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	<title>Wiesenraute.</title>
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	<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 20:49:25 +0000</pubDate>
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		<title>Im Kino</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 20:49:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Das Kino ist eine Institution in der Stadt. Es ist gro&#223;, alt und fast immer leer. Es rentiert sich nicht. Besitzerin und Betreiberin ist eine alte Dame, die dem sp&#228;rlichen Publikum die Filme zeigt, die sie selbst gut findet. Am Massengeschmack orientiert sie sich nicht. Ums Geld geht es ihr auch nicht.
Immerhin nimmt sie an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Kino ist eine Institution in der Stadt. Es ist gro&#223;, alt und fast immer leer. Es rentiert sich nicht. Besitzerin und Betreiberin ist eine alte Dame, die dem sp&#228;rlichen Publikum die Filme zeigt, die sie selbst gut findet. Am Massengeschmack orientiert sie sich nicht. Ums Geld geht es ihr auch nicht.<br />
Immerhin nimmt sie an den Schulkinowochen teil – vielleicht, um einmal im Jahr das Gef&#252;hl eines vollen Saales zu genie&#223;en. Wir sind mit drei Klassen angereist. Die Kinder nehmen Platz, die Lehrer bezahlen. Auf die Frage des Kollegen, ob er mit Karte bezahlen k&#246;nne, muss die alte Dame gar nicht antworten, sie guckt einfach nur.<br />
Drei Klassen, drei H&#228;ufchen Geld. Die alte Dame z&#228;hlt. Das dauert eine Weile. Sie verz&#228;hlt sich. Sie z&#228;hlt noch einmal und macht sich Bleistiftnotizen auf einem karierten Block. Sie vergleicht die Summen mit den Betr&#228;gen, die sie sich vorher notiert hat. Auf dem einen Haufen fehlt etwas, auf dem anderen ist zu viel.<br />
Wir stehen um sie herum und sehen ihr beim Z&#228;hlen zu. Die Sch&#252;ler im Saal werden unruhig. Wir wissen genau, dass die Gesamtsumme stimmt. Dass auf dem einen H&#228;ufchen exakt der Betrag fehlt, der auf dem anderen zu viel ist, sagen wir ihr mehrmals, aber es n&#252;tzt nichts. Erst als die Kollegin ihr das gesamte Geld noch einmal vorz&#228;hlt, ist sie zufrieden. Es m&#252;sse ja alles seine Ordnung haben, sagt sie, und das stimmt nat&#252;rlich.<br />
Im Kino ist es eiskalt, aber der Film ist gut. Als wir uns von der alten Dame verabschieden, merkt sie an, dass ja leider niemand den Film bis zu Ende gesehen habe. Auf den Einwand des Kollegen, der Film sei doch vorbei gewesen, antwortet sie nicht, sie guckt nur. Sie m&#246;chte Abspannsitzenbleiber im Publikum.<br />
Die Kinder sagen am n&#228;chsten Tag, sie h&#228;tten den Film lieber in einem Kino gesehen, in dem die Sitze nach hinten ansteigen. Und Popkorn h&#228;tten sie auch gern gekauft.<br />
Solchen Ansinnen begegnet die Dame mit Verachtung, auch wenn sie das so nicht sagen w&#252;rde.
</p>
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		<title>Wie originell</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Feb 2010 18:06:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Im Magazin der SZ war letzten Freitag dieser Text zu lesen. Er handelt von Originalit&#228;t und Nachahmertum, der erste Satz lautet: „Menschen, die sich von einem Zug &#252;berfahren lassen, tun dies meistens an einem Montag oder Dienstag.“
Mal abgesehen davon, dass der Artikel indirekt das Recht auf Freitod in Frage stellt, wogegen mir schon einige Argumente [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Magazin der SZ war letzten Freitag <a href="http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/32718/der-enke-effekt" target="_blank">dieser</a> Text zu lesen. Er handelt von Originalit&#228;t und Nachahmertum, der erste Satz lautet: „Menschen, die sich von einem Zug &#252;berfahren lassen, tun dies meistens an einem Montag oder Dienstag.“<br />
Mal abgesehen davon, dass der Artikel indirekt das Recht auf Freitod in Frage stellt, wogegen mir schon einige Argumente einfallen w&#252;rden, dachte ich beim Lesen spontan an dreierlei:<br />
#1 Auf einem Berliner U-Bahnhof, vielleicht Mehringdamm oder M&#246;ckernbr&#252;cke, sah ich einmal jemanden, der den Eindruck machte, er w&#252;rde sich vor den n&#228;chsten einfahrenden Zug werfen. Er stand sehr dicht an den Gleisen, hatte den Kopf gesenkt, sah zu Boden und schien komplett mit der Welt abgeschlossen zu haben. Ich war zehn Meter entfernt und geriet langsam in Panik: Soll ich ihn ansprechen? Nach der Uhrzeit fragen? Soll ich mich ihm unauff&#228;llig n&#228;hern und ihn im entscheidenden Moment zur&#252;ckrei&#223;en? Ich stand da wie gel&#228;hmt, tat gar nichts und schloss die Augen, als der Zug einfuhr. Gl&#252;cklicherweise passierte nichts, aber ich glaube bis heute nicht, dass ich mir das eingebildet habe.<br />
#2 Ein einziges Mal habe ich am Berliner <a href="http://www.fotomarathon.de/index.php?article_id=1&#038;clang=0" target="_blank">Fotomarathon</a> teilgenommen – ein Rahmenthema, 12 Stunden Zeit, 24 Bilder zu bestimmten Unterthemen. Das war vor neun Jahren, das Rahmenthema war <em>Hier bin ich Mensch</em>. Es war hei&#223; an dem Tag, die Mittagspause verbrachte ich am Landwehrkanal, ich zog die Sandalen aus und dann wieder an, und Thema Nummer zw&#246;lf war <em>Fehler machen</em>, und also fotografierte ich meine F&#252;&#223;e, rechte Sandale am linken Fu&#223;, linke Sandale am rechten Fu&#223;. Ich fand das eigentlich ganz lustig und originell, bis sich bei der Siegerehrung herausstellte, dass au&#223;er mir noch dreiundzwanzig andere Leute dieselbe Idee hatten.<br />
#3 Eine Mitsch&#252;lerin von mir hat sich im Sommer nach dem Abitur umgebracht. Mittlerweile bin ich doppelt so lange am Leben wie sie.
</p>
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		<title>Es pfoff im Flur</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 13:41:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[In diesem Haus spukt es neuerdings. Seit gestern ist hier ein merkw&#252;rdiger wiederkehrender Pfeifton zu h&#246;ren, der so &#228;hnlich klingt wie ein Vogelpiepen oder wie die erste halbe Sekunde eines pfeifenden Wasserkessels.
