Die Hübschigkeit der Schauspieler (33)

To Be or Not to Be, 1942, mit Carole Lombard, Jack Benny, Robert Stack

Aus Gründen konnten wir uns fünf Monate lang nicht zum Filmgucken treffen, und außerdem liegen die Sommerferien hinter uns, so dass wir über alles Mögliche reden, nur nicht über den Film.
Dabei ist Sein oder Nichtsein ein durchaus würdiger Wiedereinstiegsfilm, eine Satire auf den Nationalsozialismus, sehr komisch, aber auch ernsthaft kritisch. Angesiedelt im Theatermilieu in Warschau 1939, spielt er mit der Tatsache, dass die NS-Schergen zwar nicht wenig gefährlich sind, dass ihre brutale und zugleich beflissen-feige Lächerlichkeit aber mit den Mitteln der überzeichnenden Schauspielerei ganz hervorragend imitiert werden kann. Und dass man ihnen damit nicht nur ein Schnippchen schlagen, sondern sie gleich ganz überlisten kann. Obgleich Ernst Lubitsch schon 1922 in die USA ausgewandert war, kannte er natürlich die Deutschen.
Jetzt beim Nachlesen stelle ich fest, dass ich eine Szene falsch verstanden habe: Als Fliegerleutnant Sobinski (dass Robert Stack in diesem Film ziemlich hübsch ist, hätten wir wenigstens erwähnen können) stutzig wird, weil Professor Siletzky die berühmte Warschauer Schauspielerin Maria Tura nicht kennt, habe ich das als Zeichen seiner verklärenden Verliebtheit gedeutet – in Wirklichkeit ist es ein Hinweis darauf, dass Siletzky als Doppelagent unterwegs ist und nie in Warschau gelebt hat.
Sehr komisch, das wollen wir hier mal ausdrücklich anmerken, ist auch der Shakespeare-Subtext.
In der New York Times stand am 7. März 1942: „As it is, one has the strange feeling that Mr. Lubitsch is a Nero, fiddling while Rome burns.” Damit steht dieser Film in einer Reihe mit Chaplins Great Dictator (1940) und auch neueren Filmen wie Roberto Benignis Das Leben ist schön (1997) oder Wir müssen zusammenhalten (2000) von Jan Hřebejk. Aber nein, er ist nicht geschichtsklitterisch, er ist vor allem lustig.

Einkaufslyrik (17)

Im Putzrausch.

Frühere Folgen: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16

Grünes Band (6) – Lunchpakete und schöne Wolken

Letzte Folge: Dinge, die ich nicht vergessen möchte, und ein paar schöne Bilder nach all den Gebrauchsfotos.
Lunchpakete – in England letztes Jahr selbstverständlich, aber nicht billig; in diesem Jahr in Deutschland sorgte der Wunsch danach vielerorts für Befremden (nein, wir kommen wirklich an keinem Einkaufsladen vorbei). Deshalb wagten wir in einigen Unterkünften erst gar nicht danach zu fragen, in anderen durften wir beim Frühstück selbst Brote schmieren (kostete zwischen einem und sechs Euro), und in einigen Hotels stellte die Kaltmamsell liebevoll und kreativ Lunchpakete für uns her (von kostenlos bis fünf Euro). In dem kostenlosen waren fünf Brote drin, das war selbst dem Mitwanderer zu viel, in einem anderen frische, in handliche Stücke geschnittene Gurken, Tomaten, Ananas und Melone und ein Metalllöffel für den Joghurt. Das war der Hit.

Hier sind schon mal ein paar schöne Wolken drauf.

Natürlich haben wir auch wieder Unterkünfte bewertet, aus Spaß und des Rituals wegen. Eigentlich waren die nicht vergleichbar, weil von gediegenem Hotel bis Reiterhof alles dabei war. Der Mitwanderer zog willkürlich Punkte für niedrige Decken und schlechtes Fernsehprogramm ab, und ich vergab Pluspunkte für Pflaumenmus beim Frühstück. Und natürlich für gute Lunchpakete.

Eine Schwalbe. Schwalben erkennen wir zuverlässig.

