VHMLH

Verein zur Huldigung des Meta-Limericks, Hamburg

Satzung

Präambel
Was ist ein Meta-Limerick? Nun ja – Limericks kann jeder, sie folgen einem strengen Reimschema (aabba) und sind deshalb einfach zu durchschauen und zu erfinden. Die immanente Struktur der Limerick-Zeile ist ihrem metrischen Wesen nach daktylisch-anapästisch – abwechselnd folgen eine betonte Silbe und zwei unbetonte Silben aufeinander:

1 (x) x x x x x x x x (x) (x) (a)
2 (x) x x x x x x x x (x) (x) (a)
3 (x) x x x x x (x) (b)
4 (x) x x x x x (x) (b)
5 (x) x x x x x x x x (x) (x) (a)

There once was an artist named Lear
Who wrote verse to make children cheer.
Though they never made sense
Their success was immense
And the Queen thought that Lear was a dear.

Meta-Limericks sind Limericks, die dieses Schema einerseits erkennbar bedienen, gleichzeitig aber auch brechen. Eine Spielart zeichnet sich dadurch aus, dass die letzte Zeile länger ist als erlaubt. Das Reimwort wird schließlich doch noch gefunden, und die ersten vier Verse des Limericks bemühen sich, die Übererfüllung zu motivieren und zu erklären.

There was a fat lady from Skye
who felt she was likely to die.
But for fear that once dead
she would not be well fed
she gulped down a pig, a cow, twelve buns, a seven-layer cake, four cups of coffee and an apple pie.

In der zweiten Variante sind sowohl Rhythmus als auch Reimzwang im fünften Vers nicht eingehalten. Bis kurz vor Ende scheint der Limerick vollkommen regelgemäß, und dann – wiederum bedingt durch die inhaltlichen Vorgaben in den Zeilen eins bis vier – geht es drunter und drüber, nichts stimmt mehr, während das Reimwort so offensichtlich und für alle erkennbar vor uns liegt und eigentlich nur ausgesprochen werden müsste.

A zoologist’s daughter of Zug
cried: “Papa, what is that on the rug?”
Said he: “Goodness gracious!
How very vexatious!
I very much fear it’s a blood-sucking insect of the cimex lectularius species!”

Dann gibt es noch Meta-Limericks, die die Fünf-Zeilen-Vorgabe gar nicht erreichen, weil schon vorher ein Ereignis eintritt, das es unmöglich macht, den Limerick zu beenden.

There was a young fellow from France
who waited ten years for his chance.
Then he muffed it.

Nun ja, und dann gibt es noch ein paar Varianten, die allesamt kreative Abwandlungen des Schemas darstellen – je irrer desto besser.

§ 1 Name, Sitz und Gründungsdatum des Vereins
Der Verein führt den Namen Verein zur Huldigung des Meta-Limericks, Hamburg. Er hat seinen Sitz in der Stadt Hamburg und ist in kein Vereinsregister in keinem Amtsgericht eingetragen, weder in Hamburg noch sonstwo. Gründungsdatum ist der 28. Juni 2007. Die Gründungsurkunde liegt drüben bei Frau Isabo.

§ 2 Zweck des Vereins
Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung. Zweck des Vereins ist die Huldigung der Literaturgattung Meta-Limerick, wie sie die Präambel definiert. Der Satzungszweck wird verwirklicht insbesondere durch folgende Maßnahmen:
Durch aufmerksames Ausschauhalten in allen verfügbaren Medien wird versucht, die Menge der bekannten Meta-Limericks zu vergrößern und das Vereinsarchiv zu bestücken. Die Vereinsmitglieder bemühen sich, die Literaturgattung zu bewerben und bekannt zu machen. Sie stellen sich in der Vorweihnachtszeit in die Fußgängerzone und verteilen Handzettel mit Meta-Limericks drauf. Sie veröffentlichen Meta-Limericks so oft wie möglich auf ihren Webseiten. Jedes Mitglied verpflichtet sich, jeden Abend vor dem Einschlafen ein Gebet an den Gott der Meta-Limericks zu richten. In schlaflosen Nächten versuchen die Mitglieder, englische Meta-Limericks ins Deutsche zu übertragen.
Der Verein ist selbstlos tätig und stellt sich in den Dienst der Öffentlichkeit. Die Erfüllung des Vereinszweckes geschieht ohne Bevorzugung einer bestimmten Sprache.