Es trat zum ersten Mal gestern Nachmittag auf, als die Nachbarin und ich dr&#252;ben in ihrer Wohnung sa&#223;en, Tee tranken und die Ereignisse des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In diesem Haus spukt es neuerdings. Seit gestern ist hier ein merkw&#252;rdiger wiederkehrender Pfeifton zu h&#246;ren, der so &#228;hnlich klingt wie ein Vogelpiepen oder wie die erste halbe Sekunde eines pfeifenden Wasserkessels.<br />
Es trat zum ersten Mal gestern Nachmittag auf, als die Nachbarin und ich dr&#252;ben in ihrer Wohnung sa&#223;en, Tee tranken und die Ereignisse des Tages besprachen. Kurze hohe T&#246;ne im Abstand von ungef&#228;hr einer Minute. Zuerst dachten wir, die neuen Nachbarn von unten h&#228;tten sich einen Vogel angeschafft, aber so regelm&#228;&#223;ig pfeift kein Tier.<br />
Heute berichtete die Nachbarin, das Gepfeife habe sie um ihren wertvollen Morgenschlaf gebracht und entwickelte eine Theorie von einem pfeifenden Marder auf dem Dachboden. Sie hatte auch eine passende Geschichte parat, die sich angeblich in ihrem Elternhaus zugetragen hatte, von einem Marder, den eine Falle nicht get&#246;tet, sondern nur verletzt habe, so dass er tagelang schreiend wie ein kleines Kind auf dem Dachboden herumgegeistert sei, woraufhin ein J&#228;ger habe kommen und das waidwunde Tier mit einem Gewehr erlegen m&#252;ssen, und die Kugel habe dann gut sichtbar im elterlichen Schlafzimmer in der Decke gesteckt. Wom&#246;glich hat sie sich diese Geschichte eigens ausgedacht, aber ich stieg trotzdem hinauf auf den Boden.<br />
Nat&#252;rlich war dort nichts zu sehen. Daf&#252;r aber zu h&#246;ren – das Pfeifen klang von oben als k&#228;me es von unten, n&#228;mlich aus der Wohnung der Nachbarin. Eine Viertelstunde lang standen wir lauschend in ihrem Flur und hatten dann die K&#252;che als den Raum ausgemacht, in dem die Pfiffe am lautesten waren. Meine vorsichtige Frage, ob es sich nicht vielleicht um M&#228;use handeln k&#246;nne, verwarf die Nachbarin mit einer &#252;berzeugenden M&#228;usestimmenimitation, die in der Tat ganz anders klang als das seltsame Pfeifen. Wir &#246;ffneten s&#228;mtliche Schr&#228;nke, in der bangen Erwartung, den pfeifenden Hausgast mit gespitzten Lippen zwischen Tellern und Tassen sitzen und gewissenhaft seiner selbstgew&#228;hlten Besch&#228;ftigung nachgehen zu sehen.<br />
Doch da war nichts. Wir gingen dann arbeiten, mit der leisen Hoffnung, die Pfiffe m&#246;chten bei unserer R&#252;ckkehr verstummt sein. Das war nicht der Fall. Nicht ohne einander zu versichern, dass wir noch alle Sinne beieinander haben und die T&#246;ne tats&#228;chlich h&#246;rbar und vorhanden sind, beschlossen wir, dem Ph&#228;nomen vorerst nicht weiter auf den Grund zu gehen. Die Nachbarin wird wahrscheinlich demn&#228;chst wahnsinnig werden oder ausziehen. Aber auch hier an meinem Schreibtisch kann man das Pfeifen sehr gut h&#246;ren.<br />
Da! Da war es wieder…</p>
<p><small>(Aus der Serie <em>Geschichten nach <a href="http://twitter.com/marthadear/status/5793668390" target="_blank">Tweets</em></a>.)</small>
</p>
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		<title>Toll</title>
		<link>http://wiesenraute.de/2010/02/16/toll/</link>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 12:03:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[
Ich kann den Schnee nicht mehr sehen.
Feinde f&#252;rs Leben macht man sich dieser Tage, wenn man auf den Sto&#223;seufzer „Ich kann den Schnee nicht mehr sehen“ voller &#220;berzeugung antwortet: „Ich finds toll.“ Ich finds aber wirklich toll – die Helligkeit, die ged&#228;mpften Ger&#228;usche, wie der Schnee glitzert, wenn die Sonne darauf scheint. Ich bin allerdings [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/02/schneebaum.JPG" align="texttop" width="430" height="272" hspace="10" vspace="10" border="1" /><br />
<small>Ich kann den Schnee nicht mehr sehen.</small></p>
<p>Feinde f&#252;rs Leben macht man sich dieser Tage, wenn man auf den Sto&#223;seufzer „Ich kann den Schnee nicht mehr sehen“ voller &#220;berzeugung antwortet: „Ich finds toll.“ Ich finds aber wirklich toll – die Helligkeit, die ged&#228;mpften Ger&#228;usche, wie der Schnee glitzert, wenn die Sonne darauf scheint. Ich bin allerdings auch um den Winter 1978/79 betrogen worden, denn damals hatte ich eine schwere Nebenh&#246;hlenentz&#252;ndung, lag zwei Wochen im Bett und durfte danach lange nicht drau&#223;en spielen. Also: Toll.</p>
<p><img src="/wp-content/uploads/2010/02/schnee.JPG" align="texttop" width="430" height="272" hspace="10" vspace="10" border="1" /><br />
<small>Ich finds toll.</small>
</p>
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		<title>Die M&#252;hen der Ebene (5. Februar)</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Feb 2010 20:10:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Im &#246;rtlichen Schwimmbad bin ich noch nie gewesen. Es sieht klein aus von au&#223;en, das zugeh&#246;rige Freibad hat vor anderthalb Jahren dicht gemacht, und es ist beliebt bei Sch&#252;lern – was sollen die auch sonst machen in diesem Kaff beschaulichen Heideort. Zwei von ihnen treffe ich bereits auf dem Weg dorthin, sie haben mich aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im &#246;rtlichen Schwimmbad bin ich noch nie gewesen. Es sieht klein aus von au&#223;en, das zugeh&#246;rige Freibad hat vor anderthalb Jahren dicht gemacht, und es ist beliebt bei Sch&#252;lern – was sollen die auch sonst machen in diesem <strike>Kaff</strike> beschaulichen Heideort. Zwei von ihnen treffe ich bereits auf dem Weg dorthin, sie haben mich aber schon mal vom Zehnmeterbrett springen sehen, deshalb habe ich bei denen nichts zu verlieren.<br />