Die Morgenstimmung ist immer am schönsten.

Morgens früh auf der Elbe. Hach. Herrlich.

Das geringe Tempo, in dem wir unterwegs waren, lud anscheinend dazu ein, uns in Pläuschchen zu verwickeln; auch hatten wir viele nette Gespräche mit Leuten, die uns irgendwo Pause machen sahen, fanden, dass das gemütlich aussah, und einfach ein bisschen plaudern wollten. Das Dorf Rade bei Wittingen war in dieser Hinsicht idealtypisch. In unserem Reisetagebuch, gewissenhaft geführt an den Abenden beim Essen, steht folgendes:

Rade enttäuschte uns zunächst, weil die einzige Einkehrmöglichkeit Ruhetag hatte. Die England-Gedächtnis-Sprite stand verlockend und verpackt im Hof, konnte aber nicht getrunken werden. Dann jedoch entdeckten wir die Schönheit Rades in Form einer Bank im Schatten. Dort zogen wir die Schuhe aus und entdeckten die Schönheit Rades erneut. Etwas später unterhielten wir uns längere Zeit mit einem älteren Landwirt, der seinen Trecker eigens vor unserer Bank zum Stehen brachte.

Also, lassen Sie’s sich gesagt sein: Dieses Rade ist ein wirklich schönes Dorf mit netten Bewohnern. Auffällig unhöflich hingegen waren viele Radfahrer auf dem Elberadweg.

Von Unhöflichkeit und Langeweile auf dem Elbdeich lenken Wolken wie diese erfolgreich ab.

Ganz großartig waren auch die Italiener im Wendland, mit drei Generationen am Werk. Der Opa stellte beim Frühstück eine riesige Kaffeekanne auf unseren Tisch, erkennbar für alle Übernachtungsgäste gedacht, und sagte mit ernster Miene und italienischem Akzent: Die müssen Sie jetzt austrinken.

Hier droht Regen. Wir waren aber untergestellt und blieben relativ trocken, anders als die Kühe da oben.

Falls Sie den Bahnhof Salzwedel besitzen möchten – bitteschön, er steht gerade zum Verkauf.

Gerade angekommen. Da kann es regnen, wie es will.

Ja, und dann hatte ich die ganze Zeit einen Kinderplatten-Ohrwurm: Feuerschuh und Windsandale. Kennen Sie das?

Zeit ist wichtig.

Grünes Band (5) – Landkarten

Der Mitwanderer ist ein sehr guter Kartenleser und hat uns häufig, wo Schilder fehlten, durch genaues Landschafts- und Kartenstudium auf den richtigen Weg gebracht. Ich hingegen wusste nur am Elbdeich ganz genau, wo es langging – immer geradeaus, Elbe muss rechts sein – lese aber trotzdem gern in Landkarten, zum Beispiel, um dort schöne Ortsnamen zu finden. GPS und solch neumodischen Schnickschnack kennen wir gar nicht.
Ein einziges Mal, am Tag 6, wussten wir überhaupt gar nicht mehr, wo wir waren, und mussten jemanden fragen. Der bat uns umständlich in seine Diele, nahm einen dicken schwarzen Filzstift und malte lauter Punkte in unsere Karte; dazu sagte er: „Also, wenn ich hier spazieren würde, ich würde dort (Punkt Punkt Punkt) langgehen – ach nee, da kommt man ja gar nicht über die Eisenbahn. Na, dann würde ich hier (Punkt Punkt Punkt) entlangspazieren – ach nee, geht auch nicht. Dann eben hier (Punkt Punkt Punkt) – auf jeden Fall müssen Sie hier (dicker, fetter Punkt) rauskommen.“ Mal abgesehen davon, dass wir nicht „spaziert“, sondern gewandert sind, erschien uns das alles so dubios, dass wir seinen einzig richtigen Tipp missachtet haben und zur Strafe einen Umweg gehen mussten.
Wie die DDR-Kartografen ihr Tun mit der Ehre ihrer Zunft vereinbarten, weiß ich nicht, aber auf DDR-Landkarten waren Gebiete jenseits der Westgrenze oft einfach leer, und grenznahe Flächen waren häufig nicht den geografischen Tatsachen entsprechend dargestellt – keine Unfähigkeit der Kartografen, sondern Manipulation und Zensur. Landkarten als Machtinstrument.