§ 3 Mitglieder
Der Verein besteht aus dichtenden und nicht-dichtenden Mitgliedern. Nicht-dichtendes Mitglied kann jede natürliche oder juristische Person sein, die den Mitgliedsbeitrag bezahlt. Dichtendes Mitglied kann jede Person sein, die einen reinen von einem unreinen Reim unterscheiden kann und den Mitgliedsbeitrag bezahlt. Über die Aufnahme entscheidet der Vorstand. Um die Aufnahme in den Verein ist beim Vorstand schriftlich nachzusuchen. Mitglieder müssen ihren Wohnsitz nicht in Hamburg haben. Der Tod eines Mitglieds bewirkt das sofortige Ausscheiden aus dem Verein.

§ 4 Pflichten der Mitglieder
Alle Mitglieder haben den Mitgliedsbeitrag zu entrichten. Dieser besteht in der Einbringung eines bis dahin im Vereinsarchiv nicht nachgewiesenen Meta-Limericks. Er kann selbstgedichtet sein oder nicht. Über die Qualität befindet der Vorstand. Beiträge werden hier entgegengenommen.

§ 5 Organe des Vereins
Organe des Vereins sind
a) der Vorstand: die Gründungsmitglieder isabo (dichtendes Mitglied) und nicwest
b) die Mitglieder: Lady Grey (dichtendes Mitglied), andele (gleichzeitig Kassenwart), ichichich, Blue Sky, percanta, @missmaple506, Fauler Sack und @ErwinJurschitza.

Weitere Mitglieder werden mit Hilfe der in § 4 beschriebenen Zulassungsprozedur aufgenommen. Eine Mitgliederversammlung und solch demokratischen Schnickschnack gibt es nicht. Im Zweifel entscheidet stets der Vorstand.

§ 6 Inkrafttreten
Die vorliegende Satzung ist nirgends und von niemandem beschlossen worden. Sie tritt jetzt in Kraft und gildet für immer.

Archiv

There was a young fellow from France
who waited ten years for his chance.
Then he muffed it.

There was a young lady called Jenny
whose limericks weren’t worth a penny.
Her technique was sound,
but she always found
that when she tried to write any
she’d end up with one line too many.

There once was a man in Japan
whose Limericks never would scan.
When they asked him why
he said it’s because I
always try to put as many words into the last line as I possibly can.

Es war mal ein Dichter in Essen,
dessen Limericks konnt man vergessen.
Wenn man fragte, warum,
sagte er, ’s ist zu dumm:
Ich versuch einfach immer, viel zu viele Wörter in die letzte Zeile zu pressen.

Es gibt irgendwo einen Spacken,
dessen Limericks immer abkacken.
Wenn man fragt, was das soll,
sagt er, das ist ganz toll,
ich bemüh mich immer, so viele Silben wie möglich in die letzte Zeile zu packen.

An impromptu poet of Hibernia
rhymed himself into a hernia.
He became quite adept
at the practice except
for occasional anti-climaxes.

Es ist eine Rothaarige in Hoheluft,
die packt auch gar plötzlich die Reimeslust.
Unter großem Trara
tritt sie bei dem VHMLH,
auch wenn sie zugegebenermaßen noch etwas üben muss.

In Hamburg lebten zwei Blogger
die nahmen das Reimen eher locker.
Das Metrum indes,
das steht nun mal fest,
und da müsst Ihr beiden vielleicht doch wirklich noch ein bisschen üben. Aber das wird schon!

There was a fat lady from Skye
who felt she was likely to die.
But for fear that once dead
she would not be well fed
she gulped down a pig, a cow, twelve buns, a seven-layer cake, four cups of coffee and an apple pie.

A decrepit old gasman named Peter,
while hunting around the gasmeter,
touched a leak with his light;
he blew out of sight -
and, as everyone who knows something about poetry can tell you, he also ruined the meter.

