weit und breit,<br />
Der Baumpieper nur schmettert seine Strophen<br />
Und hoch im Blau der M&#228;usebussard schreit.</p>
<p>In rosa Heidekraut den Leib ich strecke,<br />
Das Taschentuch ich auf die Augen breit&#8217;,<br />
Weit von mir ich die schlaffen Glieder recke<br />
Und dehne mich in s&#252;&#223;er M&#252;digkeit.</p>
<p>O Grabesschlaf, woll&#252;stiges Genie&#223;en!<br />
Wenn dieser m&#252;de Menschenleib verwest,<br />
Wenn die Atome auseinanderflie&#223;en<br />
Und Glied an Glied sich reckend, dehnend l&#246;st.</p></blockquote>
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		<title>Guten Tag, Herr Schr&#246;der</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 09:06:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Das Ende der Sommerferien naht. An einem Tag gegen Ende der Ferien – sobald das neue Schuljahr begonnen hat, fehlt daf&#252;r die Zeit – muss man unweigerlich gro&#223;e Mengen Schulb&#252;cher und anderen Kram kaufen, den man noch braucht. Das Zentralabitur schreibt Themen vor, in denen man sich wom&#246;glich &#252;berhaupt nicht auskennt, man ben&#246;tigt Sekund&#228;rliteratur, Lehrerhandreichungen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Ende der Sommerferien naht. An einem Tag gegen Ende der Ferien – sobald das neue Schuljahr begonnen hat, fehlt daf&#252;r die Zeit – muss man unweigerlich gro&#223;e Mengen Schulb&#252;cher und anderen Kram kaufen, den man noch braucht. Das Zentralabitur schreibt Themen vor, in denen man sich wom&#246;glich &#252;berhaupt nicht auskennt, man ben&#246;tigt Sekund&#228;rliteratur, Lehrerhandreichungen, didaktisiertes Material, Anregungen eben, man m&#246;chte nicht jedes Jahr das Rad neu erfinden. Man kriegt Rabatt und man kann das alles von der Steuer absetzen, aber man gibt erstmal Unsummen daf&#252;r aus.<br />
Ich reise zu diesem Zweck mit der Bahn in die Landeshauptstadt. Die Zugbegleiter der Metronom-Z&#252;ge sind bekannt f&#252;r ihre geschw&#228;tzige Originalit&#228;t. Auf der Hinfahrt sagt einer ein Gedicht auf, das erkl&#228;rt, warum der Alkoholkonsum im Zug verboten ist. Auf der R&#252;ckfahrt gibt es eine Durchsage f&#252;r die zusteigenden Fahrg&#228;ste: „Dieser Zug ist kein Adventskalender. Man kann bedenkenlos alle T&#252;ren &#246;ffnen.“<br />
In Hannover muss ich zuerst zur Bank meines Vertrauens, damit ich die B&#252;cher auch bezahlen kann, und dort treffe ich auf Herrn Schr&#246;der – Sie wissen schon, den ehemaligen Bundesschr&#246;der. Eigentlich dachte ich, er arbeitet in Russland, aber vielleicht hat er ja zur Erledigung von Bank- und anderen Gesch&#228;ften ein paar Tage freigenommen. Er sieht aus wie im Fernsehen und wird angestarrt und best&#228;ndig von wildfremden Leuten gegr&#252;&#223;t, der &#196;rmste, aber er gr&#252;&#223;t gleichbleibend h&#246;flich zur&#252;ck. Ich gucke nat&#252;rlich diskret woanders hin.<br />
F&#252;r Schulb&#252;cher, Folienstifte, Korrigierstifte, Papier gebe ich Unsummen aus und &#228;rgere mich wie jedes Jahr dar&#252;ber, dass Lehrer die meisten ihrer Arbeitsmaterialien selbst bezahlen m&#252;ssen. Wo gibt es denn sowas? Schlimm genug, dass mein Arbeitgeber mir kein B&#252;ro zur Verf&#252;gung stellt, in dem ich meine Arbeit erledigen kann, die eben nur zur H&#228;lfte aus Unterricht besteht.<br />
Erst auf der R&#252;ckfahrt erinnere ich mich daran, dass Herr Schr&#246;der einmal die These ge&#228;u&#223;ert hat, Lehrer seien faule S&#228;cke. Er war ganz offensichtlich nicht informiert &#252;ber die zweite H&#228;lfte, die Vorbereitung, die Konferenzen und Besprechungen, das Korrigieren. W&#228;re mir das fr&#252;her eingefallen, ich h&#228;tte ihn freudig gegr&#252;&#223;t.
</p>
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		<title>Blumen, Technik und ein bisschen Musik</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 16:26:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Die Nachbarin von nebenan geigt.