Im Westen ist nichts in Form einer riesigen Legende.

Nun zu den schönen Ortsnamen. Die finden meist nur Fremde schön – wir haben beispielsweise hier in der Nähe ein „Grauen“, das uns erst dann komisch vorkam, als wir Leute beim Fotografieren des Ortsschildes beobachteten. Herr Fried lässt grüßen.
Sehr schön fanden wir also Tag 11, an dem wir nacheinander durch Gaarz, Baarz, Besandten, Unbesandten und Mödlich kamen. Es muss ein Unterschied wie Tag und Nacht sein, ob man in Besandten oder in Unbesandten wohnt – quasi das Gegenteil. Der Ort Vier führte zu folgendem Dialog: „Und dann müssen wir nur noch durch Vier, und dann sind wir schon fast in Boizenburg.“ – „Hä? Durch was für vier?“ Dasselbe mit Viehle: „Gleich kommen wir durch Viehle.“ – „Viele was?“ Wiewohl und Deutsch lagen auch an unserer Strecke. Und dann gab es noch dieses nette Flüsschen:

Grünes Band (4) – Die Natur, die Natur

Dass wir uns für die Grenzgeschichten sehr und für die Natur eher weniger interessierten, lag an unserer Unfähigkeit, Tiere und Pflanzen zu bestimmen. Zweifelsfrei erkennen konnten wir Störche (davon haben wir viele gesehen; unvergessen der Tanz des Storches auf dem Blechdach in Kneese), Kormorane, Schwalben, Enten, Gänse und Graureiher sowie Pflaumenbäume und Brombeersträuche (na gut, Apfelbäume haben wir auch erkannt, aber die Äpfel waren noch nicht ganz reif).

Jungbullen. Die versuchen auch, uns zu bestimmen: Menschen. Zu Fuß. Alle bekloppt.

Zwar kamen wir an überabzählbar vielen Erklärungstafeln vorbei und fachsimpelten, wenn wir einen Frosch quaken hörten, darüber, ob es sich um eine Gelbbauch- oder eher eine Rotbauchunke handelte; wenn wir einen Raubvogel aufgescheucht hatten, erklärte ich im Brustton der Überzeugung: Das ist ein Mäusebussard!, und der Mitwanderer stellte eine Reihe bizarrer Theorien auf, die er sämtlich mit dem Totschlagargument begründete, seine Schwester habe Biologie studiert – er behauptete zum Beispiel, wir hätten Schwarzstörche gesehen, dabei waren das bloß die Silhouetten von Weißstörchen gegen die Sonne. Aber das konnte man alles nicht recht ernst nehmen.
Wir bedauerten durchaus, dass die Natur an uns so verschwendet war und stellten uns vor, wir hätten den Bio-Kollegen mitgenommen, der uns erklären könnte, was wir nicht wissen. Dann fiel uns ein, dass der Bio-Kollege drei Stunden benötigt für einen Spaziergang, für den normale Menschen eine halbe Stunde brauchen, aus lauter Begeisterung für die biologischen Entdeckungen, die er am Wegesrand macht. Daraufhin entwarfen wir das Bild, wie wir den Bio-Kollegen an einem Strick hinter uns herziehen, den Mund haben wir ihm mit Klebeband zugeklebt, das wir nur entfernen, wenn wir dringend etwas wissen wollen. Aber nein, das wäre nicht so nett – dann lieber unwissend durch die Gegend laufen.
Immerhin rufen wir Tag 4 zum Tag der internationalen Nacktschnecke und Tag 15 zum Tag des internationalen Pferdes aus. Und wir sehen Schafe – zwar viel weniger als letztes Jahr in England und alle eingezäunt, aber echte Schafe. Bei einigen diagnostizieren wir eine Fellkrankheit, bis wir genauer hingucken und feststellen, dass das alles Kletten sind.