Ich bin zu sp&#228;t, die anderen warten schon. Man dr&#252;ckt mir eine Eintrittskarte in die Hand, schnell umziehen, duschen, am Beckenrand versammeln. Blo&#223; nicht ins Wasser, bevor man dazu aufgefordert wird – nicht vergessen, wir sind Sch&#252;ler. Einschwimmen, dann erste Anweisungen vom Beckenrand: Jeweils in der Mitte der Bahn macht ihr eine Rolle vorw&#228;rts. Gleichm&#228;&#223;ig ausatmen dabei, sonst kriegt ihr Wasser in die Nase. Nat&#252;rlich kriegen wir alle Wasser in die Nase. Auch in die Ohren, weshalb wir die n&#228;chsten Direktiven nur halb verstehen: Tauchen, vom Beckenrand absto&#223;en, halbe Rolle… Wir machen das alles sehr beflissen, mit mehr oder weniger Erfolg.<br />
In meiner eigenen Schulzeit bestand Sportunterricht aus m&#252;ndlichen Befehlen und Pfiffen aus Trillerpfeifen. Heutzutage bekommen die Sch&#252;ler Arbeitsbl&#228;tter mit Abbildungen von komplizierten Bewegungsabl&#228;ufen und mit Arbeitsauftr&#228;gen, im Schwimmunterricht sind die sogar laminiert, wegen dem Wasser. Wir bestaunen die Laminate, versuchen das alles zu verstehen, diskutieren ein bisschen, sagen der &#220;bungsleiterin, was sie vielleicht anders formulieren sollte, probieren noch einmal aus, kriegen mehr Wasser in die Nase. Und in die Ohren. Die beiden Sch&#252;lerinnen, die ich auf dem Weg ins Schwimmbad getroffen habe, schauen interessiert her&#252;ber, weitere Sch&#252;ler haben sich angefunden.<br />
Am Ende ist einer der Kolleginnen schlecht, sie hat im Wasser zu oft die Orientierung verloren. Alle bekommen Pralinen als Dank. Und wir hoffen nat&#252;rlich, dass die Pr&#252;fung gelingt. Nein: Wir wissen das.
</p>
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		<title>Die M&#252;hen der Ebene (3. Februar)</title>
		<link>http://wiesenraute.de/2010/02/03/die-muehen-der-ebene-3-februar/</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Feb 2010 18:35:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Gestern um viertel nach f&#252;nf hatte ich bereits vier Mal Schnee geschaufelt und mir schon so etwas gedacht, da gab die Verkehrsmanagementzentrale die Schulausfall-Meldung f&#252;r heute heraus. Das war ziemlich fr&#252;h, aber der &#246;ffentliche Nahverkehr in der Region war schon vormittags zum Erliegen gekommen, und heute w&#228;ren die Schulbusse entweder gar nicht oder unberechen-
bar unregelm&#228;&#223;ig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern um viertel nach f&#252;nf hatte ich bereits vier Mal Schnee geschaufelt und mir schon so etwas gedacht, da gab die Verkehrsmanagementzentrale die Schulausfall-Meldung f&#252;r heute heraus. Das war ziemlich fr&#252;h, aber der &#246;ffentliche Nahverkehr in der Region war schon vormittags zum Erliegen gekommen, und heute w&#228;ren die Schulbusse entweder gar nicht oder unberechen-<br />
bar unregelm&#228;&#223;ig gefahren. Nach einigen Telefonkonferenzen war klar, dass das Kollegium sich selbstverst&#228;ndlich zum Dienst ein-<br />
zufinden habe, auch wenn kein einziger Sch&#252;ler zu betreuen sein w&#252;rde.<img src="/wp-content/uploads/2010/02/schneeberge.JPG" align="middle" width="300" height="214" hspace="10" vspace="10" border="1" /><br />
Ich gehe schon allein deshalb hin, um die Schneeberge auf dem Schulhof zu fotografieren. Die Atmosph&#228;re im Geb&#228;ude ist friedlich und unheimlich zugleich. Pausen-<br />
halle und Mensa liegen da wie ausgestorben, die Sonne spielt Schattenspiele auf den leeren G&#228;ngen. Diese Stille und ein ganz normaler Werktag – das passt nicht recht zusammen. <img src="/wp-content/uploads/2010/02/sonnengang.JPG" align="middle" width="300" height="214" hspace="10" vspace="10" border="1" /> Ein einziger Sch&#252;ler wird in der Schule gesichtet, er h&#246;rt sich verlegen den Spott der anwesenden Kollegen an und geht dann stracks wieder nach Hause. Der Hausmeister st&#246;hnt &#252;ber die Schneemassen, die er in den letzten zwei Tagen mit seinem Baggerchen bewegen musste. Aus einigen Fenstern im Tiefparterre kann man kaum noch etwas sehen – da ist aber auch blo&#223; die selten benutzte K&#252;che drin. <img src="/wp-content/uploads/2010/02/schneefenster.JPG" align="middle" width="300" height="214" hspace="10" vspace="10" border="1" /> Ich trage ein paar Kisten aus dem alten ins neue Lehrerzimmer, besichtige einige neue B&#252;ros, lerne, wie man die T&#252;r namens <em>Eingang B</em> aufkriegt (erst das Kn&#246;pfchen dr&#252;cken, dann schlie&#223;en) und stelle fest, dass ich, obwohl nicht gerade klein, mein neues Postfach nur auf Zehenspitzen erreichen kann. Nach anderthalb Stunden frage ich h&#246;flich, ob ich noch gebraucht werde und gehe wieder nach Hause. Da ist es gerade elf – normalerweise h&#228;tte ich bis vier Unterricht gehabt.<br />
Wom&#246;glich h&#228;tte ich mich am Nachmittag gelangweilt, aber ich habe gerade zwei tolle neue B&#252;cher, <a href="http://xrays.antville.org/stories/1968555/" target="_blank">dies</a> und <a href="http://www.herzdamengeschichten.de/2010/01/09/neu-auf-dem-nachttisch-97/" target="_blank">dies</a>.
</p>
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		<title>Die H&#252;bschigkeit der Schauspieler (3)</title>
		<link>http://wiesenraute.de/2010/01/31/die-huebschigkeit-der-schauspieler-3/</link>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 12:34:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Wer fr&#252;her stirbt ist l&#228;nger tot (2006) mit Markus Krojer, Fritz Karl, Jule Ronstedt, J&#252;rgen Tonkel.