Es lebte ein Knabe in Kanton,
der hieß mit Vornamen Anton.
Doch muss ich gestehen:
Was mit ihm geschehen,
kann ich Ihnen in Ermangelung eines geeigneten Reimes leider nicht mitteilen.

A zoologist’s daughter of Zug
cried: “Papa, what is that on the rug?”
Said he: “Goodness gracious!
How very vexatious!
I very much fear it’s a blood-sucking insect of the cimex lectularius species!”

Die Reime des Dichters aus Ü-
ckermünde sind stets etwas grü-
blerisch. Er sagt trü-
be: “Solang ich auch ü-
be, ist doch eine Silbe stets ü-
brig.”

Ein Arschloch vom Steinhuder Meer
Liebte Limerickdichten schon sehr
Doch sein Werk, muss man motzen
War durchweg zum Kotzen
Der Wichser war viel zu vulgär

Me pregunto si puedo cumplir
las reglas del club y escribir
como ya lo ves
no en inglés
sino en castellano y si hace falta malograr el último verso aún más o si eso ya es suficiente para que lo consideres ‘meta’.

Versucht sich Herr P. aus Südhessen
mit Limerickdichtern zu messen,
dann geht das daneben,
denn er hat soeben
mal wieder das richtige Versmaß vergessen.

There was a young man from Peru
whose limericks stopped at line two.

Glückwünscherick:
Bei einer Dame mit Blog und Vereinen
(gleich zweien!) ist’s leicht, sollt man meinen,
die Form zu finden
ihr Kränze zu winden
zum Ehrentag. Doch fehlen mir noch anderthalb Ideen, um den Schluss fein zu reimen. Leider.

Es gab einen Mann in Peru,
der fand nur in der Oper Ruh.
Bei erfrischender Kühle
schlief er dort im Gestühle
(nach Hause fuhr er dann per U-
Bahn).

There’s a one line poet in Limerick.

Ein-Wort-Meta-Limerick:
Nanu! (Stotterer-Version)

na-ná-na-na-ná-na-na-ná
na-ná-na-na-ná-na-na-ná
na-ná-na-na-ná
na-ná-na-na-ná
na-ná-na-na-ná-na-na-ná-nanu.

Es lebte ein Tierfreund in Bebra,
der hielt sich im Keller ein Zebra.
Woselbst es verblich –
zumindest für mich,
denn es gibt keinen Reim mehr auf -ebra.

The limerick is really quite hard
For many an amateur bard.
For supposing they can
Get the meter to scan
They still need to rhyme that last word.

There once was a man from the sticks
Who liked to compose limericks.
But he failed at the sport,
For he wrote ’em too short.

There was a young lady of Ireland
Whose limericks never did rhyme.
They start with a word
And are always too short.

Es lebte ein Mann in Hannover,
dessen Limericks klangen irgendwie immer wie Prosa. Seine Freunde schlugen ihm vor, er solle doch lieber Romane schreiben. Zuerst wollte er nicht, aber als er es doch einmal ausprobierte, stellte sich heraus, dass er das sehr viel besser konnte.

A cardiac patient named Fred
made a limerick up in his head.
But before he had time
to write down the last line

A limerick fan from Australia
regarded his work as a failure.
His verses were fine
until the fourth line.

A newspaper poet for Hearst,
deprived of his reason
by uncontrolled sneezing,
was by phantasal demons coerced
to write all of his limericks reversed.

There was a young poet quite fine
whose limericks repeated a line.
Though this was redundant,
though this was redundant,
his limericks repeated a line.

There was an old man
from Peru whose lim’ricks all
look’d like haiku. He

Said with a laugh: I
cut them in half, the pay is
much better for two.

There once was a [person] from [place]
whose [body part] was [special case].
When [event] would occur,
it would cause [him or her]
to violate [law of time/space].

There once was a small juicy orange
…fuck.

Es spürte ein Dichter aus Erlangen
nach falscher Betonung ein Verlangen.
Da rief man: „Ach Bert,
du bist bescheuert!“
Da ist ihm das Verlangen vergangen.