Schafsmasern. Ach nee, doch Kletten. Wir sind eben unbegabt in Biologie.

Jetzt würde ich gern noch etwas Positives über unsere Naturerfahrungen schreiben, aber mir fällt nichts… ach doch: Wir wissen, was Qualmwasser ist.

Grünes Band (3) – Ritter Rüter

Sehr cool fanden wir das Dorf Rüterberg, das seit 2004 Ortsteil von Dömitz ist, vorher aber unabhängig war. Es liegt auf einer Art Landzunge in einem Knick der Elbe, und da die Elbe Staatsgrenze war – ob die Grenzlinie genau in der Flussmitte verlief, wie die DDR meinte, oder am Ostufer, wie die Bundesrepublik fand, war nicht ganz klar – und das Dorf also im Grenzgebiet lag und zudem noch quasi von drei Seiten vom Westen umschlossen war und zum Rest der DDR nur eine sehr kurze Grenze hatte, passte man dort besonders genau auf. In den 50er und frühen 60er Jahren versuchte man, mit den gängigen Einschüchterungs- und Zwangsumsiedlungsmaßnahmen die Bewohner zu vergraulen, und 1967 umzäunten die DDR-Grenztruppen kurzerhand das gesamte Dorf. Rüterberg war somit von allem abgeschnitten, von Feindes- wie von Freundesland.
Hinein und heraus kam man nur mit Passierschein durch ein bewachtes Tor, das zwischen 23 und 5 Uhr geschlossen blieb; Besucher mussten lange vorher angemeldet werden, denn sie benötigten eine Sondererlaubnis. Wer da wohnen blieb (vor der Wende nur noch ungefähr 150 Leute), tat das aus Trotz – erst recht, als 1988 der Käfig ums Dorf noch einmal für teures Geld durch ein stabileres und moderneres Modell ersetzt wurde.
1989 gab es dann eine Dorfversammlung im Gemeindehaus, auf der einstimmig beschlossen wurde, Rüterberg in eine „Dorfrepublik“ nach Schweizer urdemokratischem Vorbild zu verwandeln, mit eigenen Gesetzen, Mitspracherecht für alle und ohne Gängelung durch den Staat. Dass dieser couragierte Abschied von der DDR ausgerechnet am 8. November besiegelt wurde, tja, dafür konnten die Rüterberger nichts. Ohnehin bekamen sie von der Maueröffnung erstmal nicht so viel mit:

[N]ach der Maueröffnung wurden die Kontrollen in Rüterberg noch mehrere Tage lang aufrechterhalten – was zu der absurden Situation führte, dass ein DDR-Bürger nun zwar in den Westen reisen konnte, aber immer noch nicht nach Rüterberg kam. (Quelle)

Jedenfalls hatte Rüterberg zeitweise einen eigenen Poststempel, bis 2002 die Erlaubnis, „Dorfrepublik“ als Ehrentitel im Ortsnamen zu tragen, und bis 2004 ein eigenes Wappen und eine eigene Fahne. Stolz weht sie immer noch am Elbufer.

Ein Ritter auf einem Pferd, die Elbe. Übrigens ist Rüterberg mittlerweile eine ziemlich beliebte Wohngegend; selbst der alte Grenzturm sieht bewohnt aus.

Grünes Band (2) – Grenzen

Weil das Zählen von Wanderern so unerquicklich war, zählten wir auch noch Grenzübertritte: Insgesamt passierten wir 19 Mal die ehemalige innerdeutsche Grenze, davon drei Mal per Elbfähre, und kamen durch fünf Bundesländer. Besonders kurios war die fünftägige Strecke auf dem Elbdeich, da kommt man, rechtselbisch und ohne den Fluss zu überqueren, nicht nur durch Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, sondern auch durch Niedersachsen, obgleich die Elbe eigentlich Niedersachsens natürliche Grenze bildet. Das liegt daran, dass die Bleckeder Ortsteile Neu Bleckede und Neu Wendischthun sowie das gesamte Amt Neuhaus nach dem Zweiten Weltkrieg aus praktischen Gründen der DDR zugeschlagen wurden, davor aber seit Ewigkeiten zum Königreich Hannover gehört hatten und deshalb 1992 wieder niedersächsisch wurden. Unsere Gastgeberin in Neu Wendischthun („Dies ist eine Herberge, Sie müssen die Betten selbst beziehen“) berichtete aus eigener Erfahrung, dass manche Familien jahrzehntelang getrennt waren, nur weil ein Teil auf der anderen Seite der Elbe wohnte.