Das letzte Treffen war im April letzten Jahres gewesen, danach war offensichtlich kein Termin mehr zu finden, an dem niemand nicht konnte.
Diesmal ist eine Reihe von G&#228;sten anwesend, das Riesensofa ist geradezu &#252;berf&#252;llt, zwei m&#252;ssen auf dem Boden sitzen. Unter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Wer fr&#252;her stirbt ist l&#228;nger tot</strong></em> (2006) mit Markus Krojer, Fritz Karl, Jule Ronstedt, J&#252;rgen Tonkel.</p>
<p>Das letzte Treffen war im April letzten Jahres gewesen, danach war offensichtlich kein Termin mehr zu finden, an dem niemand nicht konnte.<br />
Diesmal ist eine Reihe von G&#228;sten anwesend, das Riesensofa ist geradezu &#252;berf&#252;llt, zwei m&#252;ssen auf dem Boden sitzen. Unter den G&#228;sten ist auch jemand, die l&#228;nger nicht zu Besuch war, weshalb das Gespr&#228;ch sich um alles M&#246;gliche dreht, aber nur selten um den Film. Au&#223;erdem gibt es <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zombie_(Cocktail)" target="_blank"><em>Zombies</em></a>, die uns schleichend bet&#228;uben, trotz Resteessens vorher. Immerhin bekommen wir mit, dass der H&#252;bschigkeitsfaktor der Schauspieler ziemlich hoch ist.<br />
„Nie nicht sterben“ will der Elfj&#228;hrige, denn wer fr&#252;her stirbt, muss l&#228;nger im Fegefeuer braten. Wir k&#246;nnen uns nicht recht einigen, ob die Hauptfigur dumm oder nur naiv ist. Die vielen anwesenden Norddeutschen haben Schwierigkeiten mit dem Bairischen, einer behauptet gar, da sei ja Schwyzerd&#252;tsch leichter zu verstehen. Ob die Beerdigungsmusik echte bayerische Volksmusik sei, will jemand wissen, das kann aber niemand beantworten.<br />
Ausgehend von dieser Frage kommen wir auf den Begriff Inzidenzmusik, den die anwesenden Fachleute nat&#252;rlich hervorragend erkl&#228;ren k&#246;nnen. [&#220;brigens liebe ich ja Meta-Witze &#252;ber Hintergrundmusik in Filmen: „Could someone please turn down that shrill music? I&#8217;m trying to commit mass murder here!“ Vgl. <a href="http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/SorryILeftTheBGMOn" target="_blank">TV Tropes</a> (examples, film).]<br />
Wer wie ich glaubt, der Hauptdarsteller habe den ganzen Film hindurch dasselbe T-Shirt an, kann im Internetz nachlesen, dass es am Anfang hellblau ist und mit jeder weiteren S&#252;nde dunkler wird. Der Physiker legt au&#223;erdem Wert auf die Feststellung, dass ein toter Hase nicht explodiert, wenn man versucht, ihn mit einem Stromschlag wiederzubeleben.<br />
Ein sehr sch&#246;ner Dialog ist dieser hier: „Dadn Sie eventuell mit mir v&#246;geln?“ – „Was?“ – „Also ned oda?“
</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Die M&#252;hen der Ebene (29. Januar)</title>
		<link>http://wiesenraute.de/2010/01/29/die-muehen-der-ebene-29-januar/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Jan 2010 17:16:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Heute sind wir umgezogen. Von einem viel zu kleinen Lehrerzimmer, vollgem&#252;llt und mit originaler 70er-Jahre-M&#246;blierung ausgestattet, in einen gro&#223;en, hellen, sauberen Raum. Statt langer Tischreihen gibt es dort Gruppentische mit jeweils acht Pl&#228;tzen. Insgesamt sind genug Pl&#228;tze da, das war im alten Lehrerzimmer anders. Eine Typisierung des Umzugsverhaltens im Kollegium ergibt dieses Bild:
 Kollegen, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute sind wir umgezogen. Von einem viel zu kleinen Lehrerzimmer, vollgem&#252;llt und mit originaler 70er-Jahre-M&#246;blierung ausgestattet, in einen gro&#223;en, hellen, sauberen Raum. Statt langer Tischreihen gibt es dort Gruppentische mit jeweils acht Pl&#228;tzen. Insgesamt sind genug Pl&#228;tze da, das war im alten Lehrerzimmer anders. Eine Typisierung des Umzugsverhaltens im Kollegium ergibt dieses Bild:</p>
<li> Kollegen, die schon im Vorfeld Tischgemeinschaften festlegen und bei Betreten des neuen Raumes Reservierungszettel auf den bevorzugten Tischen verteilen.</li>
<li>Kollegen, die dieses Vorgehen boykottieren und sich auf einen der reservierten Pl&#228;tze setzen.</li>
<li>Kollegen, die die Heizung im R&#252;cken und gleichzeitig einen Blick nach drau&#223;en fordern – ein Ding der Unm&#246;glichkeit.</li>
<li>Kollegen, die den ganzen Vormittag lang schlechte Laune haben, weil eine ganz und gar tischfremde Person ihren Platz widerrechtlich besetzt h&#228;lt und mit dem Vorwurf <em>Du sitzt auf meinem Platz!</em> nicht zu vertreiben ist.</li>
<li>Kollegen aus der Schulleitung, die sich &#252;ber sch&#252;lerhaftes Benehmen mokieren, die aber im Besitz eines riesigen eigenen B&#252;ros sind, in dem sie ganz allein arbeiten d&#252;rfen.</li>
<li>Kollegen, die eigentlich unterrichtsfrei gehabt h&#228;tten, aber trotzdem anreisen, um sich einen Platz zu sichern.</li>
<li>Kollegen, die kopflos in der Schule herumlaufen und jeden nach ihren verschwundenen Kartons fragen. Niemand hat die gesehen, geschweige denn geklaut.</li>
<li>Kollegen, die sich nicht in der Lage sehen, in der dritten Stunde die Zeugnisse zu verteilen, weil sie ja dazu ihren Platz verlassen m&#252;ssten.</li>
<li>Kollegen, die ganz allein an einem der Achtertische sitzen, w&#228;hrend an den anderen Tischen gestritten und gefeilscht wird.</li>
<li>Kollegen, denen das alles egal ist.</li>
<p>Und schlie&#223;lich gab es noch den einsamen Kollegen, der sich auf seinen angestammten Platz im alten Lehrerzimmer setzte und dort den ganzen Vormittag lang traurig sitzen blieb.