Die Nachbarin von unten hingegen hat die ihr anvertrauten Klassenblumen sch&#228;ndlich vernachl&#228;ssigt, sie sehen noch zerrupfter aus als wenn sie von meinem Blumengie&#223;dienst gepflegt worden w&#228;ren. So langsam entwickle ich echtes Mitgef&#252;hl mit den bedauernswerten Gew&#228;chsen.
Weil mein Internetz samt Telefon nicht mehr funktioniert und ich inzwischen eingesehen habe, dass ich das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Nachbarin von nebenan geigt.<br />
Die Nachbarin von unten hingegen hat die ihr anvertrauten Klassenblumen sch&#228;ndlich vernachl&#228;ssigt, sie sehen noch zerrupfter aus als wenn sie von meinem Blumengie&#223;dienst gepflegt worden w&#228;ren. So langsam entwickle ich echtes Mitgef&#252;hl mit den bedauernswerten Gew&#228;chsen.<br />
Weil mein Internetz samt Telefon nicht mehr funktioniert und ich inzwischen eingesehen habe, dass ich das nicht selber reparieren kann, telefoniere ich l&#228;nger mit dem Call-Center meines Telefonanbieters. Zuerst h&#228;nge ich eine Viertelstunde in der Warteschleife, dann spricht ein erfolgreich geschulter Mitarbeiter mit mir. Mit sanfter Stimme stellt er mir behutsame Fragen – Besitzt Ihr Telefon eine rote und eine gr&#252;ne Taste? – und behandelt mich auch sonst, als sei ich geistig benachteiligt. Beflissen spiele ich mit – Nein, hier leuchtet &#252;berhaupt kein einziges Licht! – und am Ende tut er genau das, was ich von ihm will. Zum Abschied sagt er: Vielen Dank f&#252;r dieses freundliche Gespr&#228;ch.<br />
Ich bin beileibe kein Technik-Freak, aber ein bisschen mehr Ahnung als die Nachbarin – die von nebenan, die geigende – habe ich schon. Die berichtet von der Implosion ihres zw&#246;lf Jahre alten Fernsehers und &#228;u&#223;ert im selben Atemzug die Hoffnung, es sei nur die Gl&#252;hbirne durchgebrannt, die den Hintergrund beleuchtet.
</p>
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		<title>Perlen gotischer Baukunst (15)</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Jul 2010 08:57:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Eine ausgewachsene Sau liegt schnaufend im Mittelgang des Busses. Auf der anderen Seite, im Durchgang, steht ein kleiner Junge mit einer Angel, von der ein toter, wenn auch ohne Zweifel frisch gefangener Fisch baumelt. Bei jedem Ruck, den das Gef&#228;hrt macht, und die Fahrt besteht aus nichts anderem, ber&#252;hrt der Fisch, feucht, doch nicht k&#252;hl, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Eine ausgewachsene Sau liegt schnaufend im Mittelgang des Busses. Auf der anderen Seite, im Durchgang, steht ein kleiner Junge mit einer Angel, von der ein toter, wenn auch ohne Zweifel frisch gefangener Fisch baumelt. Bei jedem Ruck, den das Gef&#228;hrt macht, und die Fahrt besteht aus nichts anderem, ber&#252;hrt der Fisch, feucht, doch nicht k&#252;hl, meinen Arm und manchmal auch meine abgewandte Wange. E. hat einen Sitzplatz am hinteren Ende gefunden […]. Auf einem ihrer F&#252;&#223;e sitzt ein kleiner alter Mann, offensichtlich sehr angeheitert. Er hat neben sich auf dem Boden einen Steinkrug stehen, den er von Zeit zu Zeit an die Lippen setzt, eine Operation, die das ganze Fahrzeug mit starken Alkoholschwaden &#252;berflutet. Manchmal knallt er den Krug wieder auf den Boden, manchmal aber auch auf E.s freien Fu&#223;. Sie st&#246;hnt und verrenkt sich, hat aber nicht gen&#252;gend Platz, sich ihm zu entwinden. Der alte Mann wirkt freundlich.</p></blockquote>
<p>Sybille Bedford, Zu Besuch bei Don Otavio, S. 125/126</p>
<p>Ich liebe Sybille Bedford, sie schreibt hinrei&#223;end. Dieses Buch ist ihr erstes, ein Bericht &#252;ber eine Mexiko-Reise Ende der 1940er Jahre, den sie selbst einmal als Roman bezeichnet hat – also wie bei Sedaris, die H&#228;lfte erfunden. Auch sie versteht es, winzige Alltagsmomente in erlesenster Diktion mit einer Distanziertheit zu schildern, die ganz Mexiko und alle seine Bewohner absurd erscheinen l&#228;sst. Dabei wahrt sie allen geb&#252;hrenden Respekt: Sie macht sich kein bisschen lustig, und selbst wer sich &#252;berhaupt nicht f&#252;r Mexiko interessiert, wei&#223; hinterher eine Menge mehr &#252;ber das Land.
</p>
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