Auf derselben Seite der Elbe, nur 15 km auseinander, Partnerstädte seit 1990, davor eine Westen, die andere Osten: Lauenburg und Boizenburg.

Was sieht man noch von der Grenze, außer dem Kolonnenweg und einem Haufen Straßen, die „Grenzstraße“ heißen? Denkmäler für geschleifte Dörfer oder gegen die Teilung Deutschlands ganz allgemein, Grenzpfähle und -türme, Grenzzaun (teilweise als Gartenzaun umfunktioniert), mehrere Freilichtmuseen, Schilder. In Schnackenburg gibt es ein Grenzlandmuseum mit Außenstelle, und in Hitzackers Stadtmuseum, dem Alten Zollhaus, ist gerade ein Raum Fluchtgeschichten gewidmet (ein anderer Prins Claus – eifrig besichtigt von niederländischen Reisegruppen). Wenn man vorher gesehen hat, wie die Grenze gesichert war, dann wundert man sich, wie viele Fluchten doch erfolgreich waren (Flugblatt für westliche Grenzbesucher: „Drüben leben auch Deutsche“).

Grenzturm in Neu Bleckede.

Zwei mal zwei Meter, mehr Platz war in den meisten Türmen nicht. Hier auf dem Deich bei Lenzen kann man ja noch die Elbe angucken, aber an anderen Standorten muss es unglaublich langweilig gewesen sein. Auch erstaunlich: Wie viele Leute nur damit beschäftigt waren, die Grenze zu bewachen, und wie viel Territorium die DDR für den Grenzstreifen opferte.

Grenzpfahl – nicht am originalen Standort, deshalb noch mit DDR-Emblem.

Gedenkstein für das geschleifte Dorf Stresow, das ist die erwähnte Außenstelle des Grenzlandmuseums Schnackenburg. Eine weitere Gedenktafel haben wir weiter nördlich gesehen, im Landkreis Ludwigslust-Parchim, für Lenschow – beide Dörfer waren seit Jahrhunderten besiedelt.

Von diesen Schildern gibt es viele, jedes mit einem anderen Datum. Manchmal hat es anscheinend Monate oder Jahre gedauert, bis eine Brücke gebaut oder eine Fähre eingerichtet war.

Niemals wieder kann ja höchstens ein frommer Wunsch sein.

Grenzlandmuseum in Schnackenburg. Ziemlich vollgestopft mit allem möglichen Kram, Ost wie West. Etwas überraschend in Niedersachsens kleinster Stadt, in der es noch nicht einmal ein Geschäft gibt. „Zu uns kommen manchmal Wagen“, pries man uns das Einkaufsparadies an. Das Museum machte extra für uns Überstunden und fungierte außerdem als Treffpunkt für alle, denen am Sonntagnachmittag langweilig war – obwohl es sehr wohl eine Kneipe gibt in Schnackenburg.

Übrigens heißt es [ˈʃnaːkənbʊʁk] und [ˈbleːkədə], das ist dieses komische Dehnungs-c in manchen norddeutschen Ortsnamen mit ck: Mecklenburg, Beckedorf…
Zum Schluss kommt noch einmal die Herbergsmutter in Neu Wendischthun zu Wort, die einen weiteren denkwürdigen Satz sprach, nämlich: „Heute Abend sind Sie ganz alleine im Haus, und morgen kommen 36 Kinder.“ Da verteilten wir Wanderschuhe und stinkende Socken im ganzen Haus und machten drei Kreuze, dass wir am nächsten Morgen schon wieder unterwegs waren.