</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die M&#252;hen der Ebene (28. Januar)</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 18:44:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Deutsch Klasse 5, Grammatik. Was ein Subjekt ist und wie man es erkennt, haben sie selbst herausgefunden, um das zu &#252;ben, bekommen sie ein Arbeitsblatt, auf dem die Subjekte nicht am Satzanfang stehen, sondern mittendrin, und also schwerer zu erkennen sind. Da stehen S&#228;tze wie Zwei Pedale haben Fahrr&#228;der, Eine Panne hat die Rei&#223;zwecke ausgel&#246;st [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Deutsch Klasse 5, Grammatik. Was ein Subjekt ist und wie man es erkennt, haben sie selbst herausgefunden, um das zu &#252;ben, bekommen sie ein Arbeitsblatt, auf dem die Subjekte nicht am Satzanfang stehen, sondern mittendrin, und also schwerer zu erkennen sind. Da stehen S&#228;tze wie <em>Zwei Pedale haben Fahrr&#228;der</em>, <em>Eine Panne hat die Rei&#223;zwecke ausgel&#246;st</em> oder <em>Zwei Fahrraddiebe beobachteten Sch&#252;ler bei ihrem Diebstahl</em>. Nach einer Weile kapieren sie, dass sie nicht nur mechanisch <em>wer oder was?</em> fragen k&#246;nnen, sondern auch auf die inhaltliche Logik achten m&#252;ssen.<br />
Als alles verglichen und begr&#252;ndet ist, wollen sie wissen, ob ich mir diese S&#228;tze selber ausgedacht habe. Ich verneine wahrheitsgem&#228;&#223; und frage, warum sie das glauben. Na ja, die S&#228;tze seien so… komisch.<br />
Sp&#228;ter sprechen wir &#252;ber unseren Beitrag zum Schuljahrbuch, in dem sich jede Klasse auf einer Seite vorstellt. Unter dem offensichtlich tiefen Eindruck einer k&#252;rzlich gelesenen Geschichte &#252;ber ein verheerendes Gemetzel, das ein Fuchs auf einem H&#252;hnerhof anrichtet, macht jemand den Vorschlag, die Klasse als H&#252;hner darzustellen und mich als Fuchs.<br />
Nachmittags folgt die Verabschiedung zweier Kollegen in den Ruhestand. W&#228;hrend geredet wird (von sechs Reden sind zwei gut, eine noch dazu lustig), tragen die K&#246;chinnen die erlesensten Speisen in den Raum. Aber es muss geredet werden. Einer der Pension&#228;re, er sieht den ganzen Tag &#252;ber schon geradezu gl&#252;ckstrahlend aus, er&#246;ffnet schlie&#223;lich das Buffet mit den Worten: „Genug geredet. Wir wollen essen.“ (Und das meint er nicht im Sinne von: Wir wollen jetzt die H&#228;nde falten und dem Herrn danken, sondern eher so: Es ist drei Uhr, und wir hatten alle kein Mittagessen.) Der andere Ruhest&#228;ndler hatte zuvor diesen Satz ge&#228;u&#223;ert: Hoffentlich dauert das nicht so lange, ich muss noch einkaufen.
</p>
]]></content:encoded>
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		<title>S&#228;chsisch: Drei minus</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Jan 2010 12:34:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Beim Zeugnisschreiben fallen mir zwei Geschichten wieder ein, die der Berliner Kollege U. vor Jahren mal erz&#228;hlt hat. Er benutzte sie als Belege f&#252;r seinen grunds&#228;tzlichen Eindruck, dass Sch&#252;ler gerne einfach hinnehmen, was man ihnen vorsetzt, ohne selbst ein bisschen mitzudenken.
U. pflegte den Brauch, bei der Zeugnisausgabe – nicht bei den Kurzen, sondern in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beim Zeugnisschreiben fallen mir zwei Geschichten wieder ein, die der Berliner Kollege U. vor Jahren mal erz&#228;hlt hat. Er benutzte sie als Belege f&#252;r seinen grunds&#228;tzlichen Eindruck, dass Sch&#252;ler gerne einfach hinnehmen, was man ihnen vorsetzt, ohne selbst ein bisschen mitzudenken.<br />
U. pflegte den Brauch, bei der Zeugnisausgabe – nicht bei den Kurzen, sondern in der Oberstufe – ein Unsinns-Zeugnis zu verteilen an einen Sch&#252;ler, von dem er annahm, dass er nicht beleidigt sein oder einen gro&#223;en Schreck bekommen w&#252;rde. Das Zeugnis sah auf den ersten Blick ganz normal und seri&#246;s aus, nur enthielt es ein Fach, das es gar nicht gab, zum Beispiel S&#228;chsisch. In den meisten F&#228;llen, erz&#228;hlte U., war es mitnichten so, dass der betreffende Sch&#252;ler sich eins grinste und die Herausgabe des echten Zeugnisses verlangte. Sondern er meldete sich und sagte voller Emp&#246;rung: „Hier ist ein Fehler in meinem Zeugnis! Ich habe doch den S&#228;chsisch-Kurs gar nicht belegt!“<br />
Mit einer achten Klasse machte U. einmal einen Fahrradausflug in Berlin – vom Wedding an den Wannsee oder so. Unterwegs verfuhren sie sich. U. bedeutete der Klasse zu warten, er werde mal jemanden nach dem Weg fragen. Als er zur&#252;ckkam, sagte er aus Quatsch: „Ach du meine G&#252;te, wir sind an der polnischen Grenze. Habt ihr alle eure P&#228;sse mit?“ Woraufhin ein wilder Protest losbrach: „Sie haben uns &#252;berhaupt nicht gesagt, dass wir unsere P&#228;sse mitbringen sollen! Wir wussten das gar nicht! Mann ey, Schei&#223;e.“<br />
Tja, so sind sie wohl.
