Die Mühen der Ebene (29. Juli)

Besser als drei und drei auf der Matte sind allemal fünf auf dem Kopf.

Vorletzter Tag, Sportfest. Über dem Sportfest hängt drohend die Ansage, es finde normaler Unterricht statt, wenn es regne, und die Wettervorhersage sagte auch, es würde regnen, aber erst um 14 Uhr. Und so regnet es nicht, und das Sportfest íst gut organisiert und verläuft nahezu hervorragend, und als es dann um 18 Uhr endlich regnet, sitzen wir längst im Garten der Kollegin mit dem schönsten Garten und grillen. Es sind mehrere Babys anwesend, Mütter in Mutterschutz, diverse Kleinkinder, ältere und mittelalte Kollegen und ein fluffiger kleiner Hund, und einer der neuen Referendare wundert sich, wie viele Leute zu einem solchen Anlass („morgen gibt es Ferien, lasst uns feiern“) aufkreuzen.
Und an solchen Aussagen erkennen wir, dass unsere Zweckgemeinschaft ganz gut funktioniert. Und es ist auch längst nicht die einzige Feier zum Ferienbeginn; morgen nach der Zeugnisausgabe gibt es noch ein Frühstück im Lehrerzimmer („jetzt haben die Ferien wirklich und tatsächlich begonnen, wir können es kaum glauben, lasst uns feiern“), und am Abend gehen wir in kleinem Kreis essen („an diesem Tag sind die Ferien am längsten, das müssen wir aus vollstem Herzen genießen, lasst uns feiern“).
Einer noch.

Die Mühen der Ebene (28. Juli)

Wandertag.
Wo waren wir?

Die Mühen der Ebene (27. Juli)

Ich Dödel hab hier ja tatsächlich noch etwas zu Korrigierendes rumliegen. Die Tatsache ausnutzend, dass Fünftklässler noch nicht kapieren, wann die Notenlisten ausgefüllt sein müssen und wann die Zeugniskonferenzen sind, habe ich meine Klasse in der Woche, in der ich auf Kursfahrt in London war, ein Lesetagebuch zu einem Jugendbuch herstellen lassen. Das waren bestimmte Aufgaben, die sie in den Vertretungsstunden und zu Hause bearbeiten mussten, und die Androhung schrecklicher Noten bei Nichtbefolgung war das einzige Druckmittel, das ich hatte. Es wirkte, aber jetzt liegen diese Lesetagebücher hier herum und wollen bewertet werden – das zählt schon fürs nächste Schuljahr, wie ihnen dann auch mit erheblicher Verspätung klar wurde.
Nur leider habe ich nicht die geringste Lust, diese Arbeit in Angriff zu nehmen. Ich weiß ganz genau, dass Sommerferien die einzigen korrekturfreien Ferien sind, und dass es pietätlos wäre, das zu untergraben. Trotzdem konnte ich mich an diesem total freien Wochenende mit null Verpflichtungen nicht aufraffen, die Restarbeit noch schnell mal eben zu erledigen. Statt dessen habe ich Urlaub geplant, auch zu spät.
Aber, was soll ich sagen, das war eigentlich im Moment viel wichtiger.

Limerick (110)

Quelle und Auflösung hier. Heute entdeckt von Madame @isabo_.

Die Mühen der Ebene (25. Juli)

Eisern, wer heute noch die Energie hat, kopiengestützten Unterricht durchzuprügeln; ich verzichte dankend und sehe mit meiner fünften Klasse zum ersten Mal überhaupt einen Film: Billy Elliot. Den politischen Hintergrund verstehen sie natürlich nicht, aber der elfjährige Protagonist lädt zur Identifikation ein, weil sie selber elf sind.
Ich finde den Film sehr viel differenzierter als das Musical, das ich unlängst in London gesehen habe, aber er hat schon auch grobschlächtige Handlungsstränge (Streik–Streikbrecher–Action geht direkt durch die Familie; Billy wird zu einer anderen Person, nachdem seine Familie sein Talent erkennt).
Eine Schülerin, die, Provinznestschicksal, in meiner Straße wohnt, in der christlichen Hausgemeinschaft gegenüber, kennt als Einzige den Film und fragt hinterher, ob ich die echte DVD gekauft hätte. Ich weiß zuerst überhaupt gar nicht, was sie meint, und es dauert eine Weile, bis herauskommt, dass sie nur eine zensierte Version kennt, in der bestimmte Szenen herausgeschnitten sind. Nach einer weiteren Weile und zahlreichen Nachfragen stellt sich heraus, dass das genau die Szenen sind, die etwas mit jugendlicher Sexualität zu tun haben: Debbie- und Michael-Szenen nämlich.
Sicherheitshalber sehe ich noch einmal auf dem DVD-Cover nach: Freigegeben ab 6 Jahren gemäß §14 JuSchG FSK. Alles okay. Unabhängig davon, wie falsch ich es finde, Elfjährigen solche Szenen vorzuenthalten und das als Erwachsene gutzuheißen.

Die Mühen der Ebene (24. Juli)

Heute haben wir zwei Referendarinnen verabschiedet, eine von ihnen war der Deutsch-Fachgruppe besonders ans Herz gewachsen. Sie hatte öfter gesagt, dass sie sich methodisch-didaktisch gut gerüstet, aber im literarischen Bereich nicht gebildet genug fühle; zum Beispiel kennt sie gewisse Jugendbuchklassiker nicht, so dass man direkt neidisch werden könnte, weil sie die Lektüre noch vor sich hat. Zum Abschied bekam sie deshalb von jedem Deutschkollegen zehn Tipps für Bücher, die man unbedingt gelesen haben „muss“. Weil diese Listen vorher per Mail kursierten, hatte die ganze Fachgruppe etwas davon – eine Menge neuer Leseempfehlungen.
Referendare werden da übrigens durchaus unterschiedlich behandelt; wer der Fachgruppe nichts als Mühe und Ärger bereitet, bekommt auch nix zum Abschied.

Die Mühen der Ebene (23. Juli)

So isses. Man sitzt in den Pausen mit glasigen Augen im Lehrerzimmer und versucht sich zu erinnern, was man noch alles tun muss. Man missbraucht Referendare für niedere Tätigkeiten wie das zweimalige Kontrollieren von Zeugnissen, man rennt mit dem Klassenbuch hinter Kollegen her, füllt Kurstagebücher aus, stellt Anträge auf Fahrtkostenerstattung für die Kursfahrt, verabredet sich zum Kollegengrillen, fährt in der großen Pause mal eben nach Hause, weil man etwas Wichtiges vergessen hat, beendet schnell noch die Lyrikeinheit im Leistungskurs, begleitet die eigene Klasse in die Bibliothek, um die Schulbücher zurückzugeben, treibt das fehlende Geld für den Wandertag ein, verkündet Noten.
Und dann kommt man um halb drei in die zehnte Klasse, und die Hitze lässt sich auch durch die heruntergefahrenen Jalousien nicht abhalten, und ein Schüler liegt längs ausgestreckt auf zwei Tischen, eine Wasserflasche im Mund, und man denkt: Ja, so könnte man es vielleicht aushalten.