There is a young poet named Herman.
He’s not very good, but he’s learnin’.
Though he sometimes offends
’cause he so often ends
seine Limericks einfach auf Deutsch.

Ein Dichter aus Peine
machte nur unreine Reime.
Auch mit dem Rhythmus
stand er auf Kriegsfuß.
Darum waren seine Limericks auch schlecht.

“Wir sollten mehr Limericks dichten,
man hat ja nun schließlich auch Pflichten!”,
sagt Clubchefin Nicola
vom VHMLH.
Doch ist leider so viel zu berichten,
in fünf Zeilen passt das mitnichten.

Eine Dichterin, die das Verschie
ben von Silben und Buchstaben lie
bte, die strich – so ein Mist! –
ihr Mäzen von der List
e der förderungswürdigen Li
merickdichterinnen.

Rob, an odd fellow, designs
Poems of equal-length lines
And he limericks with flair
As his forethought and care
Ensure a word count of 3 9s

There once was an X from place B
that satisfied predicate P.
He or she did thing A
in an adjective way,
resulting in circumstance C.

Ein Limerick traf einen Meta-
kollegen nacktbadend auf Kreta.
Der sagt: “Oh, wie klein
der ist, kann das sein?
Schau mich an, ich hab’, verglichen mit dir, viel mehr dran an mir, rund zwei Dezimeter!”
“Deshalb trag ich doch keinen Schurz,”
entgegnet der, “das ist mir schnurz!
Ich weiß, in der Kür-
ze liegt doch die Wür-
ze. Drum lass ich darauf ‘nen.”

Für Limericks – wie kann das sein? –
fällt mir nie der letzte Reim ein.
Gleich ist er versaut,
ich fahr’ aus der Haut:
„Kann mir niemand helfen hier?“ – „Doch.“

Bei Limericks kann ja das Vers-
maß schwierig sein, doch nicht für mich, ich beherrsch’s.
Man himmelt mich an,
weil ich das toll kann,
mit Reimen kokett und pervertiert.

A lively young damsel named Menzies
inquired: “Do you know what this thenzies?”
Her aunt, with a gasp,
replied: “It’s a wasp,
And you’re holding the end where the stenzies.”

It is right to write three anapests
as a limerick’s line form suggests.
Then there’s two lines with two
where the topic turns blue,
so the last line can finish with breasts.

There once was a fellow from Xiangling
whose greatest delight was in mangling
poems. He would drop
words between lines and lop
their ends off, and leave readers dang

There was an old man from Dunoon
who always ate soup with a fork.
For he said: “As I eat
neither fish, fowl nor flesh
I would otherwise finish too quick.”

There was a young poet of Trinity
who, although he could trill like a linnet, he
could never complete
any poem with feet,
saying: “Idiots,
can’t you see
that what I’m writing
happens
to be
free
verse?”

There once was a [person] from [place]
who [insert more detail in this space];
when [a theme for adults
goes in here] it results
in a [rude, yet still logical case].

Ein Limerickschreiber aus Zwitter
Versuchte es auch mal auf Twitter.
Doch welch’ ein Verdruss,
Es war zu früh Schluss!
Bitter.

In 8-2-3-8-8 St. Oppter
Ein Dichter beginnt, doch dann stoppt er:
LOL,
Keiner sich traut
mit nur 100 chars, ROFLCOPTER!

There was a young lady… tut tut!
So you think that you’re in for some smut?
Some five-line crescendo
of lewd innuendo?
You are wrong. This is anything but.

Our vicar’s an absolute lamb;
but when he sat down in the jam
on taking his seat
at our Sunday school treat
we all heard the poor man say: Stand up, please, while I say grace.

A bather whose clothing was strewed
by winds, which left her quite nude,
saw a man come along…
and unless I am wrong
you expected this line to be rude.

There once was a guy from Atlanta whose limericks were indistinguishable from prose.

There was an old man with a beard.
A funny old man with a beard.
He had a big beard.
A great big old beard.
That amusing old man with a beard.

There was a young man from Cape Weir
who hadn’t an atom of fear.
He indulged a desire
to touch a live wire –
and any last line will do here.