</p>
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		<title>Doppelter Boden</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Jan 2010 17:25:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Es gibt ein Interview mit Ian McEwan &#252;ber seinen Roman Atonement (2001), in dem er erz&#228;hlt, wie er L.P. Hartleys gro&#223;artigen Pubert&#228;tsroman The Go-Between (1953) gelesen hat, dem sein eigenes Buch in einigen Punkten verpflichtet ist – als Sch&#252;ler in der Bibliothek seines Internats n&#228;mlich. The Go-Between spielt um 1900, und es werden darin ab [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt ein Interview mit Ian McEwan &#252;ber seinen Roman <em>Atonement</em> (2001), in dem er erz&#228;hlt, wie er L.P. Hartleys gro&#223;artigen Pubert&#228;tsroman <em>The Go-Between</em> (1953) gelesen hat, dem sein eigenes Buch in einigen Punkten verpflichtet ist – als Sch&#252;ler in der Bibliothek seines Internats n&#228;mlich. <em>The Go-Between</em> spielt um 1900, und es werden darin ab und zu Karikaturen aus der Zeitschrift <em>Punch</em> aus dieser Zeit beschrieben. Die Internatsbibliothek besa&#223; diese Jahrg&#228;nge, und Ian McEwan erz&#228;hlt, wie faszinierend er es fand, die Lekt&#252;re zu unterbrechen, um sich die Zeitschrift anzusehen, die sich gerade im selben Augenblick eine Figur in einem Roman auch ansah – Doppelung der Wirklichkeiten, realer Intertext als Teil der Fiktion.<br />
Daran musste ich denken, als ich k&#252;rzlich einen Roman las, in dem jemand von einem Lied berichtet – es wird sehr ausf&#252;hrlich erkl&#228;rt, worum es darin geht, die S&#228;ngerin wird beschrieben, der Refrain wird zitiert und mit alledem wird nat&#252;rlich auch die Figur charakterisiert und ein Kommentar zum Geschehen abgegeben und so weiter. Das Video zu diesem Lied kann man sich im Internet ansehen, und als ich das tat, konnte ich denselben Realit&#228;ts-Thrill sp&#252;ren, den Ian McEwan beschrieb. Allerdings war ich auch ein bisschen entt&#228;uscht, denn ich mochte das Lied nicht besonders, und das warf einen Schatten auf die Figur.<br />
Ein Roman, der das Spiel mit dem Intertext auf die Spitze treibt, ist <em>Offene Blende</em> von Antje Rávic Strubel (2001) – insgesamt ein etwas &#252;berambitionierter Erstling, aber in dem Punkt genial. Es kommt eine Figur vor, die „die Thomas“ hei&#223;t, eine Schauspielerin:</p>
<blockquote><p>Die Thomas hatte ein Gesicht, in dem sie nur ein bi&#223;chen die Lippen heben oder die Brauen verschieben mu&#223;te, und es zeigte die komplette Ausstattung von Erotik bis Distanz, von anschmiegsamer Katzenfrau zur geheimnisvollen Androgynen, von der ersten Nacht bis zur allerletzten, in der sich das Gesicht nur noch schwer aus der M&#252;digkeit sch&#228;lt.</p></blockquote>
<p>Ungef&#228;hr in der Mitte des Buchs verl&#228;sst „die Thomas“ zusammen mit einer Regisseurin und einer Filmcrew New York, um in &#196;gypten einen Film zu drehen. Auch Henry, ein Freund der Protagonistin, reist mit – er ist Statist und schreibt Briefe &#252;ber die Dreharbeiten nach New York. Am Ende sitzt die Hauptfigur im Kino und sieht eben jenen Film:</p>
<blockquote><p>Sie wei&#223; nicht, in welchem Film sie sitzt, bis sie auf einmal Henrys Gesicht auf der Leinwand entdeckt. Eine kurze Sequenz nur, Kamera close-up auf seinem schwitzenden Gesicht, er hat einen Schlauch in der Nase und liegt auf wei&#223;en Krankenlaken. Das Bett r&#252;ttelt, ein Lastkraftwagen, ein Krankentransport mit Schwestern vom Roten Kreuz. […] Schnitt.<br />
Die Kamera schwenkt &#252;ber eine Stra&#223;e, dann sieht man einen verfallenen Landsitz. Eine Frau, die Spiegelscherben auf Schn&#252;re h&#228;ngt, um ihr Gesicht zu sehen.</p></blockquote>
<p>Es ist ganz klar, welcher Film gemeint ist – nur dass er nicht von einer Regisseurin gedreht wurde, und dass die Krankentransport-Szene, so genau man auch hinschaut, <em>so</em> nicht darin vorkommt. Ich glaube, das ist Absicht: &#196;tsch, sagt die Autorin, du denkst, du erkennst etwas wieder, aber das kannst du gar nicht, weil du das, was ich da beschreibe, noch nie gesehen hast. Eine fiktive Fiktion innerhalb der Fiktion, dreifach gebrochene Realit&#228;t, ganz und gar nicht verl&#228;sslich.<br />
Ebenso wenig wie die Wirklichkeit selbst.
</p>
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		<title>Erstarrung</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Jan 2010 19:20:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[






















Ich such&#8217; im Schnee vergebens
Nach ihrer Tritte Spur,
Wo sie an meinem Arme
Durchstrich die gr&#252;ne Flur.
Ich will den Boden k&#252;ssen,
Durchdringen Eis und Schnee
Mit meinen hei&#223;en Tr&#228;nen,
Bis ich die Erde seh&#8217;.
Wo find&#8217; ich eine Bl&#252;te,
Wo find&#8217; ich gr&#252;nes Gras?
Die Blumen sind erstorben,
Der Rasen sieht so bla&#223;.
Soll denn kein Angedenken
Ich nehmen mit von hier?
Wenn meine Schmerzen schweigen,
Wer sagt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/01/winter.JPG" align="texttop" width="430" height="322" hspace="10" vspace="10" border="1" /><br />
<br />
<small></p>
<p></small><br />
<br />
<small></p>
<p></small><br />
<br />
<small></p>
<p></small><br />
<br />
<small></p>
<p></small><br />
<br />
<small></p>
<p></small><br />
<br />
<small></p>
<p></small><br />
<br />
<small></p>
<p></small><br />
</p>
<blockquote><p>Ich such&#8217; im Schnee vergebens<br />
Nach ihrer Tritte Spur,<br />
Wo sie an meinem Arme<br />
Durchstrich die gr&#252;ne Flur.</p>
<p>Ich will den Boden k&#252;ssen,<br />
Durchdringen Eis und Schnee<br />
Mit meinen hei&#223;en Tr&#228;nen,<br />
Bis ich die Erde seh&#8217;.</p>
<p>Wo find&#8217; ich eine Bl&#252;te,<br />
Wo find&#8217; ich gr&#252;nes Gras?<br />
Die Blumen sind erstorben,<br />
Der Rasen sieht so bla&#223;.</p>
<p>Soll denn kein Angedenken<br />
Ich nehmen mit von hier?<br />
Wenn meine Schmerzen schweigen,<br />
Wer sagt mir dann von ihr?</p>
<p>Mein Herz ist wie erstorben,<br />
Kalt starrt ihr Bild darin;<br />
Schmilzt je das Herz mir wieder,<br />
Flie&#223;t auch ihr Bild dahin!</p>
<p><small>Friedrich R&#252;ckert</small></p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		<title>Neujahrsspaziergang</title>
		<link>http://wiesenraute.de/2010/01/01/neujahrsspaziergang/</link>
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		<pubDate>Fri, 01 Jan 2010 16:17:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="/wp-content/uploads/2010/01/neujahr10.JPG" align="texttop" width="430" height="322" border="1" />
</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Wie man ein Spiel erkl&#228;rt</title>
		<link>http://wiesenraute.de/2010/01/01/wie-man-ein-spiel-erklaert/</link>
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		<pubDate>Fri, 01 Jan 2010 12:22:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Mitspieler:
K = Kollegin K.
A = alle anderen
K: Lasst uns mal dieses hier spielen. Ihr kennt doch alle Herr der Ringe, oder?
A: Nee, nie gelesen. Ist das das mit diesen Hobbits?
K: Waaas? Ihr kennt Herr der Ringe nicht? Ihr Banausen. Es gibt auch mehrere Filme inzwischen.
A: Ach, sind das diese Filme, wo Teil vier, f&#252;nf und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mitspieler:<br />
K = Kollegin K.<br />
A = alle anderen</p>
<p>K: Lasst uns mal dieses hier spielen. Ihr kennt doch alle <em>Herr der Ringe</em>, oder?<br />
A: Nee, nie gelesen. Ist das das mit diesen Hobbits?<br />
K: Waaas? Ihr kennt <em>Herr der Ringe</em> nicht? Ihr Banausen. Es gibt auch mehrere Filme inzwischen.<br />
A: Ach, sind das diese Filme, wo Teil vier, f&#252;nf und sechs lange vor den ersten drei Teilen gedreht wurden?<br />
K: Das ist Star Wars. Meine G&#252;te! Also, ich erkl&#228;r euch mal grob die Handlung von…<br />
A: Kommt da Mr Spock vor?<br />
K [<em>fassungslos</em>]: Das ist Star Trek! Ihr habt ja sowas von &#252;berhaupt keine Ahnung! [<em>erkl&#228;rt die Handlung von</em> Herr der Ringe, <em>w&#228;hrend sie die Spielutensilien auspackt</em>] Also, diese Figur hier ist Sauron…<br />
A [<em>kichern sch&#252;lerhaft &#252;ber die H&#228;sslichkeit der Gestalt</em>]<br />
K: …und gegen den spielen wir alle zusammen. Wir m&#252;ssen den Ring nach Mordor bringen [<em>deutet auf einen Fleck auf dem Spielplan</em>], ohne Sauron zu begegnen. Hier sind noch mehr Karten und Spielsteine – packt die mal bitte aus und stellt sie auf. Diese Karten kommen hierhin und diese… Moment, ich muss mal kurz in der Anleitung nachgucken.<br />
A [<em>ratlos</em>]: Wo kommen diese wei&#223;en Steine nochmal hin? Hier, glaube ich. Was sind denn das f&#252;r komische K&#228;rtchen, hat sie schon erkl&#228;rt, was die bedeuten? H&#228;h&#228;, dieser Sauron ist wirklich sauh&#228;sslich… [<em>beginnen zu diskutieren, ob es Beutel-send oder Beutels-end hei&#223;t</em>]<br />
K [<em>liest in der Anleitung</em>]: Ist schon ziemlich lange her, dass ich das gespielt habe. &#196;h…<br />
A: Guckt mal, hier ist ja auch der Ring. Der passt auf zwei Finger gleichzeitig, so riesig ist der. [<em>albern mit dem Ring herum</em>]<br />
K: Also… [<em>bl&#228;ttert hektisch in der Anleitung</em>] Ach, wir fangen einfach mal an.<br />
A [<em>blicken sie erwartungsvoll an</em>]<br />
K: Ihr habt ja die Karten noch gar nicht verteilt! [<em>verteilt die Karten</em>] Hier, das ist das Symbol, das bedeutet das und das, und hier, das bedeutet…<br />
A [<em>betrachten die Karten, nicken und versuchen sich alles zu merken</em>]<br />
K: So, jetzt geht es richtig los.<br />
A [<em>blicken sie erwartungsvoll an</em>]<br />
K: Du ziehst jetzt mal eine Karte von diesem Stapel.<br />
A [<em>zieht eine Karte</em>] &#196;h, sieht aus wie eine Sonnenuhr oder so was.<br />
K: Sonnenuhr… Ja, genau. Da passiert erstmal gar nichts. Der n&#228;chste.<br />
A [<em>zieht eine Karte und zeigt K das Symbol</em>]<br />
K [<em>bl&#228;ttert in der Anleitung</em>] Wie gesagt, das ist schon ewig her, dass ich das gespielt habe. [<em>liest, w&#252;hlt dann suchend im Karton</em>] Ach, jetzt hab ich’s. Wir brauchen ja noch ein zweites Spielfeld. Macht mal Platz auf dem Tisch, hier sind noch Steine, stellt die mal bitte auf.<br />
A: Wo jetzt genau? Na hier, oder? Nee, das kann nicht sein. Guckt mal, hier sind ja noch mehr K&#228;rtchen. Oh, und ein komischer W&#252;rfel.<br />
K [<em>liest in der Anleitung</em>] So, jetzt hab ichs. Jetzt geht es richtig los. Du ziehst jetzt mal eine von diesen Karten.<br />
A [<em>zieht eine Karte</em>]<br />
K: Ah ja. Da passiert jetzt erstmal gar nichts.<br />
A [<em>wechseln erstaunte Blicke</em>]<br />
K [<em>bl&#228;ttert in der Anleitung</em>] Also, diese Karten hier, die sind ganz wichtig. Die kriegen wir, wenn wir diesen Weg hier gehen. Aber blo&#223; nicht den W&#252;rfel benutzen! Das ist wirklich lange her, seit ich das das letzte Mal gespielt habe. Genau, jetzt wei&#223; ich’s wieder. Jetzt geht’s richtig los. Ich bin, oder? [<em>zieht eine Karte</em>] &#196;h… die leg ich jetzt mal hier ab. Ich glaube, die brauchen wir sp&#228;ter noch, aber erstmal passiert damit gar nichts.<br />
A [<em>durcheinander, befremdet</em>] Das versteh ich nicht, warum muss man immer Karten ziehen und dann passiert nichts? Wie kommen wir denn &#252;berhaupt voran? Wozu gibt’s diesen W&#252;rfel, wenn wir ihn nicht benutzen sollen? Was ist nochmal genau das Ziel von diesem Spiel?<br />
K [<em>l&#228;sst resigniert die Anleitung sinken</em>] Ich h&#228;tte da noch ein anderes Spiel, das ist nicht ganz so kompliziert…</p>
<p>Zur Verteidigung der Kollegin K. hier ein Auszug aus einer <a href=" http://www.faszination-tolkien.de/spiele/brettspiele/" target="_blank">Spielbeschreibung</a>:</p>
<blockquote><p>Der Inhalt sieht so aus: ein Hauptspielplan (57&#215;20 cm), zwei doppelseitige Spielpl&#228;ne mit vier Abenteuern (57&#215;28,5 cm), eine Sauronfigur, f&#252;nf Hobbitfiguren, sechs Positionssteine, 60 Hobbitkarten, 35 Sonderkarten, f&#252;nf Charakterkarten, f&#252;nf Gandalfkarten, 23 Ereignisk&#228;rtchen, elf Lebenspl&#228;ttchen, 32 Schilde, ein Ring, ein W&#252;rfel und ein Ergebnisblatt. Die Spieleranzahl ist 2 bis 5 und das Spiel dauert ca. 30 bis 60 Minuten. Noch bevor man richtig angefangen hat zu spielen, macht das Spiel Laune.</p></blockquote>
<p>Das stimmt allerdings.
</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Mein Silvestertrauma (Teil 4)</title>
		<link>http://wiesenraute.de/2009/12/31/mein-silvestertrauma-teil-4/</link>
		<comments>http://wiesenraute.de/2009/12/31/mein-silvestertrauma-teil-4/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 11:31:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nic</dc:creator>
		
		<category>Die Welt</category>

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		<description><![CDATA[Das Seniorenheim war auch ganz aufgeregt, Evakuierte aufzunehmen. Allerdings war die Nacht nicht sehr erholsam – das klingt jetzt wom&#246;glich undankbar, aber erstens kann man ohnehin nicht von einer ganzen Nacht sprechen, zweitens diese Multifunktionsbetten, Sie wissen schon, drittens die Vorstellung, das Haus brennt ab und ich soll schlafen, und viertens die leisen Zweifel wegen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Seniorenheim war auch ganz aufgeregt, Evakuierte aufzunehmen. Allerdings war die Nacht nicht sehr erholsam – das klingt jetzt wom&#246;glich undankbar, aber erstens kann man ohnehin nicht von einer ganzen Nacht sprechen, zweitens diese Multifunktionsbetten, Sie wissen schon, drittens die Vorstellung, das Haus brennt ab und ich soll schlafen, und viertens die leisen Zweifel wegen der Bratsche und der Negative. Als ich jedenfalls um zehn aufwachte, hatte ich das Gef&#252;hl, allenfalls f&#252;nf Minuten geschlafen zu haben.<br />
Der Neujahrsmorgen im Altersheim war wie ein skurriler Film, in dem der Regisseur versucht, die Obliegenheiten der Protagonisten mit Bildern von Verg&#228;nglichkeit und rotziger Gleichg&#252;ltigkeit zu kontrastieren, um auf ironische Weise darzustellen, wie nichtig erstere doch sind. Es war der erste Tag im ersten Jahr, das mit einer 2 begann, und diese Alten schlurften wie an jedem normalen anderen Tag mit ihren Rollatoren durch das Haus, ihre umfangreichen Pillensammlungen gut sichtbar mit sich f&#252;hrend, betrachteten uns mit k&#252;hler Neugier und hatten nichts anderes im Sinn als die Frage, was es zum Mittag geben w&#252;rde. Dieses Mittagessen zwang man uns, im Stolz, uns beherbergt zu haben, geradezu auf, weshalb wir es nat&#252;rlich nicht ablehnen konnten. So kam es, dass meine erste Mahlzeit im Jahr 2000 eine Kohlroulade war. Eine Kohlroulade am ersten Januar um elf Uhr morgens – einer Zeit, um die ich an freien Tagen gerade anfange, ans Fr&#252;hst&#252;cken zu denken.<br />
Wir fuhren dann die zwei U-Bahn-Stationen zur&#252;ck, betraten das Haus durch eine tiefe Pf&#252;tze und stellten fest, dass der Seitenfl&#252;gel in &#252;berhaupt gar keiner Weise beeintr&#228;chtigt worden war. Offenbar war die Feuerwehr kurz nach unserer Entfernung vom Tatort eingetroffen und hatte den Brand in einer Weise gel&#246;scht, die das Dachgeschoss ausgebrannt und das restliche Vorderhaus unbewohnbar zur&#252;cklie&#223; (L&#246;schwasser). Das war aber nicht die Schuld der Feuerwehr.<br />
Wir bemerkten schnell, dass sowohl das Gas als auch Strom und Heizung nicht funktionierten, und beschlossen darob, einfach in unserem geplanten Tagesprogramm fortzufahren: Spaziergang, Besuch bei Freunden. Als wir abends wiederkamen, ging alles wieder. Wir setzten uns an den gedeckten Tisch mit den halbvollen Sektgl&#228;sern, steckten den Stecker des Racletteger&#228;ts in die Steckdose und beendeten das unterbrochene Mahl… (das ist nur halb gelogen).<br />
Das Paradoxe an dieser Geschichte ist, dass wir Jahr-2000-Zyniker tats&#228;chlich in gewisser Weise Opfer des Jahr-2000-Problems geworden sind: Der Grund daf&#252;r, dass die Feuerwehr nicht eintraf, war ein Computerproblem, ausgel&#246;st durch schlampige Wartung und ein veraltetes System, das kann man zum Beispiel <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Computer-GAU-Das-Silvesterchaos-bei-der-Berliner-Feuerwehr-25744.html" target="_blank">hier</a> nachlesen. Die Notrufannahme brach zusammen, die Einsatzleitung wusste nicht mehr, welches Fahrzeug sich wo befand, und irgendwann bekamen die L&#246;schz&#252;ge den Auftrag, einfach mal ziellos durch Berlin zu fahren und zu gucken, ob es nicht irgendwo brennt. Zuf&#228;llig kam eben drei Stunden lang keiner bei uns vorbei.<br />
Tja, und das ist der Grund daf&#252;r, dass mich jedes Silvester, wenn die Knallerei losgeht, ein ungutes Gef&#252;hl beschleicht. Nur ein Gef&#252;hl, unbewusst, ob ich will oder nicht. In meinem pers&#246;nlichen Kalender bedeutet mir Silvester eigentlich mehr als zum Beispiel Weihnachten – aber irgendwie hasse ich es auch.<br />
Ich w&#252;nsche Ihnen trotzdem einen guten Rutsch.
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